“Sei kein Mädchen” – Was bedeutet das?

Es ist ein feministisches Steckenpferd, dass “sei kein Mädchen” zeigen würde, dass Männer glauben, Frauen seien generell weniger wert.

Wenn wir das “generell” gegen “in bestimmten Situationen” austauschen, stimme ich dem Satz auch zu und illustriere das mit diesem Beispiel:

Was macht dieses Mädchen zu so einem schlechten Torwart? Sie ist nicht voll bei der Sache, sie hat Angst vorm Ball, sie hat Angst sich weh zu tun, ihre eigene Unversehrtheit ist wichtiger als das Spiel.

So jemand in deinem Team kann der Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage, zwischen Erfolg und Bankrott sein.

Jungs machen oft die Erfahrung, dass dieses Fehlen von Opferbereitschaft bei Mädchen deutlich häufiger anzutreffen ist als bei Jungs.
“Sei kein Mädchen” heißt also “Zeig mir, dass ich auf dich zählen kann, auch wenn’s weh tut.”

Das hängt unmittelbar mit Farrells Disposable Male zusammen.

Damit ist aber auch klar, wie man den Satz zum Verschwinden bringen kann:
Entweder Frauen beißen die Zähne zusammen, geben ihr Schutzprivileg auf und zeigen flächendeckend die gleiche Opfer- und Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit wie Männer (auch und gerade in solchen Fällen)
Oder wir sorgen dafür, dass auch Männer diese Art von “Heldentum” nicht mehr anstreben. Dazu wäre es nötig, dass Frauen kompetente, starke, einsatzwillige Männer nicht mehr sexuell attraktiver finden als stille, schüchterne, schmale Jungs. Es würde auch bedeuten, dass unsere Gesellschaft ohne Polizei und ohne Feuerwehr auskommen müsste.

Also: entweder sorge dafür, dass Fukushima zu 50% von Frauen aufgeräumt wird und Schwedens Waldbrände zu 50% von Frauen gelöscht werden oder akzeptiere, dass es Situationen gibt, in denen Mädchen buchstäblich weniger wert sind.

Nicht alle Situationen, nur bestimmte, aber um die geht es bei diesem Spruch.

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6 thoughts on ““Sei kein Mädchen” – Was bedeutet das?

  1. “Weniger wert” ist natürlich ziemlich hart ausgedrückt, aber im Grunde hast du recht. Ich würde allerdings eher sagen, dass in manchen Situationen mit manchen Leuten einfach nichts anzufangen ist. Dass das durchschnittlich in den von dir beschriebenen Situationen häufiger Frauen sind, sehe ich durchaus auch so – aber das Problem liegt natürlich darin, dass man hier – genau so, wie die Feministinnen das ja gerne tun – Gruppen aufmacht und Leute anhand von äußeren Merkmalen zu diesen Gruppen zuordnet. Wenn die Feministen das tun, finde ich das nicht in Ordnung, und wenn du das tust, finde ich das genauso wenig in Ordnung. Es gibt sehr wohl Frauen, die zupacken können, auf die man sich verlassen kann und für die ich meine Hand ins Feuer legen würde. Diese Frauen mit in den durchschnittlichen Topf zu werfen, wäre einfach nicht fair. Und genauso kenne ich auch Männer, mit denen ich definitiv keinen Wildwasserslalom machen würde, weil sie sich aufführen wie verzogene Gören.
    In deiner Forderung – zumindest der ersten – stimme ich dann zu: Frauen müssen ihre Schutzprivilegien aufgeben. Dazu gehören aber zweierlei Dinge: Wir dürfen sie als Väter nicht verwöhnen wie die Prinzessin auf der Erbse. Wir müssen sie herausfordern und sie auch mal schwierige Erfahrungen durchleben lassen. Und es muss aufhören, dass manche Männer (vielleicht alle?) darauf abfahren, wenn Frauen das damsel in distress abgeben. Aber das wird wahrscheinlich genauso schwierig werden, wie Frauen dazu zu erziehen, dass sie jetzt auf verängstigte Jungs stehen. Um nicht zu sagen: unmöglich. Ich denke, wir müssen uns einfach damit abfinden, wie es ist.

    • “dass man hier Gruppen aufmacht und Leute anhand von äußeren Merkmalen zu diesen Gruppen zuordnet. ”

      Hier ist doch das Gegenteil der Fall. “Sei kein Mädchen” macht sich grad am Verhalten fest und nicht an den äußeren Merkmalen.

      Prototypische Begriffe sind ein wohl etablierter und gut funktionierender Bestandteil der Sprache.
      Beispiel? Hier: “Nicht verwöhnen wie eine Prinzessin”.

      Sagst du damit, dass ALLE Prinzessinnen verwöhnte Gören sind?
      Nein, natürlich nicht. Kein kompetenter Sprecher/Hörer würde auf den Gedanken kommen.

      Sagst du damit, dass eine Prinzessin mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit verwöhnt ist als ein Mädchen, das in der Gosse aufwächst? Wenn ja, dann hättest du wohl recht damit.

      Oder sagst du damit, dass dir spontan keine Klasse von Mädchen einfällt, bei denen du eine höhere Wahrscheinlichkeit des Verwöhntseins vorstellen kannst? Kann auch sein. Es kann sogar sein, dass deine Einschätzung nur auf einem Vorurteil basiert, vielleicht stimmt sie auch.
      Das ändert nichts daran, dass der Ausdruck eine valide und verständliche Formulierung ist, bei der quasi alle in deinem Kulturkreis genau wissen, was du meinst.

      Angenommen, es sei ein Vorurteil. Prinzessinnen sind gar nicht verwöhnt und ärgern sich über das von dir oben benutzte Vorurteil. Wie könnte man hier Abhilfe schaffen?
      a) Indem man sämtliche Similes in der Sprache verbietet.
      b) Indem man den Leumund der Klagenden verbessert, indem diese zeigen, dass das Urteil über sie falsch ist.

      a) ist offensichtlich Unsinn. “Flattert wie ein Schmetterling” wäre dann verboten, weil es Schmetterlinge gibt, die über Kontinente migrieren.

      b) kann funktionieren, wenn eine signifikante Mehrzahl von Prinzessinen ihre Privilegien aufgeben und stattdessen einen shitty Job anfangen, statt sich in Hochglanzmagazinen beim Besuch eines gesellschaftlichen Ereignisses ablichten zu lassen.

      b) in meinem Beispiel wäre, dass sich ähnlich viele Mädchen wie Jungs bereit zeigen, im Interesse des Teams – man kann es nicht anders ausdrücken – den Ball in die Fresse zu kriegen.

      Wie habt Ihr früher in der Pause Mannschaften zusammen gestellt? Bei uns war es so, dass zwei Spieler formlos als “Käptn” ausgewählt wurden. Diese gingen aufeinander zu, indem sie Ferse an Fußspitze setzten. Dessen Fußspitze beim Aufeinandertreffen oben war, hatte die erste Wahl.
      Dann pickte jeder abwechselnd einen Spieler, bis alle verteilt waren.

      Natürlich wurden die “wertvollen” Spieler zuerst gewählt. In genau dem Sinne meinte ich oben “wertvoll”: für eine Situation, für eine Aufgabe gut geeignet.

      Wenn der Käptn nicht alle Spieler kannte (das kam durchaus vor, wenn nicht in der Schule, sondern auf der Wiese in der Siedlung gespielt wurde), musste er Kriterien finden, die unbekannten Spieler einzuschätzen.
      Diese Kriterien waren Ergebnis von Erfahrung. Alle Anwesenden hatten schon viele Spiele mit vielen verschiedenen Kinden hinter sich.
      Die Kriterien waren: Statur, Körperhaltung, Blick und – natürlich – Geschlecht. Konnte ein Mädchen über die ersten drei Kriterien die Minuspunkte qua Geschlecht wett machen? Aber selbstverständlich.

      Mein Punkt: Ein Leben ohne diese Art von Kriterien ist nicht möglich in einer Gesellschaft, die größer ist als ein 100 Seelen Dorf, in dem jeder jeden seit Jahren kennt.
      Wenn du mit jemandem zu tun hast, den du nicht kennst, musst du auf solche Kriterien zurückgreifen, um dein Verhalten zu steuern.
      Ist es angemessen, sich gegenüber einem 1.90m Menschen mit Glatzkopf und Bomberjacke anders zu verhalten als gegenüber einem 90-jährigen im Rollstuhl?
      Natürlich.
      Ist das Verhalten dann vorurteilsgesteuert? Ja, klar, wie denn sonst?

      Argumentiere ich hier grad pro-Schrödingers Rapist? So könnte es scheinen.

      Lass es mich so ausdrücken: Würde ich mich einem 1.90m Glatzkopf in Bomberjacke gegenüber, der freundlich lächelt und ein Kätzchen im Arm hält, anders verhalten als einem 1.90m Glatzkopf in Bomberjacke, der besoffen das Horst-Wessel-Lied singt und eine Bierflasche im Arm hält?

      Ich weiß, dass ich Kriterien (sprich Vorurteile) habe und benutze, sobald ich die Tür verlasse. Es ist nicht meine Verantwortung, auf das Einschätzen von Menschen zu verzichten. Ich gehe so weit zu sagen, dass das nicht menschenmöglich ist.
      Es ist meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Kriterien so akkurat wie möglich sind.

      Und damit komme ich zurück auf dein:
      “aber das Problem liegt natürlich darin, dass man hier […] Gruppen aufmacht und Leute anhand von äußeren Merkmalen zu diesen Gruppen zuordnet. Wenn die Feministen das tun, finde ich das nicht in Ordnung, und wenn du das tust, finde ich das genauso wenig in Ordnung.”

      Noch mal: Ich mache keine Gruppe auf und packe Leute anhand äußerer Merkmale rein. Im Gegenteil: Ich beobachte typische Verhaltensweisen in Gruppen und wenn ich das gleiche Verhalten bei anderen beobachte, stelle ich die Frage: “Ach, bist du auch ein Gruppenmitglied?”

      Was Feministinnen machen (dem Klischee nach): Hier ist eine Schublade: “Mann, Böse”, und ohne weiter hinzuschauen, kommt ein Mensch unwiderruflich da rein.

      Das ist quasi das Gegenteil.

      Wie passt das zu Schrödingers Rapist? Ich war neulich in Berlin zu Besuch und ging nachts allein durch Kreuzberg. Und stellte fest, dass ich sehr wohl die Schublade “Unbekannte Gestalt im Dunkeln in fremder Umgebung” habe.
      Aber packe ich da den Menschen rein? Oder nur die Gestalt in dieser Situation?

      Das Problem mit Schrödingers Rapist ist nicht die Stereotypisierung an sich, sondern die bescheuerte und unreflektierte Beschriftung der Schublade. Nicht “Unbekannte Gestalt in einer nicht-kontrollierbaren Situation”, sondern “Mann”.

      • “Das Problem mit Schrödingers Rapist ist nicht die Stereotypisierung an sich, sondern die bescheuerte und unreflektierte Beschriftung der Schublade. Nicht “Unbekannte Gestalt in einer nicht-kontrollierbaren Situation”, sondern “Mann”

        Interessant ist ja, dass Schrödingers Katze tod oder lebendig ist, weil der Mensch als Beobachter eingreift. Der Zustand manifestiert sich erst durch die Messung, also durch tätiges Mittun des Beobachters. Es ist nicht so, dass Schrödingers Katze einen definierten Zustand vor der Messung hat. Insofern ist das Bild schief. Der Vergewaltiger ist auch vor der “Messung” einer. Schrödingers Katze ist sowohl tot als auch lebendig, solange nicht gemessen wird. Ein echter Schrödingers Rapist müsste also sowohl ein Vergewaltiger sein als auch keiner und erst durch die Messung würde er sich entsprechend für einen der Zustände entscheiden. Da stellt sich die Frage der Art der Interaktion, also der Aktion des Messenden. Könnte dann zu kritischen Nachfragen an die Frau führen ^^

        Auf jeden Fall hast Du recht: “Mann” ist eine schlechte Schubladenbeschriftung. Auch muss man bei solchen Schubladen immer anerkennen, dass es ein Stereotyp ist. Du könntest mit der “Unbekannten Gestalt im Dunklen” auch recht haben. Als ich noch nicht in Berlin wohnte, waren diese Gestalten in meiner Wahrnehmung zahlreich und ich hatte Angst. Seitdem ich dort wohne, hat sich meine Wahrnehmung verändert. Aber solche Lernprozesse denken Feministinnen ja nie mit. Sie irren ja nie.

      • Faszinierende Idee, dass das Schicksal der Katze davon abhängt, WIE man in die Kiste kuckt…

        Interessant auch deine Ergänzung zu Berlin im Zusammenhang damit, dass ich ohne viel Reflektion Berlin und nicht Hamburg für mein Bild benutzt hab. Denn in Hamburg, wo ich schon immer wohne, ist der Effekt viel kleiner als vor ein paar Wochen in Kreuzberg.

      • “Faszinierende Idee, dass das Schicksal der Katze davon abhängt, WIE man in die Kiste kuckt…”

        Ich bin kein Physiker, aber ich erinnere mich, dass der Vorgang der Messung erst dazu führt, dass die Katze einen definierten Zustand annimmt. Ob das auch mit der Art der Messung zu tun hat, weiß ich nicht. Aber irgendwie ist das naheliegend.

        “Interessant auch deine Ergänzung zu Berlin im Zusammenhang damit, dass ich ohne viel Reflektion Berlin und nicht Hamburg für mein Bild benutzt hab. Denn in Hamburg, wo ich schon immer wohne, ist der Effekt viel kleiner als vor ein paar Wochen in Kreuzberg.”

        Mir kam dagegen St. Georg immer finster vor. Kreuzberg fand ich früher auch finster und ein Verwandter, der da sehr lange lebte, schüttelte dann immer nur den Kopf. Er konnte nicht verstehen, wovor ich Angst hatte.
        Später habe ich in Neukölln gewohnt. Dieser Bezirk hat ja auch ein denkbar schlechtes Image in den Medien: ein Hotspot der Kriminalität. Zwar ist es dort schon auch problematisch, aber so, wie die Medien es darstellen, ist es lange nicht. Jedoch hatte auch ich zunächst das Medienstereotyp im Kopf und fand es nachts dort gruselig. Bis es zum Alltag wurde und auch klar wurde, dass das Leben dort recht ungefährlich ist. Wenn man das auf diese Rape-Nummer überträgt, dann müsste es eigentlich Lernprozesse geben, in denen das Stereotyp angepasst wird. Es ist eher pathologisch, wenn das nicht passiert und die Angst auf hohem Level stabil bleibt.

        In der Soziologie gibt es eine ganze Theorierichtung, die davon ausgeht, dass Menschen typisieren müssen und es tun, also im Grunde “Vorurteile” ausbilden, weil sie sonst nicht handeln können. Wir haben ja auch positive Vorurteile, die uns dann weniger auffallen. Etwa das, dass man im Kreise der Familie geborgen ist oder in der Universität anregendes Wissen vermittelt bekommt.

  2. Pingback: “Sei kein Mädchen” | Alles Evolution

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