Feminism hurts women too

LoMi kommentiert hier meine gestrigen Beispiele von alltagssexismus.de

Dabei führt er die Erscheinungen auf “dieses Reservat der Infantilität” zurück

Meines Erachtens zeigen gerade das erste und das letzte Beispiel, dass es hier nicht um Menschen geht, die sich weigern, erwachsen zu werden, sondern um Menschen, die es nicht schaffen, gesund zu werden.

Das ist in einem Graubereich in vielen Fällen sicherlich die selbe Medaille von zwei Seiten betrachtet. In diesen beiden Beispielen ist meine Einschätzung eindeutig nicht “infantil” sondern “dringend therapiebedürftig”.

Das ist meines Erachtens ein wichtiger Unterschied. Der Unterschied zwischen “nicht wollen” bzw “nicht müssen” auf der einen Seite und “nicht können” auf der anderen.

Problematisch finde ich, wie Feministinnen auf solche Berichte reagieren. Nicht, wie es sinnvoll wäre: “Ui, du hast echt ein Problem mit dir. Hast du einen Therapeuten? Wie ist es wohl gekommen, dass du so verkorkst bist und noch wichtiger, was kann man tun, um das (i.e. dich) zu ändern?” sondern: “Scheiß-Macker, Scheiß-Gesellschaft, Scheiß-Patriarchat”

Anekdotisch:
In meiner Bluepill Zeit lief Ally McBeal im Fernsehen. Ich habe, zusammen mit meiner damaligen Freundin (mann ist ja aufgeschlossen &c pp), viele Folgen davon gesehen. Und bin schon damals zu dem Schluss gekommen, dass Ally als Person schlichtweg “nicht geht”. Die Serie gab sich allergrößte Mühe, ihre Durchgeknalltheit als irgendwie charmant zu inszenieren; ich habe die Figur in erster Linie in Erinnerung, dass sie einen gefährlichen Knall hat und mann gut daran tut, sie nicht in seinem Leben zu haben. Hübsche Beine sind überbewertet.
Das erwähne ich, weil es mal einen Text von Anke Engelke gab, die in höchsten Tönen lobt, dass Neurotizismus und Infantilität bei Frauen durch diese Serie zur Normalität erhoben wird. Endlich dürfen Frauen sich so beschissen benehmen wie sie wollen.
Sie drückt es allerdings etwas anders aus.

Mit anderen Worten: die Hälfte der Mädels, die bei alltagssexismus.de posten, sind (meinem Eindruck nach) arme Schweine – nein: Säue – denen zusätzlich zu ihrem eigenen und eigentlichen Problem die feministische Interpratation noch zusätzliche Knüppel zwischen die Beine wirft, an ihrem Los jemals was zu ändern.

In der Psychologie gibt es das ABC-Modell.
Activating Event, Belief, Consequence.
Oder auf Deutsch: Es passiert irgendwas, das eine Reaktion von dir auslöst. Wie deine Reaktion ausfällt, hängt von deinen Überzeugungen, deinem Weltbild ab.

An dem Beispiel von alltagssexismus besprochen, wo ein Mädchen sich von ihrem Partner gedemütigt fühlt:
Die Frau bekommt Sperma auf ihren Körper.
Darauf sind alle möglichen Reaktionen möglich. Manche Menschen finden das ausgesprochen erotisch.
Hier aber ist die quasi-körperliche, unreflektierte Reaktion des Mädchens mutmaßlich Ekel.
Ihre Überzeugung (i.e. Feminismus) sorgt dann dafür, dass sie nicht zu dem Schluss kommt, da sei etwas Neutrales passiert, das nur durch ihre (sexuelle) Verfassung eine bestimmte körperliche Reaktion auslöst, sondern der Andere wird zum Täter, der sie demütigt.
Eine rationale Überzeugung würde zu der Reaktion “Dies ist nicht der richtige Sexualpartner für mich” führen oder auch “Wieso ekele ich mich eigentlich vor Sperma?”.
Da die Überzeugung aber irrational ist, ist auch die Reaktion irrational.
Die Überzeugung, der Belief, ist das, was in der Therapie geändert werden muss, damit der Patient zukünftig anders mit Situationen umgehen, anders reagieren kann.

Der Feminismus sorgt dafür, dass Irrationalität zur Normalität wird und macht damit Besserung für diese seelisch gebeutelten Frauen quasi unmöglich.

Um einen feministischen Slogan zu zitieren: “Feminism hurts women too”.

Das hat, wenn ich recht habe, aber auch Konsequenzen für den Umgang mit solchen Menschen. Es sind keine Kinder, denen man ihre Grenzen aufzeigen muss. Es sind kranke Menschen, mit denen man nicht recht reden kann, bevor sie nicht bereit sind, den Gedanken in Erwägung zu ziehen, dass ihr konkretes Problem vielleicht in ihnen steckt und nicht in all den anderen.

Advertisements

6 thoughts on “Feminism hurts women too

  1. OK, diese Sichtweise finde ich sehr plausibel. Zumindest für das erwähnte Beispiel trifft das ganz sicher zu. Und für Ally McBeal auch. Bei letzterer aber kommen wir doch wieder zur Kultur, einer Kultur, die solche Neurosen verherrlicht und gutheißt. Insofern gibt es das Problem sicher auf beiden Ebenen: der Kultur und der persönlichen Neurose. Übrigens hatte Erzaehlmirnix dieses Thema auch schon mal behandelt, mit gleichem Tenor: dass der Feminismus oft Störungen, gerade auch Ängste steigert und die Einsicht blockiert, dass es ein individuelles Problem gibt.

      • “solche Dinge” wie “Ally McBeal”?

        Das wäre heute ein Ding der Unmöglichkeit. Heute halte ich ja nicht mal mehr die meisten Tatorts aus, schon gar nicht mit dieser unerträglichen blonden Kommissarin, deren Namen zu merken mir zu irrelevant ist.
        Fürchterlich. Selbstgerechte Lynchjustiz ist irgendwie schon OK, wenn die Heldin das macht.
        Bäh

      • Solche Dinge wie Ally McBeal, aber eigentlich meinte ich diese Blogs, wo Du nach dem Alltagssexismus gefahndet hast. Das wäre für mich schwer zu ertragen, dieses Zeug zu lesen. Ich fange dann nämlich an, mich zu ärgern.

  2. Die Spermanummer ist wirklich die abgefahrenste. Man muss sich das mal vorstellen. Die braucht eine Therapie? Normalerweise (Achtung TRIGGERWARNUNG: Sexualkunde) landet das IN. DER. VAGINA.

  3. Pingback: Gesprächsattrappen, Nazihappen, Jammerlappen – Monatsrückblick Juli 2014 – man tau

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s