Liste männlicher Privilegien

Diese Seite ist schon älter, ich bin grad über eine Verlinkung von Roslin erneut drüber gestolpert und komme dermaßen nicht aus dem Kopfschütteln heraus, dass ich etwaige Leser fragen möchte: Spinne ich nun vollständig oder ist dieser Autor nicht ganz dicht?

Die Liste männlicher Privilegien (mit meinen Fragezeichen dazwischen):

1. If you have a bad day or are in a bad mood, people aren’t going to blame it on your sex

Mit anderen Worten: Ich bin automatisch voll schuldfähig und habe ungebremste Konsequenzen zu tragen. Hier steht “Sie hat ihre Tage, morgen ist alles wieder gut.” gegen “Was für ein Arschloch, mit dem will ich nichts zu tun haben.”

2. You can be careless with your money and not have people blame it on your sex

Siehe 1. Für eine Frau: “Sie kann nichts dafür, hier sind alle möglichen Hilfsmaßnahmen.” Für einen Mann: “Looser. Sieh zu, wie du klar kommst.”

3. You can be a careless driver and not have people blame it on your sex

Siehe 1. Für eine Frau: “Sie sind zu schnell gef… Ui, was für ein Ausschnitt, da will ich mal beide Augen aufreißen zudrücken.” Für einen Mann: “Ihren Führerschein bitte. Den sehen Sie die nächsten Monate nicht wieder.”

4. You can be confident that your coworkers won’t assume you were hired because of your sex

Moment… Ist die Ratio hinter der Frauenquote nicht, dass ständig Männer nur wegen ihres Geschlechts besser qualifizierten Frauen vorgezogen werden? Heißt das nicht, dass jede Feministin in der Belegschaft automatisch mutmaßt, ich sei nur im Betrieb, weil ich ein Mann bin?

5. If you are never promoted, it isn’t because of your sex

Gleichzeitig: Es wird mir nicht passieren, dass ich nur wegen meines Geschlechts befördert werde. Frauen schon.

6. You can expect to be paid equitably for the work you do, and not paid less because of your sex

Das gleiche wie für Frauen also.

7. If you are unable to succeed in your career, that won’t be seen as evidence against your sex in the workplace

Was hab ich davon? Ist “Der ist als Mensch inkompetent. Vermutlich gibt es nichts, was er richtig kann. Dessen Frau ist so gut wie weg.” in irgendeiner Form besser als “Für diesen Job sind Frauen halt nicht geeignet.”?

8. A decision to hire you won’t be based on whether or not the employer assumes you will be having children in the near future

Das stimmt. Kehrseite: Ich kann keine Kinder kriegen. Falls ich eine Frau habe, die schwanger wird, wird es mir (von denselben Arbeitgebern) sehr schwer gemacht, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.

9. Work comfortably (or walk down a public street) without the fear of sexual harassment

Keine Einwände, das stimmt.

10. Walk alone at night without the fear of being raped or otherwise harmed

Die deutliche Mehrheit der Gewaltopfer ist männlich. Wovon redet der? Natürlich kann ich berechtigte Angst haben!

11. Go on a date with a stranger without the fear of being raped

Dafür mit der Angst, der Vergewaltigung bezichtigt zu werden.

12. Dress how you want and not worry it will be used as a defense if you are raped

Na, wenn ich in Nazi-Kluft durch Klein-Istanbul gehe, dann werde ich aber mit Sicherheit ein “Selber Schuld” hören.

13. If you are straight, you are not likely to be abused by your partner, or to be told to continue living in an abusive household for your children

Seufz

14. You can decide not to have children and not have your masculinity questioned

Ich kann nicht entscheiden, auf eigene Faust Kinder zu bekommen, in der Gewissheit, dass notfalls der Staat finanziell hilft. Ich hätte immer gern Kinder gehabt. War technisch nicht möglich.

15. If you choose to have children, you will praised for caring for your children, instead of being expected to be the full-time caretaker

Ich würde mich sehr gerne um meine Kinder kümmern. Stattdessen wird von mir erwartet, dass ich die meiste Zeit auf der Arbeit verbringe, um Kohle ranzuschaffen.

16. Balance a career and a family without being called selfish for not staying at home (or being constantly pressured to stay at home)

Sach mal, sind 14, 15, 16, 17 exakt der gleiche Punkt in leicht varrierten Wörtern?
Also noch mal: Dafür werde ich schräng angeschaut, wenn ich meine Karriere an den Nagel hänge, um mich um meine Kinder zu kümmern. Wieso ist das ein Privileg, dass ich keine Wahl habe?

17. If you are straight and decide to have children with your partner, you can assume this will not affect your career

Das stimmt nur, wenn ich zustimme, dass ich meine Kinder selten zu Gesicht bekomme. Was für ein Privileg.

18. If you rise to prominence in an organization/role, no one will assume it is because you slept your way to the top

Selbst wenn ich wollte: Ich kann mich nicht nach oben schlafen.

19. You can seek political office without having your sex be a part of your platform

Ich kann einer politischen Karriere nachgehen, ohne dass mir mein Geschlecht und unglaublich praktischer Steigbügel wäre. Ich habe damit weniger Optionen, erfolgreich zu sein, als eine Frau.

20. You can seek political office without fear of your relationship with your children, or who you hire to take care of them, being scrutinized by the press

Witzig.

21. Most political representatives share your sex, particularly the higher-ups

Was hab ich davon. Politiker kümmern sich in erster Linie um die Wähler, die ihnen eine Mehrheit bringen können. Das sind die Wählergruppen, die am größten und am leichtesten umzustimmen sind. Also Frauen.
Mit anderen Worten: Ich gehöre zu der Wählergruppe, die den Politikern eher egal ist.

22. Your political officials fight for issues that pertain to your sex

Witzig. Siehe 21.

23. You can ask for the “person in charge” and will likely be greeted by a member of your sex

Was hab ich davon?

24. As a child, you were able to find plenty of non-limiting, gender role stereotyped media to view

Den versteh ich nicht. “Jungenliteratur, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten”?
Aber immerhin kann ich in eine Schule gehen, die “Junge sein” als auszumerzendes Defizit sieht.

25. You can not care about your appearance without worrying about about being criticized at work or in social situations

Ich habe in der Tat die Wahl, mein Äußeres zu ignorieren, wenn ich dafür in Kauf nehme, in sozialen Kreisen (vor allem Frauen) ignoriert zu werden. Tolles Privileg: “Hey, du kannst, wenn du willst, als Landstreicher rumzulaufen!”

26. You can spend time on your appearance without having people criticizing you for upholding unhealthy gender norms

Moment, sagt er hier, dass Frauen darunter leiden, dass Feministen sie anpöbeln, wenn sie auf ihr Äußeres achten?

27. If you’re not conventionally attractive (or in shape), you don’t have to worry as much about that negatively affecting your potential

Witzig. “Potential…” to do what? Bewerbungen zu schreiben, ohne jemals zu einem Gespräch eingeladen zu werden?

28. You are not pressured by peers and society to be thin as much as the opposite sex

Stattdessen kräftig und erfolgreich und charmant und gutaussehend. Ist es wirklich ein Privileg, dass von mir andere Eigenschaften verlangt werden?

29. You’re not expected to spend excessive amounts of money on grooming, style, and appearance to fit in, while making less money than the opposite sex

Dafür muss sehr viel Zeit investieren, um eine sportliche Figur und einen erfolgreichen Job zu haben. Mit der Belohnung, dass – sobald es zu einer Paarbildung kommt – ich für zwei bezahlen darf. Tolles Privileg.

30. Have promiscuous sex and be viewed positively for it

Wenn ich es denn schaffe, viel Sex zu haben. Ist mir persönlich nie gelungen.
Wieso sind ALLE Feministen zu blöd für das Gleichnis mit dem Schlüssel, der alle Schlässer aufbekommt und dem Schloss, das von jedem Schlüssel geöffnet werden kann?

31. You can go to a car dealership or mechanic and assume you’ll get a fair deal and not be taken advantage of

Witzig.
Noch witziger wird’s, wenn ich versuche, in kurzem Rock zum TüV zu gehen, um die alte Gurke noch ein letztes Mal ohne Aufwand durch zu kriegen. Ja, ich kenne mehrere Frauen, die das mit Erfolg durchgezogen haben.

32. Expressions and conventional language reflects your sex (e.g., mailman, “all men are created equal”)

Was habe ich davon, wenn auch alle negativ belegten Wörter mein Geschlecht haben: Massenmörder, Kriegstreiber, Betrüger, Gewalttäter?

33. Every major religion in the world is led by individuals of your sex

Was habe ich davon?

34. You can practice religion without subjugating yourself or thinking of yourself as less because of your sex

Man kann Christ sein ohne Demut? Wie geht das denn? Man kann Moslem sein, ohne den Rücken unter einem Riesenhaufen Verantwortung zu krümmen? Wie geht das denn? Man kann Buddhist sein, ohne das Ziel, nicht nur sein Geschlecht, sondern sein ganzes Ich hinter sich zu lassen? Wie geht das denn? Man kann Daoist sein und es macht irgendeinen Unterschied, welches Geschlecht man hat? Wie das denn?

35. You are less likely to be interrupted than members of the opposite sex

Witzig. Wirklich, wirklich witzig.


Ich fasse zusammen:

Kein Privileg, sondern eher ein Nachteil:
1, 2, 3, 5, 7, 24, 31

Schlichtweg falsch:
4, 6, 10, 12, 13, 20, 22, 27, 34, 35

Teuer erkauftes Privileg, mit Nachteilen, die i.d.R. größer als der Vorteil sind:
8, 11, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 29

Kein Privileg, sondern irrelevant:
7, 21, 23, 24, 25, 26, 28, 29, 32, 33

Privileg:
9

Wenn das die Privilegien der Männer sind, dann wundert es mich nicht mehr, dass Jungs lieber Mädchen wären.

Advertisements

14 thoughts on “Liste männlicher Privilegien

  1. Glückwunsch zu der Arbeit! Die Liste ist älter, es ist aber immer wieder schön zu lesen, wie sie wirklich im Detail kritisiert wird.

    Zu Punkt 9 übrigens: “Keine Angst haben” ist nicht gleich “und das wird auch nicht passieren”. The Amazing Atheist berichtet, er sei bei der Arbeit belästigt worden. Folge (er ist ja ein Mann): Es nahm niemand ernst, dass er sich belästigt fühlte! Wie soll ein Mann damit umgehen, wenn er entsprechend durch solche Erfahrungen belastet wird? The Amazing Atheist hatte einige Zeit Probleme, unter Leute zu gehen oder unverkrampft mit ihnen umzugehen, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht.

    Und zu “Angst haben”: Auf einer normalen Straße in der Öffentlichkeit am helllichten Tag wird das keiner wagen, der noch bei Verstand ist. Das müssen extreme Sonderlinge sein, aber eben gerade keine Repräsentanten der “typischen Gesellschaft”. Klar, Binsenweisheit: Ich werde nicht verhindern können, dass das irgendein Idiot macht. Damit muss ich aber leben können (stets unter der Voraussetzung, dass Belästigung nicht allgemein gesellschaftlich akzeptiert wird). Die Frage ist eher, ab wann ich von einer Phobie / Angststörung sprechen kann, wenn jemand davon ausgeht, jederzeit auf der Straße belästigt zu werden.

    • @Graublau,

      Punkt 9 verdient in meinen Augen den Benefit of the Doubt. Anna Nüm zum Beispiel beschrieb seinerzeit bei man-tau, dass Übergriffe für sie vielleicht nicht täglich, aber monatlich Brot sind. Sie führte nicht aus, was das genau für Übergriffe sind, aber in ihrer Wahrnehmung sind diese bedrohlich.
      Und das ist, meines Erachtens, eines der tatsächlich weiblichen Probleme, die ein Mann in der Form nicht hat: Die physische Unterlegenheit ist ebenso eingebaut wie die unwillkürliche “Provokation” von Idioten durch die Eigenschaft “fickbar”.
      Als Mann habe ich durch die Abwesenheit physischer Reize prinzipiell andere Möglichkeiten zu steuern, ob ein gewaltbereiter Hornochse sich von mir provoziert fühlt. Da geht es nur um Haltung, nicht um Sein.

      Der Rest ist Geschachere um Quantifizierung. Das ist nicht irrelevant, aber strukturell egal. Und um Strukturen geht es wohl beim Reden über Privilegien.

      • “Und das ist, meines Erachtens, eines der tatsächlich weiblichen Probleme, die ein Mann in der Form nicht hat: Die physische Unterlegenheit ist ebenso eingebaut wie die unwillkürliche “Provokation” von Idioten durch die Eigenschaft “fickbar”.
        Als Mann habe ich durch die Abwesenheit physischer Reize prinzipiell andere Möglichkeiten zu steuern, ob ein gewaltbereiter Hornochse sich von mir provoziert fühlt. Da geht es nur um Haltung, nicht um Sein.”

        Tja, dafür bekomme ich als Mann eher eine aufs Maul gehauen, weil sich irgendein besoffener Idiot unbedingt prügeln will. Das ist die unwillkürliche “Provokation” von Idioten durch die Eigenschaft “verprügelbar”. Da habe ich als Mann prinzipiell wenig Möglichkeiten zu steuern, ob ein gewaltbereiter Hornochse sich von mir provoziert fühlt.

      • Lach…

        Touché, mehr oder weniger.

        Die Bedrohung hatte ich noch nie, insofern mag ich hier nicht urteilen, wie realistisch und wahrscheinlich sie ist.

      • Ich kann Graublau nur zustimmen. Die Gefahr ist real. Das zeigen bereits die Zahlen. Das Risiko, Gewalt zu erleben, ist für Männer recht hoch. Klar, diese Gewalt geht von Männern aus. Aber das ist nur ein Scheinargument, weil ich normalerweise kein Kollektivmitglied bin, sondern ein Individuum und in der Regel wenig zu tun habe mit den besoffenen Idioten, noch etwas dafür kann, dass diese Leute so sind. Dass ich selber nicht so bin, wird mir in dieser Lage auch nichts helfen. Im Gegenteil, ich bin nicht wehrhaft, ich habe also gar nichts davon, ein friedlicher, frauenkompatibler Mann zu sein.

      • “Klar, diese Gewalt geht von Männern aus. ”

        Dieses Argument fand ich schon immer unterirdisch. Wenn es gilt, kann man ebenso sagen:
        “Diese Gewalt geht von Deutschen aus, also sind alle Deutschen ‘selber Schuld’ und Frauen bekommen keine Sonderbehandlung.”

        “Die Gefahr ist real. Das zeigen bereits die Zahlen. ”
        Wer war es neulich bei Evochris, die berichtete, schon mal ‘in ein Gebüsch gezerrt worden zu sein’? Miria?
        Wenn das nicht gelogen war, ist auch jene Gefahr real.

        So oder so: Ich hatte noch nie das Gefühl, dass eine Situation nicht, durch mich, de-eskalierbar gewesen wäre. Es gab noch nie einen besoffenen Idioten, dem ich nicht hätte aus dem Weg gehen können. Insofern kann ich nicht aus eigener Erfahrung berichten, wie real die Gefahr ist.
        Aber ich bin ja auch bereit, im Gegensatz zu Slutwalkern, mein Verhalten der Gefahr anzupassen. Also z.B. die Kneipe rechtzeitig zu verlassen.

      • Ein Ausschnitt aus “Surely you’re joking Mr. Feynman” zum Thema, wie man de-eskalieren sollte und wie nicht:

        One time I was in the men’s room of the bar and there was a guy at the urinal. He was kind of drunk and said to me in a mean sounding voice: “I don’t like your face.I think I’ll push it in.”
        I was scared green. I replied in an equally mean voice: “Get out of my way, or I’ll pee right through ya!”
        He said something else, and I figured it was getting pretty close to a fight now. I had never been in a fight. I didn’t know what to do, exactly, and I was afraid of getting hurt. I did think of one thing: I moved away from the wall, because I figured if I got hit, I’d get hit from the back, too.
        Then I felt a sort of funny crunching in my eye – it didn’t hurt much – and the next thing I know, I’m slamming the son of a gun right back, automatically. It was remarkable for me to discover that I didn’t have to think; the “machinery” knew what to do.
        “OK. That’s one for one,” I said. “Ya wanna keep goin?”
        The other guy backed off and left. We would have killed each other if the other guy was as dumb as I was.
        I went to wash up, my hands are shaking, blood is leaking out of my gums and my eye hurt. After I calmed down I went back into the bar and swaggered up to the bartender: “Black and White, water on the side.” I said. I figured it would calm my nerves.
        I didn’t realize it, but the guy I socked in the men’s room was over in another part of the bar, talking with three other guys. Soon these three guys – big, tough guys – came over to where I was sitting and leaned over me. They looked down threateningly and said: “What’s the idea of pickin a fight with our friend?”
        Well I’m so dumb I don’t realize I’m being intimidated; all I know is right and wrong. I simply whip around and snap at them: “Why don’t ya find out who started what first, before ya start makin trouble?”
        The big guys were so taken aback by the fact that their intimidation didn’t work that they backed away and left.
        After a while one of the guys came back and said to me: “You’re right, Curly’s always doin that. He’s always gettin into fights and askin us to straighten it out.”
        “You’re damn tootin I’m right” I said and the guy sat down next to me.
        Curly and the other two fellas came over and sat down on the other side of me, two seats away. Curly said something about my eye not looking too good, and I said his didn’t look to be in the best of shape either.
        I continue talking tough, because I figure that’s the way a real man is supposed to act in a bar.
        The situation’s getting tighter and tighter, and people in the bar are worrying about what’s going to happen. The bartender says: “No fighting in here, boys! Calm down.”
        Curly hisses: “That’s OK; We’ll get him when he goes out.”
        Then a genius comes by. Every field has its first-rate experts. This fella comes over to me and says: “Hey, Dan! I didn’t know you were in town! It’s good to see you!”
        Then he says to Curly: “Say, Paul, I’d like you to meet a good friend of mine, Dan, here. I think you two guys would like each other. Why don’t you shake?”
        We shake hands. Curly says: “Uh, pleased to meet you.”
        Then the genius leans over to me and very quietly whispers: “Now get out of here fast!”
        “But they said they would…”
        “Just go!” he says.
        I got my coat and went out quickly. I walked along near the walls of the buildings, in case they went looking for me. Nobody came out, and I went to my hotel.

  2. zu 9. “Work comfortably (or walk down a public street) without the fear of sexual harassment”

    Keine Ahnung, wie oft ich schon nachts alleine durch die Straßen oder den Park gelaufen bin.
    Und niemals bin ich im geringsten dumm angesprochen worden. Mir ist in meinem persönlichen Umfeld auch kein einziger derartiger Fall bekannt. Das wird maßlos überschätzt (kann natürlich auch von der Stadt oder Wohngegend abhängen).
    Im Gegenteil – Männer trauen sich dann kaum, in meine Nähe zu kommen und halten tendenziell eher absichtlich Abstand – vermutlich aus Angst, der Belästigung bezichtigt zu werden.

    Da habe ich höchstens Angst vor Handtaschenräubern, rowdyhaften Radfahrern, und am meisten vor (freilaufenden) Hunden.

  3. Hi. Du hast einen neuen Leser.

    Und ich fand – wie Graublau – bei Punkt 9 spontan auch “das stimmt überhaupt nicht”.

    Es ist verdammt schwer, arbeiten zu gehen, ohne dass Dir ununterbrochen von allen Seiten Titten hingehängt werden, die Du dann nicht anschauen darfst. Ich möchte aber Titten nur dann anschauen müssen, wenn ich das auch darf; insofern ist das sicher “sexual harassment”, denn Titten sind sexuell und mir welche zu zeigen und mir zu verbieten, sie anzusehen, ist reine Belästigung.

    Im Übrigen ist es für jeden geistig gesunden Menschen rein objektiv möglich, ohne “Angst” vor irgendwas auch Nachts durch die dunkelste Gasse zu laufen. Die Frage ist, wie vernünftig es ist, das zu machen. Das ist wie wenn man nicht aus dem Haus will, weil man denkt, der Himmel könnte einem auf den Kopf fallen (das wäre paranoid), der Blitz könnte einen treffen (das passiert recht regelmäßig, aber halt sehr wahrscheinlich eher jemand anderem, insofern wäre es auch paranoid) oder eben sexuell belästigt zu werden (das passiert häufiger als das mit den Blitzen, aber auch eher selten, insofern nenne ich das auch mal paranoid). Zudem ist “Angst vor Z” nicht automatisch schlecht. Ich habe keine Angst, dass mich ein Auto überfährt, wenn ich über die Straße gehe, weil ich vorher nach links und rechts schaue. Analog muss eine Frau auch keine Angst davor haben, sexuell belästigt zu werden – wenn ein Typ sie schräg anmacht, kann sie ihm ja einfach sagen, er möge sich verpissen. Ist nicht so schwer – zumindest im Vergleich mit dem “links und rechts schauen”. Damit mein Punkt nicht falsch verstanden wird: Dass ein Ereignis eintreten kann ist keine hinreichende Begründung dafür, davor Angst zu haben. Lediglich mangelnde eigene Handlungsfähigkeit in der Situation würde Angst begründen. Ich behaupte mal, dass – von ein paar Ausnahmen mit schwersten psychischen Problemen – alle Frauen mit irgendwelchen Typen umgehen können.

    (Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass in Deutschland deutlich weniger Frauen nachweislich vergewaltigt werden als Menschen bei Autounfällen sterben. Insofern sollte man auch in der verqueren feministischen Logik deutlich mehr Angst vor Straßen als vor Männern haben)

    • “Es ist verdammt schwer, arbeiten zu gehen, ohne dass Dir ununterbrochen von allen Seiten Titten hingehängt werden, die Du dann nicht anschauen darfst.”

      Tipp: Arbeite im IT-Gewerbe! (Ok, nicht ernst gemeint, aber da in dieser Blogblase gelegentlich auf dem “IT-Leute sehen nie Frauen”-Klischee herumgeritten wird, musste ich das mal herausholen.)

      “Ich möchte aber Titten nur dann anschauen müssen, wenn ich das auch darf; insofern ist das sicher “sexual harassment”, denn Titten sind sexuell und mir welche zu zeigen und mir zu verbieten, sie anzusehen, ist reine Belästigung.”

      Zu dem Thema gab es schon die Debatte bei Alles Evolution: Sexuelle Reize in unpassenden Situationen und die Anstrengung sie nicht wahrzunehmen (Der Kiezneurotiker hatte zuvor ins selbe Horn gestoßen.) Vergleiche auch erzählmirnix’ Beitrag Ausschnittgeschaue. Das zeigt auch aus meiner Sicht die Lösung auf.

      • Damit das nicht falsch ankam: Mir ist das scheißegal, ob sich Frauen sexuell belästigt fühlen, wenn ich ihre Brüste anschaue, wenn sie sie mir hinhängen. Female Hypoagency ist schlicht Bullshit, Ende. Sie könnten sie ja einpacken – EMN ist da (wie meistens) genial auf den Punkt gekommen.

        Ich persönlich habe da mit meinen Kundinnen keine Probleme, die sind alle gebildet, intelligent und beruflich erfolgreich, insofern machen die das eh nicht. Und ich bin selbständig, insofern ist das Kollegen-Problem auch weg (kann ich aber von früher eben aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen). Ich würde aber aktuell keinen “regulären” Job annehmen, weil ich nicht so adaptiv bin wie der Kiezneurotiker, der ja meint, es wäre unprofessionell, der Azubine auf den Arsch zu schauen. Das ist nämlich überhaupt nicht unprofessionell; das ist normal. Es ist unprofessionell, seinen Arsch nicht so zu verpacken, dass er nicht vom Business ablenkt (“Professionelle” natürlich ausgenommen). Und es ist enorm schlecht für die Ausbildung der Azubine, dass man ihr das nicht mehr sagen kann, ohne einen Anwalt, die Frauenbeauftragte und den Papst dabei zu haben. So lernt die nämlich nur, dass Arsch und Titten verkaufen (ach), aber nicht, wie man wirklich was verkauft.

        Aber mal ganz ehrlich: Ich schaue jeder jungen Frau auf die Brüste. Jeder. Viel. Es hat sich nicht eine jemals beschwert. Nichtmal indirekt. Und ich sehe nicht aus wie George Clooney. Ok, ich sehe besser aus als Brüderle, aber trotzdem. Ich bin dafür ehrlich – ich würde also Frau Himmelreich nicht sagen, dass sie (damit wir nicht OT werden) ein Dirndl gut ausfüllen könnte (ist ja “sexuelle Belästigung”). Könnte sie nämlich nicht. Und ich denke, dass das das Problem der Feministinnen ist, die sich über sowas beschweren, das sind nämlich in der Regel solche, die keine ehrlichen Komplimente von attraktiven Männern bekommen (können), sondern nur verlogene Scheiße von alten Säcken.

  4. “Ich möchte aber Titten nur dann anschauen müssen, wenn ich das auch darf; insofern ist das sicher “sexual harassment”, denn Titten sind sexuell und mir welche zu zeigen und mir zu verbieten, sie anzusehen, ist reine Belästigung.”

    Wichtiger Punkt. Schließlich zwingt einen das zur Disziplin, um sich nicht angreifbar zu machen. Wer schaut, kann ja der Belästigung geziehen werden. Zweitens ist es nicht immer schön, mit seinem Trieb konfrontiert zu werden. Der Trieb ist ja durchaus Anlass des Scheiterns, Anlass von Unzufriedenheit und von quälenden Wünschen, die an sozialen Normen scheitern. Daher ist man doch froh, wenn der Trieb mal schweigt. Insbesondere in Arbeitssituationen ist eine Sexualisierung daher eher unwillkommen, weil es ablenkt.

    • Ein Vergleich für Frauen, die das nicht nachvollziehen können oder mögen: Ein Ausschnitt wirkt auf Männer wie ein Laserpointer auf Katzen.

      Es mag Ausnahmen geben, aber bei mir stimmt das. Ebenfalls Beine. Und egal, ob direkt im Blickfeld oder aus dem Augenwinkel.

      Es gibt Sommertage, an denen ich wegen Reizüberflutung die Innenstädte meide.

      • Im Augenblick sind es für mich diese hautengen Leggins, die gewisse Schlüsselreize extrem betonen. Das sorgt schon für Nervosität.

        Das Problem daran ist meist die bereits genannte female hypoagency. Zwar wissen Frauen eigentlich sehr genau, was sie tun. Aber sie übernehmen dafür keinerlei Verantwortung, zumindest jene, die dann schnell “Belästigung!” schreien. Dabei müssten sie auch damit umgehen, dass sexuelle Schlüsselreize nun einmal etwas auslösen und insofern auch Reaktionen provozieren. Leider wird ein solcher Standpunkt schnell mit der Aussage totgeschlagen, dass man so ja Vergewaltigungen exkulpiert und der Frau die Schuld zuschiebt. Und so ist man dann fortwährend mit Selbstrechtfertigungen beschäftigt: Man sei doch gar nicht der Meinung, dass sexy Kleidung Übergriffe rechtfertige. Das Thema der weiblichen Verantwortung ist dann längst vom Tisch.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s