Das Venus-und-Mars Ding am Beispiel “Nice Guy”

Suwasu setzt sich mit einem Kommentar von Maren auseinander, wobei mir ein kleines Detail auffällt, das bisher im Rauschen untergegangen ist.

Ich formuliere leicht um:

Nice Guys bauen darauf, dass wenn sie freundlich zu Frauen/Mädchen sind, ihnen sofort dafür Gegenleistungen zustehen

Das ist eine so vollständige Missrepräsentation der Bluepill-Niceguy Denkweise, dass ich nie verstanden habe, wie jemandx darauf kommen kann.

Männer, vor allem sozial ungeschickte Männer, gehen an das Leben heran wie an ein Computerspiel oder an das Aufbauen eines Ikeaschranks oder an das Autofahrenlernen: In der Erwartung, dass es Spielregeln und/oder eine Art Gebrauchsanleitung gibt, die es ihnen erlaubt, das Gewünschte zu erreichen.

Man geht davon aus, dass die Anleitung korrekt ist und Erfolg nur davon abhängt, ob man in der Lage ist, sich an die Vorgaben zu halten. Wenn der Schrank nicht erfolgreich zusammengebaut ist, ist die erste Reaktion: “Moment, hätte ich erst die Rückwand an den Korpus halten müssen, bevor ich die Nägel eingeschlagen hab?” und nicht “Ich habe alle Nägel eingeschlagen, also habe ich ein Anrecht darauf, dass der Schrank steht!”. Letzteres ist absurd. Es gibt beim Befolgen einer Anleitung kein Anrecht, kein Quid Pro Quo.

Das Klagen des Niceguys ist also mit einem Fahrschüler vergleichbar, dem der Fahrlehrer beigebracht hat: “Wenn du sicher um die Kurve fahren willst, musst du einen Gang hochschalten und vorher ein wenig Gas geben.”

Der Niceguy vertraut dem Fahrlehrer* und probiert es so.
Wieder und wieder.
Ein Auto nach dem anderen wird ruiniert, bis der Niceguy sich kein neues Auto mehr leisten kann oder – anfangs undenkbar – die Weisheit seines Fahrlehrers in Frage stellt.

Das ist der wichtige Punkt für die Wut und Enttäuschung des Niceguys: Am Anfang ist es undenkbar in Erwägung zu ziehen, dass der Rat des Fahrlehrers nicht gut ist, denn das würde ja eine von zwei Erklärungen fordern: a) Der Fahrlehrer hat keine Ahnung, oder noch schlimmer b) Der Fahrlehrer lügt mich bewusst an und betrügt mich. Was hat mein Fahrlehrer davon, dass ich das Autofahren nie lerne?

Bei einem in China zusammengekloppten Computerspiel zögere ich keine Sekunde, an der Anleitung zu zweifeln. Wenn da steht “Drücken Sie Birne Ä, um anzumalen Alles” ist es kein Ding zu denken: “Ah, Dummheit gemischt mit Übersetzerproblemen. Eigentlich meinen sie ‘Drücken Sie Apfel A, um alles zu markieren”.
Aber wenn geliebte Vertrauensfiguren mir (objektiv) falsche Anleitungen geben, dann wird alles sehr viel schwerer.

Warum ist das für Menschen wie Maren so schwer zu verstehen.**

Als Erklärung fallen mir unter anderem ein:

Scheuklappendenken. Die wichtigste Schlussfolgerung für den geläuterten Not-any-more-only-nice-Guy ist ja: “Höre nicht auf das, was Frauen sagen, sondern achte auf das, was Frauen tun.” (In diesem Fall konkret: Was sind es für Männer, die Erfolg bei Frauen haben?)
Das ist eine Schlussfolgerung, die eine Feministin nicht stehen lassen kann, vorzugsweise nicht mal zur Kenntnis nehmen kann.
Ungeachtet dessen, dass in der Maxime “Frauen” reibungslos durch “Menschen” ersetzt werden kann.***
Darin taucht “Frau” ja nicht mehr als “gut”, “rein” und “Lichtgestalt” auf, was wohl bei jeder Mein-Feminismus-Feministin irgendwo in der Basis der Feminismusmotivation steckt.

Oder das “Hammer und alles ist ein Nagel” Ding. Wer selbst Quid Pro Quo als fundamentales Lebensmotto hat, sieht es natürlich auch in allen anderen Menschen. Andere Erklärungsmuster kommen einem gar nicht erst in den Sinn.

Aber das will ich ihr gar nicht unterstellen. Das erste ist viel plausibler.
Maren steckt letztlich in der selben Zwickmühle wie der unaufgeklärte Niceguy: Ein Phänomen, das die viel geliebte und Halt-gebende Ideologie in Frage stellt! Das kann nicht sein, das darf nicht sein, es muss andere Erklärungen geben, das Phänomen muss böse sein.

Was genau der Mechanismus ist, warum enttäuschte Nice Guys zu Frauenhassern werden. Die Mutter kann nicht Unrecht haben, also sind die Frauen falsch.

Apropos: “Armageddon” ist australisch für “A ma gedd’n out of here” 🙂

——————————-
* Man denke daran, dass der Fahrlehrer in Beziehungsfragen in sehr vielen Fällen die eigene Mutter ist. Natürlich vertraut man der. Die liebt man schließlich und geht davon aus, dass sie einen zurück liebt.

** Lustig, mein Spellchecker kennt das Wort “Maren” nicht. Alternativvorschläge unter anderem: Mären, Magen, Malen, Baren, Garen, Meran, Waren.

*** Es gibt auch konservative Männer, die ihre eigene Witzfigur-Genesis nicht merken, wenn sie sagen: “Ich verlange von der Politik prinzipientreue. Ich will wissen, woran ich bin. Werte sind wichtig. Deswegen wähle ich Angela Merkel.”

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8 thoughts on “Das Venus-und-Mars Ding am Beispiel “Nice Guy”

  1. Interessanter Aspekt.

    Mein Ansatzpunkt ist allerdings der, dass “Nice Guy” meist keine Strategie ist, sondern bloß ein Etikett für typische Charaktermerkmale. Bevor diese Dinge alle anglisiert wurden, gab es diese Probleme ja auch schon. Wer kennt nicht Freunde, die das mal beklagt haben? Männer, die sich gefragt haben, was an ihnen falsch ist, weil sie die von ihnen begehrten Frauen nicht für sich gewinnen konnten. Das waren nach meinem Erleben Männer, die einfach darauf gehofft hatten, an sich geliebt zu werden, so, wie sie eben sind. Sie stellten fest, dass das nicht eintrat. Stellten fest, dass Männer mit anderen Charaktermerkmalen erfolgreicher waren. Sie zogen den Schluss daraus, dass Mann in einer bestimmten Weise sein und handeln müsse. Der resultierende Ärger hatte doch letztlich den Tenor: Warum werde ich nicht so angenommen, wie ich bin? Warum ist meine Art zu sein für Frauen unattraktiv?

    Da kann man in unterschiedliche Richtungen denken:
    a) der Fahrlehrer war tatsächlich die Mutter und sie gab ein “falsches” Bild des attraktiven Mannes vor.

    b) Unsere Kultur propagiert das Lieben eines Menschen um seiner selbst willen und festigt damit den Glauben, dass sich die Liebe demnach von alleine ergeben müsste. “Auf jeden Topf passt ein Deckel”. Diese Kultur behauptet, dass Flirten nichts mit Technik und Regeln zu tun hat, sondern dass die Persönlichkeit alleine Anziehung schafft. Das könnte ein großer Irrtum sein.

    c) Die “netten Männer” sind womöglich oft in einem Punkt nicht ganz sie selbst: Sie zeigen ihre Wünsche nicht, sie flirten also nicht, sie verstecken ihr Begehren. Die Frauen können nicht wissen, dass der “nette Mann” mehr sein will als ihr Freund. Das korrespondiert aber womöglich auch mit einer Kultur, die männliche Wünsche als egoistisch einstuft und männliche Initiative nicht selten als übergriffig oder neuerdings “alltagssexistisch”.

    d) Unsere Kultur produziert tatsächlich große Illusionen über die Gleichheit der Geschlechter, weil sie leugnet, dass die Initiative eben auch heute noch meistens von den Männern ausgehen muss. Damit kann man sich aber der trügerischen Hoffnung hingeben, dass irgendwann eine Frau schon den ersten Schritt macht, wenn sie einen mag. Es ist dann irritierend, zu merken, dass das nicht eintritt, was auch zum Fehlschluss führen kann, dass Frauen einen nicht interessant finden.

    • “dass “Nice Guy” meist keine Strategie ist”
      Im Sinne von “nicht bewusst geplant”. Ja, in dem Sinne hinkt mein Vergleich mit der konkreten Anleitung. Die “Anleitung”, die ein Incel-Niceguy befolgt ist deutlich subtiler. Vermutlich deswegen auch schwerer als ‘falsch’ beiseite zu legen.

      Zeitgeist Sätze wie “Sei du selbst” sind ein gutes Beispiel dafür.

      Aber auch ein Indiz, dass die Fahrlehrer wahrscheinlich nicht aus Böswilligkeit handeln: Früher wurde mann dafür geheiratet, dass er ein solider Versorgertyp war. Da waren nicht sooo viele andere Qualifikationen nötig. Da war es gut, man selbst zu sein, wenn man denn wirklich ein Nice Guy war.

    • Dieser Kommentar wäre es wert, als eigener Artikel veröffentlicht zu werden. Das einmal sauber in den Punkten a) – d) ausformuliert zu bekommen! Es gibt doch noch schöne Überraschungen im Leben…

  2. Ich denke, dass Frauen auf die Frage, ob sie einen Netten Jungen interessant finden würden, einen vollkommen anderen Mann vor Augen haben als der Mann, der Fragt.

    Meist werden sie eher überlegen, ob sie einen Mann, den sie eh heiß finden, mit einem netten Verhalten gut finden. Sie setzten also die sexuelle Anziehung (weil eh ein unbestimmtes Bauchgefühl aus ihrer Sicht) voraus und springen direkt zu Komfort, wo ein netter Kerl ja durchaus Punkte sammeln kann.

    • Ohne Zweifel.

      Deswegen ist ja auch die oben genannte Maxime “Schau, was sie tun” so wichtig. Die normale Frau kann ihren Idealmann so wenig beschreiben wie der Normalmann seine ideale Frau.

      • Ja, das denke ich auch. Dazu trägt allerdings auch eine teilweise sehr einseitige Frauenverherrlichung bei. Wenn Frauen weithin unterstellt wird, dass sie anders als Männer nur auf die inneren Werte achten würden, entsteht eben die Fiktion der Liebe um seiner selbst willen. Wer dieses Frauenbild ernst nimmt, erwartet dann, dass eine Frau äußerliche Schwächen nicht so stark gewichtet und charakterliche Vorzüge zu schätzen weiß. Aber das ist ganz sicher ein Irrtum, weil die von Christian erwähnten erotischen Präferenzen die Partnerwahl mitprägen.

        Die “edle Frauen” Ideologie schadet an der Stelle beiden Seiten: Männer machen sich Illusionen, Frauen können ihre eigentlichen Wünsche nicht legitim artikulieren.

      • “Frauen können ihre eigentlichen Wünsche nicht legitim artikulieren”
        Die Frauenkultur versucht das ja seit einer Weile, leider häufig auf eine recht unbeholfene Art und Weise, a la Sex and the City.
        Es ist nicht mehr so selten, von Frauen zu hören, wie sie sich über knackige Männer unterhalten.
        Das Hauptproblem ist in diesem Kontext m.E. dass die meisten Frauen ihre Marktwerte nicht auseinander halten: Für einen ONS kann eine Frau visuell ganz andere Typen bekommen als für eine Beziehung.
        Das gleiche Problem, nur andersrum, haben dann Nice Guys: Für ein “echt offenes und tiefes” Gespräch kommen sie auch an viel hübschere Frauen ran als für eine Beziehung.

        Vielleicht sollte man in den Aufklärungsunterricht aufnehmen, DASS es diese verschiedenen “Märkte” gibt und dafür weglassen, wie man eine Gurke vor Aids schützt ^^

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