Sehr deutlicher Text eines Betroffenen zur Objektifizierung von Männern

Über einen Link in den Kommentaren bei Evo-Chris gefunden.

Kurzer Ausschnitt:

wenn Du also körperlich und ganz konkret erlebt hast, dass Du ein rechtloser Bürger zweiter Klasse bist, dem man problemlos für über ein Jahr seines Lebens die Selbstbestimmung entziehen kann, persönlichkeits- und gefühlfreies Wehrfleisch ohne Anspruch auf Würde, disponible Verfügungsmasse, bewertet nach ihrer Verwendungsfähigkeit zur Zwangsarbeit und ihren diese einschränkenden Fehlern, und dass der Teil der Gesellschaft, den das alles nicht betrifft, das mehrheitlich befürwortet,
dann kannst Du über Feministinnen, die sich über eine Werbung aufregen, in der eine auf einem Motorrad sitzende gezeichnete Frau von hinten gezeigt wird, weil diese die Frau als solche objektifiziere und sie ganz persönlich diskriminiere, nichtmal mehr lachen.

Während des Lesens dachte ich die ganze Zeit: “Stimmt, wie kann man nach dem Artikel noch glauben, Frauen seien Menschen zweiter Klasse?”

Um mich dann daran zu erinnern, was ein Rationalisierungshamster in unseren besten Frauen von allen alles zu leisten vermag. Ich höre es schon: “Aber das ist doch die Ausnahme.”, “Meinem Bruder hat es nicht geschadet.”, “Ach, wie du dich immer anstellst.”, “Frauen in Hintertupfistan haben es noch viel schlimmer.” (Kein Wort darüber, wie es den Männern in Hintertupfistan geht.)

Sind es vielleicht Erfahrungen, die Männer mit weiblichen Rationalisierunghamstern gemacht haben, die dazu führen, dass manche Männer von den geistigen Fähigkeiten von Frauen nicht viel halten?

Manchmal könnte ich es verstehen.

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10 thoughts on “Sehr deutlicher Text eines Betroffenen zur Objektifizierung von Männern

  1. Auf einer englischsprachigen MHRM-Seite habe ich mal in einem Kommentar ungefähr gelesen: “Frauen können so wenig Empathie mit Männern empfinden wie Kinder mit Erwachsenen.” Das fand ich ziemlich generalisierend und sexistisch.

    Aber mittlerweile wird mir klar, daß der Satz gar nicht so falsch war — was allerdings weniger mit den Frauen zu tun hat. Denn Kinder sind ja (ab einem gewissen Alter) durchaus zur Empathie fähig; Stefan Molyneux erzählt zum Beispiel gern die Geschichte, wie er sich auf die Zunge gebissen hat und seine Tochter feststellte: “Das hat mir so wehgetan, als hätte ich mir selbst auf die Zunge gebissen.”

    Andererseits ist für Kinder die Vorstellung, daß Erwachsene, jedenfalls ihre Bezugspersonen, quasi unzerstörbar seien, ungefähr so wichtig wie die, daß die Eltern alles wissen und alles regeln können. Eine Bekannte, die als U3-Erzieherin arbeitet, erzählte mir mal, wie “ihre” Kinder geradezu verstört reagierten, als sie einmal ein Pflaster am Arm hatte. Warum hast Du ein Aua, Du bist doch dafür da, mir zu helfen, wenn ich ein Aua habe!

    Aber Empathie können wir immer nur soweit haben, wie wir uns in einen anderen Menschen hineinversetzen können. Wenn ich sehe, wie jemand sich den keinen Zeh stößt und dann mit schmerzverzerrtem Gesicht herumhüpft, dann zieht sich auch mir alles zusammen, weil ich nachvollziehen kann, welche Schmerzen er gerade aushalten muß.
    Andererseits ist mir bei der Fußball-WM aufgefallen, daß ich zwar eine ähnliche Reaktion habe, wenn in Zeitlupe gezeigt wird, wie ein Spieler einem anderen mit Anlauf gegen den Knöchel tritt, aber andererseits ungerührt bleibe, wenn ein Torwart sich auf den Boden wirft, um einen Ball zu fangen, der sonst zwei Meter an ihm vorbeigeflogen wäre. Dabei weiß ich genau, wenn ich das versuchen würde, könnte ich die nächsten paar Stunden nicht gerade stehen; aber da der Torwart keine Schmerzregung zeigt und ich (daraufhin) annehme, daß er durch sein Training tatsächlich so abgehärtet ist, daß er auch tatsächlich keine Schmerzen empfindet, bleibe ich ungerührt.

    Nun bin ich absolut kein Fachmann, bin aber durch solche Selbstbeobachtungen zu dem Schluß gekommen, daß es offenbar zwei verschiedene Mechanismen des Mitfühlens gibt: Der eine ist eher affektiv, der andere eher intellektuell, erfordert also die bewußte Überlegung “Wie würde ich mich in dieser Situation fühlen?” (Und damit erstmal die Idee, sich diese Frage überhaupt zu stellen.)

    Es ist naheliegend, daß die affektive Empathie sich weitestgehend nur auf körperliche Gefühle beziehen kann, dafür aber über die meisten menschlichen Unterschiede hinweg funktioniert; wenn eine achzigjährige Chinesin im neunten Jahrhundert sich den Kopf stieß, war ihr Schmerz vermutlich gut mit dem vergleichbar, den ich spürte, als mir das gleiche mit fünfzehn passiert ist.
    (Angesichts dessen ist mir allerdings vollkommen unklar, warum sich irgendjemand diese Homevideo-Sendungen anschaut, die ja gern mal zur Hälfte aus “Mann bekommt Baseball in die Nüsse” bestehen. Molyneux geht davon aus, daß Gewalt- oder Vernachlässigungserfahrungen in den ersten vier Lebensjahren die Bildung von Spiegelneuronen verhindern können, aber er ist Philosoph und kein Neurologe, deshalb nehme ich seine Theorien mit einer gesunden Portion Skepsis.)

    Für die intellektuelle Version von Empathie müssen wir dagegen in der Lage sein, uns in unser Gegenüber hineindenken zu können, und das wird durch Unterschiede in Geschlecht, Alter, Ethnie, sozialem Stand, Zeitalter und tausender anderer Faktoren natürlich immer weiter erschwert. Letztlich gibt es hier also zwei Aspekte: Zum einen unsere Fähigkeit, uns in den anderen hineinzuversetzen, und zum anderen werden wir aus seiner Reaktion Hinweise ableiten, wie er sich in dem Moment fühlt.

    Nun befinden wir uns heute in einer Situation, in der seit mehreren Jahrzehnten praktisch nur die Probleme und Befindlichkeiten von Frauen Thema des öffentlichen Diskurses waren, während die von Männern höchstens in Form von Zuschreibungen von Bosheit, Stoizismus, Stärke oder Inadäquanz stattfanden. Jeder Mann, der auch nur ein wenig den Medien ausgesetzt war, “weiß” doch heute alles über die Ängste von Frauen im Dunkeln, ihre Probleme im Beruf, den Ärger beim Kleidungskauf und all die vielen weiteren Nachteile, von denen uns tagtäglich berichtet wird.

    Andererseits wird eine junge Frau, die mitbekommt, wie ihre männlichen Klassenkameraden sich dem System Zwangsdienst stellen müssen, vermutlich nie eine so emotionale und ehrliche Schilderung von deren Erlebnissen zu hören kriegen wie die von Leif, die Du hier verlinkt hast. Wie auch? Wenn ein junger Mann in dem Alter seine Sorgen und Nöte gegen alle gesellschaftlichen Konventionen überhaupt äußert, dann wird er das doch eher gegenüber seinen engsten Freunden und Leidensgenossen tun und sich diese Blöße nicht noch ausgerechnet vor einer Frau geben. Ich muß sagen, obwohl ich sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe, weiß ich nicht, ob ich einen solchen Text heute verfassen könnte, ganz sicher hätte ich mit 19 niemals offen darüber gesprochen.

    Entsprechend nimmt die junge Frau also nur wahr, daß junge Männer eben zur Musterung und dann zum Bund oder Zivildienst gehen, ganz normal, ganz selbstverständlich. “Das war schon immer so”, zitiert ja auch Leif seine Freundin. Das wird schon in Ordnung sein, das wird für die schon in Ordnung sein, sie wußten ja, daß es irgendwann auf sie zukommt, es gehört halt dazu, es ist halt so.

    Und alles schon unter der Voraussetzung, daß die Fähigkeit und Bereitschaft zur Empathie überhaupt vorhanden sind — und noch ohne Berücksichtigung des vermutlich evolutionär angelegten Gender Empathy Gap.

    Insofern denke ich nicht, daß hier unbedingt von einer Schuld oder einem Unvermögen auf Frauenseite auszugehen ist. Eher sind auch sie Opfer einer Umwelt, die sie den entsprechenden Eindrücken und Informationen nie ausgesetzt hat.
    Und letztlich kommen wir damit doch wieder bei Warren Farrell an: Women can’t hear what men don’t say. Weshalb Texte wie der, den Du hier gefunden hast, so wertvoll (und verbreitenswert) sind. Daß wir damit überzeugte misandrische Feministinnen (und Traditionalisten) nicht erreichen können, ist klar, aber das ist ja zum Glück nicht die Mehrheit der Bevölkerung.

    Bombe 20

    • @bombe20

      Danke für deinen Kommentar.
      Ein wenig Widerstand regte sich in mir nur bei “Insofern denke ich nicht, daß hier unbedingt von einer Schuld oder einem Unvermögen auf Frauenseite auszugehen ist. ” der mir zu apologetisch ist.

      Während du einerseits recht hast, geht die Bandbreite ja von dem naiven Mädchen, das schlicht noch nie Veranlassung hatte, sich in ihre Altersgenossen zu fühlen, bis zu der Präsidentschaftskandidatin, die findet, die überlebende Frau hat es viel schlechter als der erschossene Mann.

      Dem “women can’t hear what men don’t say” steht gegenüber, dass Leif seine Geschichte ja anscheinend Bekannten und Bekanntinnen erzählt hat. Und abwiegelnde Reaktionen bekommen hat.

      Diese Frauen haben’s gehört. Und nicht für voll genommen.

      Drei Sekunden, nachdem ich gestern den Fernseher einschaltete, wurde ein Mann von einer Frau geohrfeigt.
      Wir sind weit entfernt davon, dass Männer ein Pflaster am Arm tragen dürfen, ohne abwehrend-abwiegelnde Reaktionen von Frauen zu ernten. Oder anders gesagt: Dass Männer nicht alles erzählen, fällt nicht nur unter Selber Schuld.

      Ich selbst fände eine Welt ja schöner, in der nicht Männer ihr Leid viel mehr ausbreiten, sondern Frauen aufhören, es immer ach so schwer zu haben.
      Aber ich bin ja auch ein Mann. Ich bin ja darauf getrimmt, mich nicht so anzustellen. Klar, dass ich das ganz natürlich und richtig finde.

      • me,

        Ein wenig Widerstand regte sich in mir nur bei “Insofern denke ich nicht, daß hier unbedingt von einer Schuld oder einem Unvermögen auf Frauenseite auszugehen ist. ” der mir zu apologetisch ist.

        das “unbedingt” ist genau so gemeint, wie es dasteht. Es bezieht sich auf die Einschränkung, die ich vorher machte: Und alles schon unter der Voraussetzung, daß die Fähigkeit und Bereitschaft zur Empathie überhaupt vorhanden sind […].

        Diese Diskussion streift zwei grundsätzliche Themen, zu denen ich schon länger mal etwas schreiben wollte, wenn ich doch nur ein Blog hätte. (Sorry, Insider.) Das eine ist die Art, wie unser Gehirn lernt, das andere der Zusammenhang zwischen Macht und Verantwortung.

        Zum ersten: Meiner weiterhin laienhaften Ansicht nach schließt unser Gehirn aus Beobachtungen in der Umwelt induktiv auf Regeln, die diese bestimmen. Das ist einerseits überlebenswichtig, zum Beispiel ist es unheimlich praktisch, daß wir nicht für jede Herdplatte einzeln die Erfahrung machen müssen, daß es weh tut, draufzufassen, während sie heiß ist. Andererseits ist diese Form des Lernens anfällig für induktive Fehler.

        Dazu kommt noch, daß unser Gehirn ziemlich rechthaberisch ist und mit seinem Besitzer unter anderem über Gefühle kommuniziert. Ich meine mal eine Studie gelesen zu haben, nach der das Gehirn Glückshormone ausschüttet, wenn es mit neuen Informationen konfrontiert wird, die unseren bisherigen Meinungen ent-, und Streßhormone, wenn sie diesen widersprechen. Deshalb haben wir einen Confirmation Bias und deshalb fühlt sich Kognitive Dissonanz schlecht an.

        Nach diesem Modell erlebt eine Frau, die bisher nur mit Informationen konfrontiert wurde, nach denen Männer stark und stoisch sind und keine Probleme haben (gelernte Regel), plötzlich von einem leidenden Mann hört (neue Information), negative Gefühle aufgrund einer kognitiven Dissonanz.

        Wenn Ottilie Normalverbraucher diese nun auf die mental einfachere und weniger Reflexion erfordernde Art auflöst, dann wird sie das Leiden dieses Mannes trivialisieren und sich vielleicht sogar über ihn lustig machen. Das sagt eine Menge über die Gesellschaft aus, in der sie lebt, ist traurig und ärgerlich. Aber wenn wir die Einstellung von Feministinnen “Deine Rechte enden, wo meine Gefühle anfangen” zu Recht kritisieren (zum Beispiel bei der Idee der Definitionsmacht), können wir andersrum auch nicht fordern, daß niemals jemand etwas äußert, das einen Mann verletzen könnte.

        Etwas anderes ist es bei einer Politikerin, Richterin oder Wissenschaftlerin (oder auch einfach bei jedem Menschen, der für sich in Anspruch nimmt, reflektiert zu sein). Da diese Professionen der Wahrheit und/oder Gerechtigkeit verpflichtet und mit Macht und damit Verantwortung verbunden sind, dürfen und müssen wir von ihnen erwarten, daß sie nicht den einfachen Weg wählen, mit solch einer kognitiven Dissonanz umzugehen, sondern die ihr zugrunde liegenden Annahmen hinterfragen und gegebenenfalls korrigieren, und erst auf Basis dieser Neubewertung agieren.

        Natürlich wäre es wünschenswert, wenn jeder Mensch seine Vorurteile jedes Mal hinterfragen würde, wenn damit ansonsten die emotionale Verletzung eines anderen verbunden sein könnte. Aber dazu reichen unsere kognitiven Kapazitäten schlicht nicht aus. Es gibt diese interessante Dokumentation “Das automatische Gehirn”, in der dargestellt wird, wie viele Entscheidungen wir ständig ganz ohne Beteiligung unseres Bewußtseins treffen.

        Oder anders gesagt: Dass Männer nicht alles erzählen, fällt nicht nur unter Selber Schuld.

        Um Himmels Willen, das wollte ich auch in keinem Fall gesagt haben. Im Gegenteil: So etwas zu erzählen, erfordert eine Menge Mut und Stärke, weil man leider mit abwiegelnden oder spöttischen Reaktionen rechnen muß. Aber leider ist es auch vermutlich die einzige Möglichkeit, die Vorurteile zu ändern.

        An einem anderen Beispiel: Ein Mann, der heute in einem Rock herumläuft, muß vermutlich mit noch heftigeren Reaktionen rechnen als eine Frau, die vor 150 Jahren Hosen trug. Auch hier gibt es wieder eine kognitive Dissonanz: Mann im Rock sieht ungewohnt, also falsch aus, das gehört nicht so, das gehört sich nicht so.
        Dagegen käme heute niemand mehr auf die Idee, daß an einer Frau in Hosen irgendetwas beanstandenswertes wäre, eben weil wir es gewohnt sind.

        So gesehen ist der ganze Maskulismus ein Projekt, das bei Traditionalisten massive kognitive Dissonanzen auslöst. Und bei Feministinnen dazu noch ihre ganze Ideologie und zum Teil ihren Lebensunterhalt bedroht. Das führt dann zu den bekannten Reaktionen.

        Ich selbst fände eine Welt ja schöner, in der nicht Männer ihr Leid viel mehr ausbreiten, sondern Frauen aufhören, es immer ach so schwer zu haben.

        Ich dagegen wünsche mir eine Welt, in der jeder über seine Sorgen sprechen kann damit ernst genommen wird. Wobei “ernst nehmen” dann eben auch heißen kann: “Wenn Du Dich vergewaltigt fühlst, weil Dein Freund beim Sex ohne nachzufragen die Stellung gewechselt hast, dann liegt das Problem nicht bei Deinem Freund, sondern bei Dir.” (Was, wie mir gerade auffällt, ja auch der Tenor Deines heutigen Artikels ist.)

        Bombe 20

      • @Bombe20,

        dem weiß ich nichts hinzuzufügen.

        Außer vielleicht: Wenn es dir hilft, einen eigenen Blog anzufangen, schreib ich dir ne Anleitung 😉

    • @ Bombe20
      Psychologen sprechen übrigens von affektiver und kognitiver Empathie. Deine These, dass vor allem auch die kognitive Empathie typisch männlichen emotionalen Nöten gegenüber unterentwickelt ist, finde ich sehr überzeugend und habe ich so noch gar nicht gelesen. Volle Zustimmung!

  2. Pingback: Ich versteh Feministinnen nicht. Heute: Die Abseitsregel | Meinungen und Deinungen

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