Gründe für die Rape Hysteria, in den Worten eines Mädchens

Mal schauen, ob ich mir das Psychologisieren verkneifen kann. Einfach ist es nicht, bei einem Text wie diesem.

(Fettungen meine, Kursiv im Original)

After no fewer than 13 hours of drinking, I ended up at my friend Matt’s house. I had been flirting with him all night–and arguably all of my college career.

He wasn’t traditionally good-looking, but he was a notorious charmer with some serious bad boy in him that made him weirdly hot in a not-hot way. (…) Part of me felt as if I was 15 again. I was excited and nervous to be there. I was hyper aware of my body, and of his, wondering, maybe even hoping, he’d kiss me. Another part of me felt that this was wrong. Not in an “it’s wrong, but it’s hot and scandalous and I still want to do it” way–wrong as in not right, wrong as in uncomfortable. (…) He interrupted my inner conflict with something that would have way more weight years later.

I feel like you want me to make a move, just so you can turn me down,” he said.

Before I even had a chance to decide if he was right, we were making out. In my state of extreme intoxication, my mind was racing in search of a decision. This was exciting. This was fun. But this was also really, really weird, and ultimately, not a road I wanted to go down.

(…)

I wasn’t a virgin. I’d done this before. It shouldn’t have been a big deal–it’s just sex–so I didn’t want to make it one.

(…)

I woke up with an “oh shit” feeling that quickly turned into an “oh well.” I didn’t really feel I’d been violated, though part of me knew I had. (…) I wanted the flirting. I wanted the kissing. I wanted the sleepover. But I didn’t want to go all the way. (…)

There is not a word for my experience. (…) But this weird place in between consensual sex and rape? It’s there. It does exist.

(…)

We just feel like we got the short end of the stick, and that sometimes, we have to do something we don’t want to do. (…) But by refusing to acknowledge the existence of these rape-ish situations, we’re continuing to subject ourselves to them indefinitely.


Was wäre das feministische Erklärungsmodell?

Vermutlich irgendwas in der Größenordnung:

“Männer sind empathiefreie Rüpel, die Frauen ausnutzen und in schlimme Situationen bringen. Der Staat hat die Pflicht, Frauen vor solchen Männern zu beschützen.”

Ein Gegenvorschlag:

“Frauen wollen etwas von Männern. Das Etwas kann ein Gespräch sein, es kann Validierung durch ungeteilte Aufmerksamkeit sein, es kann eine Beziehung sein, es kann erotische Validierung durch Begehrtwerden sein, es kann Sex sein.*) Es ist einer Frau in der konkreten Situation nicht notwendigerweise vorher klar, was genau es ist, was sie will.

Problematisch wird es, weil der Mann auch etwas von der Frau will, was sich nicht notwendigerweise mit dem Wunsch der Frau deckt.

Hier liegen die Wurzeln der Friendzone: Die Frau will ein Gespräch/die ungeteilte Aufmerksamkeit des Mannes – aber nicht mehr als das.
Der Mann will eine Beziehung.

Hier liegen aber auch Wurzeln der Rape Culture: Die Frau will erotische Validierung – das Gefühl, begehrenswert zu sein – aber nicht eigentlich Sex.
Der Mann will sexuelle Befriedigung. Das ist quasi immer der Fall, wenn Sex “auf dem Tisch” ist.

*) Den Wunsch nach Ressourcen lasse ich hier mal weg.


Die Befriedigung, die mit dem Erlebnis von “Ich könnte, wenn ich wollte” einhergeht, ist nichts typisch weibliches. Zum Beispiel die Art und Weise, wie die Protagonisten in diesem Clip ihre Jacken halb ausziehen, um auszudrücken: “Wenn ich wollte, könnte ich…”

Sollte es nach solchen Selbsterhöhungsgesten dann doch zur Prügelei kommen, denkt bestimmt auch der eine oder andere “Hätte ich es doch lieber gelassen.”


Sollte es einen Beleg brauchen, dass Bernhard Lassahn recht damit hat, dass alle feministischen Deutungsansätze in erster Linie das Verhältnis zwischen den Geschlechtern vergiften, empfehle ich diese Reaktion eines Jungen auf den Bericht des Mädchens.

I get the feeling that she’s getting a whiff that this whole “rape culture” hysteria on campus is going to have a big impact on cupcakes when the guys, especially fraternities, decide that cupcakes aren’t worth the danger. She’s trying to thread the needle that it isn’t consensual sex (ie regret, etc), but not quite rape. Maybe just a little rapey. Doesn’t that sound so much better?

(…)

Cupcakes want the power of rejection.

(…)

Cupcakes have no idea what they want, so how are we supposed to know?

(…)

First, cupcakes always operate in a contradictory mode. They want, then they don’t want, and then they get upset because they didn’t get what they wanted.

(…)

Morale of the Story: Avoid cupcakes in general and college cupcakes in particular to keep your freedom, reputation, academic record, and money intact. Let them be strong and independent without you.


Wie so häufig hat grad heut this-isnt-happiness einen passenden Kommentar im Angebot:

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12 thoughts on “Gründe für die Rape Hysteria, in den Worten eines Mädchens

  1. Man stelle sich mal vor: Mann und Frau flirten auf Party miteinander, sie fangen an rumzuknutsch, sehr eng zu tanzen und zu fummeln. Dann sind beide einverstanden irgendwo hinzufahren wo ein Bett steht. Auf dem Bett immer noch wild knutschend, er mit seiner Hand unter ihrer Bluse, fängt die Frau an die Hose des Mannes aufzumachen… und er dann: “Hey was soll das, das will ich nicht!”

    Wie würden da wohl die Frauen i.d.R. reagieren? ^^

    • Ja, das ist der Grund, warum es zu dieser Art von Sex kommt, die der entsprechende hinterher bereut. Das gibt es auf beiden Seiten, die Vermutung ist, dass es das häufiger auf Seiten der Frau gibt.

      Das ist ja auch das, was das Mädl in dem Artikel schreibt: “Ich kann jetzt nicht mehr zurück, nachdem ich so weit mitgemacht habe.”

      Damit bleibt der Blick aber außerhalb der Blackbox.

      Interessanter finde ich die Fragen:

      Wie kommt es, dass das Mädel denkt, Sex sei ebenso belanglos, wie jemandem die Hand zu geben, wenn das doch ganz offensichtlich nicht der Fall ist? Wer oder was hat sie auf die Idee gebracht?

      Ich verstehe das Bedürfnis nach Selbstbestätigung. Wie kommt es, dass bei dem Mädl der “Fix” erst erreicht ist, wenn sie mit dem Kerl in der Kiste gelandet ist und alle Unzweideutigkeit weg ist (Kondom in der Hand)?

      Wie kann man mit dem Bedürfnis nach Bestätigung umgehen, ohne sich in eine Doofe Situation zu bringen (und ohne andere zu verletzen)?

      • Ich habe schon oft eher unfreiwillig mit einer Frau im Bett gelegen. Weil ich zu schwach war, nein zu sagen. Eine kleine Macke meinerseits. Ich glaube schon, dass das nicht nur mir passiert ist. Auch als Mann will man gefallen, will niemanden verärgern und mit einer Frau ins Bett zu gehen kann eben auch eine Form dessen sein, jemandes Wohlwollen zu bekommen statt Enttäuschung und Ärger.

      • “Wie kommt es, dass bei dem Mädl der “Fix” erst erreicht ist, wenn sie mit dem Kerl in der Kiste gelandet ist und alle Unzweideutigkeit weg ist (Kondom in der Hand)?”

        Ja ehrlich, was hat die denn erwartet was als nächstes passiert? Hat sie gehofft er schüttelt ihr nur noch die Hand und gratuliert ihr dafür das sie so begehrenswert ist, dass er mit ihr gerne Sex haben würde?

      • ” was hat die denn erwartet was als nächstes passiert? ”

        Das ist keine interessante Frage. Sie selbst beantwortet sie ja mit “als nächstes kommt Sex. Geht wohl nicht anders.”

        Die Enttäuschung über das “Geht wohl nicht anders” finde ich spannend.
        Zu schlussfolgern, dass es ein gesellschaftliches Problem sei (-> Rape Culture) wenn ein Mann Sex haben will, nachdem man ihn 13 Stunden lang angespitzt hat.
        Sich nicht die Frage zu stellen: Wieso habe ich den Mann13 Stunden lang angespitzt? Was hatte ich davon? Kann ich das auch auf eine andere Weise bekommen?

      • Das Mädel hatte schon mal Sex und selbst wenn nicht, hat die mit Sicherheit schon mal einen von diesen albernen Teeniekomödien gesehen, in denen irgendeine Party mit Alkohol und Sex vorkommt. Wie kann man da dann noch die Situation so falsch einschätzen? Ist das alles auf den Alkohol zu schieben? Graublau hat da vielleicht recht und sie hat kalte Füße bekommen. Ansonsten ist der Zeitpunkt sich das zu überlegen wirklich miserabel.

        “Zu schlussfolgern, dass es ein gesellschaftliches Problem sei (-> Rape Culture) wenn ein Mann Sex haben will, nachdem man ihn 13 Stunden lang angespitzt hat.”

        Daran das Antje Schrupp es schonmal genauso geschlussfogert hat, kann man sehen wie bescheuert das ist.

      • “Daran das Antje Schrupp”

        Naja, Schrupp schafft es, sich mit nur zwei Wörtern selbst zu widersprechen… 😉

        “Ansonsten ist der Zeitpunkt sich das zu überlegen wirklich miserabel.”

        Meine, jetzt doch psychologisierende Erklärung ist folgendermaßen:

        Geistige Dissonanz Nr. 1: Sex ist für sie doch ein Big Deal. Ihre feministischen Vordenker haben ihr aber beigebracht, dass viel wahlloser Sex toll und empauering ist, also kann und mag sie sich nicht eingestehen, dass ihr Rückenmark immer noch um den Wert der Jungfräulichkeit weiß oder zumindest, dass Schlampe-Sein als Lebenskonzept nur für sehr wenige Frauen taugt.

        Geistige Dissonanz Nr. 2: Was sie eigentlich aus der Begegnung wollte: Reine Selbsterhöhung dadurch, dass ein – von anderen Frauen begehrter – Mann, sie begehrt. Sie wollte keine Beziehung mit ihm, sie wollte keinen Sex mit ihm, sie wollte gar nichts von ihm, außer der sexuellen Bestätigung. Damit reduziert sie ihn, in Kantschen Worten, zum Mittel. Würde sie sich selbst ehrlich sehen, sähe sie eine attention whore, die einen Mann aus rein egoistischen Motiven anspitzt und damit benutzt.
        Sich selbst einzugestehen, dass man unterste moralische Schublade ist, ist für niemanden einfach.

        Sie hätte beide Erkenntnisse vorher haben müssen, um die Situation nicht so weit eskalieren zu lassen. So aber wurde ihr ihr eigenes Verhalten erst als dissonant bewusst, als es unübersehbar war.

        Der Feminismus bringt Frauen bei, dass sie selbst nie etwas falsch machen, dass ihre Moral nie zu kritisieren ist, dass letztlich immer der Mann irgendwie schuld ist.

        Deswegen wird sie so schnell auch keine Selbsterkenntnis erlangen und nicht rausfinden, wie sie solche Situationen besser vermeidet: Indem sie nämlich Sex nur noch hat, wenn sie tatsächlich Interesse an einer geistig-körperlichen Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen hat und den nicht nur als Mittel zum Zweck ansieht.

  2. Wer kennt das nicht? Wenn es ernst wird, bekommt man plötzlich kalte Füße. (Also allgemein, in anderen Situationen.) Man ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob man das wirklich will. Aber weil man vor anderen Leuten nicht blöd da stehen will, macht man weiter.

    Ist man also Opfer anderer Personen geworden? Nein, man ist Opfer seiner eigenen Trägheit und Eitelkeit geworden! Anstatt einmal den Mumm in den Knochen zu haben und zu sagen: “Tut mir leid, das ist mir jetzt doch irgendwie zuviel.”

    Es gibt nicht “ein wenig Vergewaltigung”, genauso wie es “ein wenig Mord” gibt. Ansonsten dürften bestimmte Orte (Unis etwa) zu flirtfreien Zonen werden, weil das Risiko für den Mann zu hoch ist, beschuldigt (und gleich verurteilt) zu werden.

    • “Ist man also Opfer anderer Personen geworden? Nein, man ist Opfer seiner eigenen Trägheit und Eitelkeit geworden! Anstatt einmal den Mumm in den Knochen zu haben und zu sagen: “Tut mir leid, das ist mir jetzt doch irgendwie zuviel.””

      So beurteile ich das für mich auch. Es ist halt mein Problem, wenn ich nicht konsequent bin.

    • “Man ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob man das wirklich will. ”

      Ich denke ja, dass bei dem Mädl deutlich wird, dass die Frage nicht ist, OB sie was will, sondern WAS sie will.

      Und es stellt sich raus, dass sie eigentlich keinen Sex will, sondern nur, dass der Typ ihretwegen einen Ständer kriegt und eskaliert. Den Sex selbst aber bitte lieber nicht.

      Es gibt ja grad die Initiative, dass enthusiastic Consent nicht mehr reicht, sondern dass die Motivation vorher geklärt werden muss. Das ist natürlich gegen Männer adressiert, die vor dem Sex die seelische Hose runter lassen sollen, ob sie nur ein schnelles Nümmerchen wollen oder eine längere Beziehung.
      Falls das durchkommt und neutral formuliert wird, kann das ein enormer Schuss ins Knie werden, wenn die Frau vor dem Date klar angeben muss, dass sie eigentlich nur etwas Aufmerksamkeit und eine Einladung zum Essen haben will.

      • Und es stellt sich raus, dass sie eigentlich keinen Sex will, sondern nur, dass der Typ ihretwegen einen Ständer kriegt und eskaliert. Den Sex selbst aber bitte lieber nicht.

        Das ist grundsätzlich auch mein Eindruck. Die junge Dame wollte nur ihrer Eitelkeit schmeicheln und dreizehn Stunden auf dünnem Eis tanzen, aber das Eis war doch zu dünn, was sicher auch daran lag, dass Alkohol ein Frostschutzmittel ist.

        Interessant ist aber vor allem, dass die junge Dame ihr eigenes Versagen als “between consensual sex and rape” einstuft und allen Ernstes wagt, diese Sicht der Dinge zu veröffentlichen.
        Sich erst, komplett selbstbestimmt und freiwillig, die Hemmungen wegsaufen und dann jammern weil sie selbst ihre, normalerweise streng kontrollierten, Wünsche ausgelebt hat, ist, freundlich gesagt infantil.
        Sich erst, komplett selbstbestimmt und freiwillig, die Hemmungen wegsaufen, dann die eigenen, normalerweise streng kontrollierten, Wünsche ausleben und dann das Geschehen in die Nähe eines Verbrechens (und damit das vermeintliche Spielzeug in die Nähe eines Kriminellen) zu rücken, ist schlicht geisteskrank.

        wenn die Frau vor dem Date klar angeben muss, dass sie eigentlich nur etwas Aufmerksamkeit und eine Einladung zum Essen haben will.

        Und denkst ernstlich, dass irgendeine Frau das ehrlich angeben wird?

  3. Hallo Leute,

    starke Diskussion von Euch – danke dafür!

    Lest Euch mal die Kommentare unter

    http://totalsororitymove.com/is-it-possible-that-there-is-something-in-between-consensual-sex-and-rape-and-that-it-happens-to-almost-every-girl-out-there/

    durch. Diese Äußerungen bestätigen viele der Ansichten, die ihr in der Diskussion oben entwickelt habt. Nur ein Beispiel:

    “… this was not a case of rape’ish’ behavior, this was rape. … Consent is not always actually saying the word ‘no.’ … He treated sex with her as if she were a hole in the wall and that’s definitely not sex, that’s rape.”

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