“cultural marxism”: ein interessantes Zitat

Ich hab mir heute das erste Mal einen der (guten, aber etwas langatmigen) Filme von Stefan Molyneux angeschaut: The Truth about Frozen.
Seine Interpretationsansätze sind mitunter kurios. So geht er – wenn ich das richtig verstanden habe – davon aus, dass Harry Potter die Geschichte eine Jungen ist, der wahnsinnig geworden ist und nun in einer mental institution namens Hogwarts behandelt wird; alles aus dem Umstand, dass es keine Magie gibt, und wenn einer überzeugt ist, ein “Zauberer” zu sein, muss er wahnsinnig sein.
Aber vielleicht fasse ich das auch falsch zusammen.

Vieles aber ist Spot-On, vor allem wenn es um das Verhältnis Film-Zuschauer geht.

Unter anderem findet sich dieses Zitat, das ich jetzt hier einfach mal so in den Raum stelle:

Many young women love to forget that they are attractive for the sole purpose of making babies. [Siehe auch den Post hier] This reality must be obscured in “Frozen” so that youthful female vanity is not threatened.
Which is why – except for the royals – we never see a nuclear family throughout the entire movie, with its cast of hundreds!
The trader in the woods has a gay family in his sauna.
The mother at the coronation has no husband.
Two men clap each others backs on the way to the ceremony.
Even the royal family, with two parents and two children, never spend time together and are highly dysfunctional.
Both sisters are orphans. Christoph is an orphan. The snowman has no family of course and Hans is fleeing his abusive family who remain off screen.
Young women who are milking their sexual appeal don’t like seeing happy or functioning nuclear families because it reminds them that they are using their sexuality in the wrong way.
A young woman’s sexuality is designed to evoke commitment from a quality man, not just feed her own vanity. Also, seeing a functioning family is reminding her that time is always running out. That every day she uses her sexuality for vanity, rather than commitment, it fades, and falls, and loses value.
This creates deep anxiety in the young woman, which would be enormously healthy because it would provoke a change towards maturity and responsibility.
But what is sometimes called “cultural marxism” in society is little more than a bunch of predatory artists and academics being paid … by women … to avoid provoking rational anxiety about squandering their sexual value on alpha orgasms, man-candy estrogen status and narcissistic selfie vanity.

Advertisements

7 thoughts on ““cultural marxism”: ein interessantes Zitat

  1. Irgendwie werde ich da nicht schlau draus. Der Mensch scheint Sexualität über ihre Funktion bestimmen zu wollen. Das ist aber nicht sehr sinnvoll, denn wir sind dieser Funktion nicht willenlos unterworfen. Es ist der Versuch, eine biologische Funktion zur Norm zu erklären. Daneben gibt es ein bisschen philosophischen touch: Es stellt sich die Frage, ob die durch den Eros gepflegte Eitelkeit glücklich macht. Macht sie nicht, weil der Verlust naturgegeben ist. Und dann kommt halt das Rezept “heile Familie”. Das ist alles recht schwach. Denn dazu müsste es a) heile Familien geben und b) dürfte es keine anderen Alternativen geben. Würde man wirklich philosophisch werden wollen, müsste man das Rezept “Familie” auch erst hinterfragen.

    Und was hat das alles mit Kulturmarxismus zu tun? Der ist ein Gespenst in konservativen Hirnen. Auch ist die Erklärung der Angstverdrängung mehr als hundert Jahre nach Freud irgendwie nicht mehr originell. Schließlich ist das dann auch hochspekulativ. Weiß ich denn, ob da jemand Ängste hat? Nein. Ich kann es nicht wissen.

    • Seh ich anders. Ich verstehe sein Argument so, dass der Cinderella oder Schneewittchen-Traum vom Prinzen mit Familie etc.pp bei unseren heutigen Prinzessinnen ja alles andere als ad acta ist. Im Gegenteil.

      Das Prinzessinnen Bild von Frozen ist diesem Traum gegenüber aber destruktiv. “Ungebändigte Sexualität in der fruchtbarsten Phase des Lebens” und “Monogame Beziehung mit Mann und Kindern” stehen in einem direkten Widerspruch zueinander.
      Das ist nicht unmöglich zu vereinigen, manche Frauen kriegen mit ~30 die Kurve, aber mindestens so viele Frauen eben auch nicht.
      Wenn es diesen Widerspruch nicht gäbe, würde es auch nicht Nachrichten dieser Art geben: http://genderama.blogspot.de/2014/08/erste-nationale-samenbank-der-welt.html

      Dieser Widerspruch soll verborgen werden. Die jungen Frauen bezahlen dafür, dass ihnen Märchen erzählt werden, die diesen Widerspruch eben nicht spürbar werden lassen.

      Laut englischer Wikipedia ist eine Interpretation von “cultural marxism” von seiten der Konservativen:
      “In current political rhetoric, the term [stands for] a set of principles that they claim are in simple contradiction with traditional values of Western society”

      Darauf passt die Analyse von Frozen: Traditionelle Werte: Familie (nicht unbedingt heil, aber da und fruchtbar). Aktuelle Werte: Sisterhood und Ungebundenheit.

      Dass CM ein Gespenst ist, stimmt er dir ja auch und gerade zu, indem er das Phänomen (<- traditionelle Werte gibt es quasi nicht mehr, werden nicht mehr gelebt) nicht auf eine Verschwörung schiebt, sondern auf simple Marktkräfte reduziert.
      cultural marxism ist in seinen Augen das einfache Präferieren von Spaß und Eitelkeit vor langfristiger Planung.

      • Mein Englisch ist nicht so gut, dass ich jetzt eine glasklare Analyse hinbekommen würde. Mir erschien die Sache jedenfalls etwas konservativ. So, wie Du sie darstellst, klingt es plausibel.

        “Dieser Widerspruch soll verborgen werden. Die jungen Frauen bezahlen dafür, dass ihnen Märchen erzählt werden, die diesen Widerspruch eben nicht spürbar werden lassen”

        Das empfänd ich als passend, wenn es auf “Frozen” gemünzt ist. Dieses Märchen könnte eine solche Funktion haben. Freilich ist auch das noch spekulativ und unterstellt hier psychologische Wirkungen. Wenn man so herangeht, kann man vielen fiktionalen Werken allerhand unterstellen: Das Kinoprogramm ist voller Gewalt und voller widersprüchlicher Helden, deren Widersprüche verkleistert werden. Ich halte es für schwierig, daraus irgendetwas darüber zu erfahren, wie Menschen wirklich handeln. Wenn man wissen will, wie Menschen ticken, muss man sie beobachten und mit ihnen reden. Der Umweg über Filme ist schnell mal irreführend.

        Na gut, das ist jetzt noch keine konstruktive Kritik meinerseits. Mein Kopf funktioniert heute noch nicht.

        Wahrer Kern könnte schon sein, dass “Familie” und “Ungebundenheit” zwei Pole sind. Das ist aber nicht geschlechtsspezifisch, sondern ein zentrales Problem im Leben jedes Menschen. Dies führt übrigens auch zu der Klage, dass sich die gegenwärtige Jugendgeneration weigere, erwachsen zu werden. Die Jugendlichen wollen sich nicht festlegen, sie wollen ihr Peer-Group-Leben in ihrer Szene weiterleben, so heißt es in dieser Kritik. Da diese Kritik schon älter ist, reden wir hier eigentlich über längst Erwachsene mindestens im vierten Lebensjahrzehnt.

      • “Many young women love to forget that they are attractive for the sole purpose of making babies”

        Derartiges ist für mich ein Stolperstein. Damit kann ich nicht umgehen. Weil diese Aussage nicht stimmt. Männer empfinden Frauen als attraktiv. Und richtig ist, dass das die Fortpflanzung begünstigt. Dann aber ist schon Schluss. Es gibt keinen Plan und niemanden, der Zwecke setzt. Deshalb sidn Frauen nicht attraktiv, weil es das Ziel Fortpflanzung gibt. “Purpose” ist Ziel. Aber wer in der Natur setzt Ziele? Nur Menschen setzen Ziele. Die Natur tut es nicht. Die Fortpflanzung als Ziel zu definieren ist daher falsch. Insofern ist es auch falsch, der Attraktivität eine und nur diese Funktion zuzuordnen. Es gibt den Zusammenhang zwischen Attraktivität und Fortpflanzung, aber wie man sieht, können Menschen ihn aushebeln. Dieser Zusammenhang generiert auch keine Pflicht, wie Molyneux suggeriert, wenn er davon redet, dass die Attraktivität nur dieses einzige Ziel habe. Nein, die Attraktivität ist einfach da, nicht als Wert per se, sondern in unserer Wahrnehmung. Insofern erliegt Molyneux einem klassischen naturalistischen Fehlschluss. Er schließt vom Sein auf das Sollen. Genau das macht ihn mir sehr unsympathisch, zusammen mit der Verwendung des terms “Cultural marxism”. Diese Kombi ist in meinen Augen allzu typisch für eher konservativ-traditionelle Lebensmodelle im Geschlechterverhältnis.

      • Ich verstehe, glaube ich, was du meinst.

        Vielleicht bin ich auch zu wohlwollend mit molyneux, aber ich seh “purpose” hier nicht als “Zweck” im von dir eng gesetzten Sinne, sondern als “evolutionäre Funktion” wie auch hier schon skizziert: https://mundd.wordpress.com/2014/05/30/wir-mogen-zucker-nicht-weil-er-sus-ist/

        Wenn es keinen Wettbewerb um Fortpflanzung gäbe, würde es das Wort und die Idee von “weiblicher Schönheit” nicht geben. Purpose meint hier also den Grund, nicht das Ziel.
        Trotzdem ist dein Vorwurf des naturalistischen Fehlschlusses treffend.
        Irgendwann muss ich mal zusammenschreiben, warum den Vorwurf dieses Fehlschluss’ für eine Fallacy Fallacy halte.

  2. “Irgendwann muss ich mal zusammenschreiben, warum den Vorwurf dieses Fehlschluss’ für eine Fallacy Fallacy halte.”

    Das wäre in der Tat spannend, ein Fehlschluss zweiter Ordnung gewissermaßen.

    Als Grund kann ich mir diese Dinge schon vorstellen. Aber das Phänomen Attraktivität ist damit nicht wirklich hinreichend beschrieben. Denn es ändert alles nichts daran: Wir empfinden diese Attraktivität, auch ohne, dass wir daraus einen Auftrag zur Fortpflanzung ableiten. In unserer Wahrnehmung spielt sich das eben anders ab, als die Evolutionstheorie – aufgrund falscher Metaphern – suggeriert. Dass dem so ist, wird dann gerne als Selbsttäuschung des Gehirns angenommen. Das gleiche, so getäuschte Gehirn soll aber in der Lage sein, diese Täuschung zu durchschauen. Nur, wer hat da ein Kriterium, um zu entscheiden, wann es getäuscht worden ist und wann nicht?

    Ich denke, man kommt dem näher, wenn man Attraktivität und Fortpflanzung einfach als Zusammenhang beschreibt. Die Sprache von Molyneux arbeitet diesbezüglich offenbar mit unpassenden Vokabeln (sole purpose). Es braucht keine Ziele und Zwecke, um zu funktionieren. Ich glaube auch, dass die Evolutionstheorie eigentlich ohne solche sprachlichen Fehler auskommen müsste.

    Der Zucker ist für uns immer noch süß und und das Empfinden nicht eigentlich nur ein Energiedetektor. Fakt ist, dass es ein Vorteil war und ist, dass wir den Geschmack des Zuckers schätzen, weil auf diese Weise die Energiezufuhr höher war. Mehr gibt es dahinter nicht zu sehen. Alles andere ist eine funktionale “um-zu”-Erklärung, die Planung voraussetzt. Aber die gibt es nicht.

    • “Wenn es keinen Wettbewerb um Fortpflanzung gäbe, würde es das Wort und die Idee von “weiblicher Schönheit” nicht geben”

      Wettbewerb hin oder her: Es ist jedenfalls nicht beliebig und wir können uns nicht einfach entschließen, Frauen unattraktiv oder im Gegenteil attraktiv zu empfinden. Dies nur, um Verwechslungen vorzubeugen: Ich kann mir vorstellen, dass man Schönheitsideale verändern kann. Das Begehren kann ich nicht verändern, dessen Grundmuster vermutlich auch nicht. Auch die körperliche Dimension des Begehrens kann nicht wegdekonstruiert werden. usw.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s