“Ich bin schlauer als du!”

Ich suhle jetzt mal in dem Gefühl, das ich im Begriff bin, anderen vorzuwerfen: “Gute Güte, sind die doof. Wieso bin ich der einzig Schlaue hier?”

Konkreter Anlass: Der Bildblog-Beitrag zur Watson-Rede.
(Kein Link, da zu doof: bildblog.de/60790/ohne-sinn-und-geschmack/)

Vor allem ein Absatz hat es mir angetan:

Für ihre Rede hat Watson viel Zuspruch und Lob bekommen — aber auch Kritik von selbsternannten Männerrechtlern, die ihr den Einsatz für Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit übelnehmen.

Wieso “selbsternannt”?
Wieso sollte das erwähnenswert sein?

Ist Antje Schrupp zum Beispiel keine selbsternannte Feministin? Gibt es da ein Gremium, das entscheidet, wer sich “Feminist” nennen darf und wer nicht, und einmal im Jahr gibt es feierliche Ernennungszeremonien, bei denen den frischgebackenen Feminist.I.nnen die offiziellen pinken Scheuklappen verliehen werden?
Was für eine Vorstellung. Nicht völlig abwegig … wenn nicht … dann müssten ja alle Feministinnen diese sicherlich sehr emotionale Zeremonie ihr Leben lang geheim gehalten haben.
Also doch abwegig.

Was bedeutet das “selbsternannt” aber dann?
Vielleicht so was wie: “Die haben selber nachgedacht und sich ihre eigene Meinung gebildet und sind zum Schluss gekommen, dass Empirie und feministische Ideologie nicht zusammenpassen.”?
Neee, das wär ja positiv.

Also wohl doch einfach plumpe sprachliche Inkompetenz? Mit so was wie “selbsternannter Richter” oder “selbsternannter Messias” im Kopf eine sinnlose Übertragung in die Tastatur gekotzt? Ja, das klingt plausibel.

Der Rest vom Absatz ist nicht besser.
“Einsatz für Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit übelnehmen.”

Der Bildblog brüstet sich damit, immer besser zu recherchieren und genauer hinzuschauen als der Qualitätsjournalismus. Es gibt quasi keine Seite auf dem Blog, die nicht aus jeder Zeile den “Oh, wir sind so schlau und so gut” Gestus tropft.

In diesem Fall so schlau und so gut, dass die Recherche, WAS genau von den selbsternanntendenkenden Männerrechtlern kritisiert wird, leider heute ausfallen musste.

HeForShe wird und kann nicht die Geschlechtergerechtigkeit fördern. Allein der Ansatz: (Nur) Frauen haben ein Anrecht auf Förderung und Männer haben (nichts als) eine moralische Bringeschuld für diese Hilfe. Aber immerhin verkaufen wir das jetzt mal so, dass es Männern irgendwie auch gut geht, wenn sie sich zurückstellen und sich stattdessen um Frauen kümmern. Magsiches Denken ist Cool.

Wäre die Intention eine andere – wäre sie an dem Wohlergehen von Männern interessiert – die Aktion hieße #wetogether oder #OneforallAllforone.

Es hat schon einen Grund, weshalb ich die letzten [zweistellige Zahl] Monate eigentlich nur noch die Bildblog-Titel im RSS Feed mit kurzem Blick streife, aber fast nie denke, ein Klick könnte sich lohnen.

Der Bildblog hatte mal den Sinn, vor zehn Jahren, effektiv auf den skrupellosen Umgang des Boulevardjournalismus mit der Wahrheit hinzuweisen.
Heute ist außer der selbstgerechten Korinthenkackerei nicht mehr viel übrig.

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6 thoughts on ““Ich bin schlauer als du!”

  1. 😀
    Wir Nicht-Feministen aus Berlin sind auch “selbsternannt”.

    Die selbsternannten Nicht-Feministen kämpfen also gegen die Frauenquote, gegen das Binnen-I, gegen die alltägliche Diskriminierung des Mannes.

    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/nieder-mit-dem-matriarchat-wut-auf-die-maternalistische-unterdrueckung/10693260-2.html

    Selbsternannt scheint also ein Lieblingsausdruck von Feministen zu sein. Der Bildblog wird auch mittlerweile von diversen Stellen aufgrund seines ewig besserwissenden Stils kritisiert. Es ist für Männerrechtler, die nicht dem Genderwahn anhängen, nahezu unmöglich eine wohlwollende Presse zu bekommen.

    Das “unterhaltsame” an der Sache ist aber, dass diese Männerrechtler am ehesten für Gleichberechtigung im wörtlichen Sinne stehen. Alles was unter eine Bevorzugung von Frauen läuft, scheint zu verurteilen zu sein. Da sieht man mal, was der Mann für einen Wert sogar bei vielen Männern angenommen hat.

    Vor dem Interview mit dem Tagesspiegel haben wir sämtliche Ausdrücke aus unserem Vokabular gestrichen, dass irgendwie negativ gewertet werden könnte und der Journalist schien sehr nett und aufgeschlossen gewesen zu sein, was raus kam wissen wir alle. Wir waren auf einmal allesamt “selbsternannte Nicht-Feministen” mit “verbittertem Lachen”. Von Verbitterung ist bei uns Selbsternannten überhaupt nichts zu finden. Es scheint in der Presse momentan völlig in Ordnung zu sein, Männerrechtler, die sich nicht in den Weg des Genderwahn einzureihen gedenken, niederschreiben zu dürfen.

    Der Leser sieht es zum Glück zum größten Teil anders. Das haben wir speziell in den Kommentaren deutlich sehen können. Man sollte sich also von diesen Artikeln nicht stärker beeindrucken lassenn als nötig. Am besten sollte man sich gar nicht beeindrucken lassen. Wir machen unsere eigene Presse in unseren Blogs. 😉

  2. Ich halte den Zusatz von »selbsternannt« nicht für sprachliche Inkompetenz sondern für ziemlich perfide. So wie wir einem selbst ernannten Richter die Legitimation absprechen zu urteilen oder einem selbst ernannten Experten für eine DampfplauderIn halten gilt dieses Verhalten in ähnlicher Form für alle anderen selbst ernannten Personen. Und so sollen die selbst ernannten Männerrechtler eben auch nur Einzelpersonen sein denen jegliche Legitimation fehlt sich für Männer und deren Rechte einzusetzen.

  3. Wo ist das Problem? Wenn jemand Männerrechtler sein möchte, der melde sich bei mir, ich ernennne Männerrechtler! 🙂 Schon seid Ihre nicht nur selbsternannte Männerrechtler … Man, man, man ist das denn ein BLÖD Blog, dieser BILD Blog?

    • Ohne Geld? Die “ernannten” Männerrechtler zahlen 150-200 Euro für die Teilnahme an einer (nutzlosen) Männerkonferenz. So is das in der heutigen Gesellschaft: Wenn’s nix kostet, isses nichts wert (das stimmt nun leider oft, aber es gilt halt – und da ist der Fehler – nicht umgekehrt).

      Finde die Idee aber gut, ddbz. Wobei man sich von selbsternannten Journalisten nicht allzu viel sagen lassen sollten.

  4. Pingback: Die Doppelmoral Der Männerrechtler, bewiesen an M.Pütz | Meinungen und Deinungen

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