Medien ändern sich in kleinen Schritten

Die Tagesschau hat heute einen Artikel anlässlich einer Konferenz gegen sexuelle Gewalt in Kriegen.

Er ist deutlich weniger einseitig als er es vor ein paar Jahren noch gewesen wäre. Die Struktur des Artikels macht aber klar, wo die Redakteurin die Prioritäten setzt.

Der Anreisser ist neutral: “…Berichte von Opfern aus dem Kongo zeigen…”

Da aber im Grundgesetz irgendwo steht, dass ein Zeitungsartikel, egal wie sachlich, immer mit einer persönlich-privaten Geschichte anfangen muss, für den ‘human interest’, fängt dieser Artikel auch entsprechend an (alle Fettungen meine):

Eine Gruppe Frauen sitzt vor einem einfachen gelben Haus im Gras. (…) Jede Frau und jedes Mädchen hier hat schwere Gewalt erfahren. Das jüngste Opfer ist nicht mal ein Jahr alt, das älteste 89.

Antoinette, eine Frau mit einem roten Kopftuch, ist eine der wenigen, die über das Erlebte reden können: “Mich haben zwei Männer in Uniform überfallen. (…) Sie haben systematisch alle Frauen im Dorf vergewaltigt, Haus für Haus.”

Es kommt ein Zwiti:

Mehr als jede zweite Frau im Ostkongo betroffen

Der Fokus bleibt auf Frauen:

Das gelbe Haus ist für viele Frauen die einzige Rettung. Das Heim (…) wurde von Justine Masika aufgebaut. Sie hat vor gut zehn Jahren die Organisation “Synergy” gegründet, die sich um Vergewaltigungsopfer kümmert.

Meines Wissens fehlt hier ein Teil: “…die sich ausschließlich um weibliche Vergewaltigungsopfer kümmert.”
Es gibt keine Hilfe für andere.

Jetzt das Erstaunliche: Ein kurzer Abschnitt unter dem Zwiti:

Auch Männer werden zu Opfern

Sogar mit ‘human interest’:

Stephen Kigoma war noch ein Teenager, als eine Miliz seine Eltern umbrachte. Die Kämpfer verschleppten ihn in ihr Lager und missbrauchten ihn mehrfach. “Als sie fertig waren, haben sie mich an einem anderen Ort ausgesetzt”, berichtet er. “Ich konnte kaum noch laufen. Damals habe ich mir nur gewünscht, dass sie mich getötet hätten, statt mir das anzutun.”

Es wird aber auch geklärt, warum das im Wesentlichen schlimm ist:

Männliche Opfer trauen sich nicht mehr zurück in ihre Dörfer. Vergewaltigung ist auch darum eine Waffe, weil Familien dadurch zerstört werden

Sicherheitshalber schieben wir den Fokus wieder zurück auf die armen Frauen und die tapferen Frauen, die helfen.

Antoinette wurde nach der Vergewaltigung von ihrem Mann verlassen. (…) “Wir werden psychologisch betreut und die Mitarbeiter kümmern sich auch um unsere Familien.(…)“

Mehr als 15.000 Frauen und Mädchen hat die Organisation “Synergy” schon unterstützt. Gründerin Justine Masika gerät durch ihr Engagement in Gefahr. (…) “Damit die Gewalt gegen Frauen gestoppt werden kann, fordern wir zwei Dinge: Frieden und Gerechtigkeit” (…)

Aber immerhin. Frau Diekhans schweigt es nicht tot. Zwar immer noch im “Patriarchy hurts men, too” Tonfall (“selber schuld, die wahren Opfer sind andere” und das eine erwähnte Opfer musste natürlich ein Kind sein und kein erwachsener Mann)…
Aber immerhin.


Wer ein wenig mehr über die hier nur angedeutete Seite lesen will, dem sei dieser Observer Artikel empfohlen.

Zitate:

“There are certain things you just don’t believe can happen to a man, you get me? But I know now that sexual violence against men is a huge problem. Everybody has heard the women’s stories. But nobody has heard the men’s.”


In Uganda, survivors are at risk of arrest by police, as they are likely to assume that they’re gay – a crime in this country and in 38 of the 53 African nations. They will probably be ostracised by friends, rejected by family and turned away by the UN and the myriad international NGOs that are equipped, trained and ready to help women. They are wounded, isolated and in danger. In the words of Owiny: “They are despised.”


Often, she says, wives who discover their husbands have been raped decide to leave them. “They ask me: ‘So now how am I going to live with him? As what? Is this still a husband? Is it a wife?’ They ask, ‘If he can be raped, who is protecting me?’ There’s one family I have been working closely with in which the husband has been raped twice. When his wife discovered this, she went home, packed her belongings, picked up their child and left. Of course that brought down this man’s heart.”


Stemple’s findings on the failure of aid agencies is no surprise to Dolan. “The organisations working on sexual and gender-based violence don’t talk about it,” he says. “It’s systematically silenced. If you’re very, very lucky they’ll give it a tangential mention at the end of a report. You might get five seconds of: ‘Oh and men can also be the victims of sexual violence.’ But there’s no data, no discussion.”


Dolan points to a November 2006 UN report that followed an international conference on sexual violence in this area of East Africa. “I know for a fact that the people behind the report insisted the definition of rape be restricted to women,”


Feminism = Equality

Wer könnte daran zweifeln?

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2 thoughts on “Medien ändern sich in kleinen Schritten

  1. Das ist so furchtbar, dass man schreiend im Kreis laufen möchte. Vergewaltigung ist in meinen Augen eines der schlimmsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann. Doch sowohl Medien als auch NGOs als auch die Politik ignorieren das, wenn es der falschen Hälfte der Menschheit widerfährt. Einfach nur schrecklich.

  2. Pingback: United Kingdom 'The Guardian' reporting on raped men

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