Optimismus oder Resignation? Wie die Lage der Frau heute in der Presse erzählt wird.

Der Hintergrund: Genderama verlinkt heute in vorsichtig frohlockendem Ton auf einige Artikel zum Status des Feminismus von feminismus-kritischen Frauen.

Im Großen und Ganzen stimme ich zu: Es ist noch nicht lange her, dass es undenkbar gewesen wäre, solche kritischen Artikel in größeren Publikationen zu lesen.

Dieser Artikel z.B. nimmt die geistlosen Reaktionen von Feministinnen auf “Women against feminism” auseinander und hinterfragt die Themen, Aussagen und Forderungen heutiger Feministen an sich und kommt zum Schluss, diese seien weltfremd, widersprüchlich und sinnlos. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen mit dem Label “Feminismus” nichts anfangen können.

Dann aber geht es weiter: Es ist nämlich nicht Feminismus an sich, der falsch ist, sondern nur diese Feministinnen, die als seine Vertreterinnen wahrgenommen werden. Eigentlich gibt es noch viele wichtige Themen, vor allem, wenn man weltweit schaut.

Es wird eine Soldatin zitiert:

Until the self proclaimed feminists go to Afghanistan (or any Muslim country) and see other women so desperate to escape their situation that they attempt to kill themselves by setting themselves on fire with kerosene, they have no clue what feminism is.

Und die Autorin fährt fort:

We need look no further than the Nigerian schoolgirls kidnapped by the terrorist organization Boko Haram to see the dire plight of women and girls in other parts of the world. Sex trafficking, forced marriages, burkhas, suffering genital mutilation at a young age, being gang raped, honor killings, the list goes on.

Wem fällt etwas auf?

Ich geh mal die Punkte durch…

that they attempt to kill themselves by setting themselves on fire

Dafür muss man nicht bis nach Afghanistan gehen. Das gibt es auch in New Hampshire. Da tun es allerdings Männer.

Nigerian schoolgirls kidnapped by the terrorist organization Boko Haram to see the dire plight of women and girls

Weil kidnapping noch schlimmer ist, als bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden.

Sex trafficking

Der einzige Punkt, bei dem man sich über Zahlen streiten könnte. Denn die sind wie immer unzuverlässig. Exklusiv haben Frauen das Thema aber nicht. Absolut nicht.

forced marriages

Der zwangsverheiratete Mann ist immer voller Begeisterung bei der Sache? Wirklich?

burkhas,

Während es nachvollziehbar ist, dass Feministinnen Burkhas als Symbol für ‘eingeschränkte Wahlfreiheit’ (gern als ‘Unterdrückung’ inszeniert) sehen, ist das keine zweifelsfreie Interpretation.

Wie ist es eigentlich im ‘Abendland’? Wird hier auch eines der Geschlechter in einheitliche, unpraktische und unbequeme Kleidung gezwungen?

suffering genital mutilation

Etwa 125 Mio Frauen als Opfer. Das ist viel. Viel mehr als ein paar Milliarden Männer.

being gang raped

Genau, schlimmes Schicksal.

honor killings

Schlimmer als alle anderen Arten von Mord.

Es bleibt also dabei: Der Fokus ist ausschließlich auf dem Schicksal der Frau. Eine von dreien wird Gewaltopfer, aber wir stellen die gleichen Fragen sicherheitshalber nicht Männern, sonst kommt noch raus, dass jeder Mann im gleichen Sinne Gewaltopfer ist.

Will ich damit sagen, dass es nirgendwo Frauen gibt, die schlimme Schicksale haben? Nein. Ich will damit sagen, dass ich noch nie ein Beispiel für eine Gegend gehört habe, in der es Frauen schlechter als Männern geht.

Der Fokus auf Frauen verhindert einen Fokus auf Menschen.

Es wird noch lange dauern, bis Feminismus diese Art von Menschenfeindlichkeit ablegen kann. Vielleicht auch nie.


In dem Artikel findet sich außerdem ein Teaser-Link auf “The real war on women: The misnomer of ‘higher education’“, der mich neugierig gemacht hat. Der wahre Kriegsschauplatz für Frauen? Was kann das sein?
Der Titel deutet es an: Frauen und ihre College-Ausbildung.

Der Aufhänger ist die Geschichte von der Gender-Professorin an der Arizona State University, die ihren Studenten Credits gibt, wenn sie sich nicht mehr rasieren (weibl.) bzw. vom Hals abwärts rasieren (männl.). Dem wird gegenüber gestellt, dass die Gebühren für ein Jahr an der ASU $9200 für Einwohner von Arizona und $22500 für Auswärtige betragen.
$35.000 bzw. $100.000 für das Erlebnis, nicht rasiert zu sein. Das scheint dem Autor ein Missverhältnis, zumal weil die Frauen, die am College nur dergleichen lernen, später als konkrete Jobqualifikation nur den Satz “Do you want fries with that.” anführen können, aber trotzdem natürlich das Darlehen für die Studiengebühren zurückzahlen müssen.

Handfeste Kritik an der Sinnlosigkeit von Gender-Studiengängen. Das ist doch toll?

Das wäre es, wenn der Autor sich nicht auch noch auf die Suche nach den Schuldigen an dieser Misere machen würde. Und zu welchem Ergebnis kommt er?

Every college and university out there knows those degrees are useless. They know they are taking students’ money — or more likely their parents’ money and federal grants — and giving them a worthless degree.

The presidents of these colleges and universities are running scams that would make Bernie Madoff proud.

Ich kann mich gut an meine Überlegungen damals erinnern, welches Studienfach für mich das beste wäre. Informatik? Physik? Architektur? Kunst? Ich hätte zu allen Lust gehabt. Also habe ich mich selbstverständlich gefragt: Welches liegt mir am besten? und Mit welchem habe ich später die besten Jobaussichten?

Wir reden hier von Leuten, die angeblich die geistige Elite des Landes darstellen und es ist zu viel verlangt, dass die sich vor dem Studium fragen, was ihnen das Studium bringen wird?
Wer heute in Deutschland Philosophie studiert und sich nicht darüber klar ist, dass nur ein kleiner Prozentsatz von Philosophen einen gut dotierten Job finden, während der Rest bei Aldi im Lager arbeiten kann, der ist ein Idiot.
Kein anderer hat an seiner Wahl Schuld.

In Deutschland kostet das Studium wenigstens nur Zeit.
Wenn aber ein sechsstelliger Betrag hinzukommt und der Student sich immer noch nicht fragt, wofür er eigentlich $100.000 ausgibt, dann verstärkt sich das Urteil.

Es ist ja nicht so, dass man bei der Studienwahl keine Möglichkeit hat, sich über Inhalte und Sinn von Studienfächern zu informieren. Die Unis machen das gleiche, was Gebrauchtwagenhändler machen: Sie bieten an, was nachgefragt wird und hübschen das Angebot ein wenig auf. Wer das als Käufer nicht weiß, der gehört nicht zur geistigen Elite des Landes.

Es bleibt also bei aller begrüßenswerten Genderkritik dabei, dass Frauen eine Hypoagency zugestanden wird. Frauen sind groß und stark und empauert, müssen aber bitteschön vor den Konsequenzen ihrer Handlungen beschützt werden.

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2 thoughts on “Optimismus oder Resignation? Wie die Lage der Frau heute in der Presse erzählt wird.

  1. Deine Kritik stimmt rundherum. Nur ein Punkt ist in meinen Augen problematisch: der der informierten Studienwahl. Es ist richtig, dass hier der Mensch frei entscheidet und wohl selten von irgendjemanden zu etwas gezwungen wird. In der Regel entscheiden sich erwachsene Menschen für ein Studium, von denen man auch erwarten kann, dass sie sich mit den Erwartungen ihrer Eltern auseinandersetzen.

    Aber darüber hinaus denke ich oft, dass die Wahl beeinflusst wird von den eigenen Möglichkeiten und Prägungen. Es dürfte kaum zutreffen, dass Ingenieure diese Richtung wählen, weil sie etwas nützliches tun wollen. Sie werden Ingenieure, weil es ihren Neigungen entspricht und sie vermutlich kaum auf eine andere Idee kommen. Hier kommt neben der individuellen Begabung auch Prägung ins Spiel. Es lässt sich nicht aus jedem Menschen ein Ingenieur machen. Er muss schon Interesse mitbringen und ein entsprechendes technisches Verständnis. Dieses hat sich aber in der Regel in der Kindheit entwickelt. Bei vielen Frauen hat es diese Prägung in Richtung Technik nicht gegeben. Wer daran “schuld” ist, ist eine offene Frage, denn dafür wird es viele Gründe geben: Elternhaus, Interessenlagen, Freunde, Schule und vieles mehr (Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sehr viel mehr Eltern ein technisches Interesse ihrer Töchter fördern würden als Feministinnen so denken). Jedenfalls kann man so geprägt nur in Grenzen sinnvolle Wahlen treffen. Da darf man nicht den Menschen als tabula rasa begreifen.

    Immerhin gehöre ich auch zu den Leuten, die milieugeprägt ins “Orchideenfach” gewandert sind. Es gilt ja auch für Männer, die nicht allesamt Ingenieure werden und auch nicht allesamt Karriere machen.

    • @LoMi,

      was du schreibst, ist richtig. Aber ich weiß nicht recht, inwiefern das meine Aussagen oben widerlegt. Es geht mir überhaupt nicht darum, was Gender-Leute stattdessen studieren sollten. Die Frage, was aus jemandem werden soll, der schon vor dem Studium keine ökonomisch wertvollen Talente hat, ist eine völlig andere als, ob es eine gute Idee ist, dann noch ein teures aber sinnloses Studium drauf zu setzen.

      Analogie: Ein kleiner, schmächtiger, schüchterner Mann würde gern eine Frau kennenlernen. Also kauft er sich für $120.000 einen Lamborghini. Trotzdem findet er keine glückliche Beziehung. Und nach nem halben Jahr hat er einen Unfall mit Totalschaden.

      Die Frage, welche Strategie ihm denn nun eigentlich geholfen hätte, eine Frau kennenzulernen hat nichts damit zu tun, dass das mit dem Auto eine echte Schnapsidee war.

      Die Aussage ist also: Wie auch immer … So jedenfalls nicht.

      Heißt das, dass es grundsätzlich falsch ist, sich einen Lamborghini zu kaufen/Gender zu studieren?
      Natürlich nicht. Wenn du die Kohle hast, kann das alles durchaus Spaß machen.

      Wenn du die Kohle aber nicht hast…

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