Feministinnen verstehen; geht das? Heute Tina Groll

Es treibt mich immer mal wieder um, ob ich nicht doch die Statik von feministischen Gedankengebäuden (nein, nicht Luftschlössern, das wäre polemisch) nachvollziehen kann.
An Stellen, an denen ich selbst wohl Strebebögen oder doch wenigstens ein solides Fundament einbauen wollte, scheinen Gebilde von Feministinnen scheinbar schwerelos zu schweben.

Wie machen die das?

Heute ruft Tina Groll die Feministin des 21. Jahrhunderts aus, die grad ihr Meisterwerk “Weil ein #Aufschrei nicht reicht” veröffentlicht hat. Von Meistern sollst du lernen. Also spitze ich Ohren und Bleistift, setze mir meine Lernmütze auf und begebe mich auf die Suche nach dem Geheimen Wissen…

Ich kann’s vorausschicken: Ich bin wieder gescheitert. Ich verstehe immer noch nicht, wie die Gebilde halten, wenn sie doch eigentlich mit einem leisen Pffffffffft in sich zusammensinken müssten.
(Zitate in rot)


Da geht’s um den #aufschrei, dessen “…Auslöser war die Frage, ob sich eine Journalistin anzügliche Sprüche eines älteren Politikers gefallen lassen muss, ob sie wohl ein Dirndl ausfülle.
Nein, muss sie nicht. Sie hat alle Möglichkeiten, die jeder hat, der sich einen Umgang nicht gefallen lassen will und ebenso exakt die Einschränkungen, die jeder hat.
Ist das Problem nun gelöst und der Aufschrei beendet?


Jetzt wird’s aber spannend, jetzt kommen die Gründe “…warum die Behauptung, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben, immer noch richtig ist.

Erster Grund:
Da wären zum einen die gängigen Geschlechterbilder, die definieren, was typisch männliches und typisch weibliches Verhalten ist.

Na, mit dem Umstand, dass es Geschlechterbilder gibt, ist aber noch kein Patriarchat belegt. Es könnte genau so ein Matriarchat oder ein Infantriarchat sein; schließlich gibt es auch Bilder, wie sich Menschen verschiedenen Alters zu benehmen haben.
Aber es kommt ja auch noch mehr:
Es sind Bilder, wonach wir glauben, dass Männer von Natur aus durchsetzungsstark und aggressiv sind, während Frauen emotional und kommunikativ sind.

Äh…
Redet sie hier von “alle Männer” oder von “Männer im Schnitt“? Falls letzteres: Stimmt das Bild?

Und wer erzeugt das Bild bzw. wer sorgt dafür, dass es nicht weggeht? Kurioserweise kann man diese Frage mit einem Zitat aus einem späteren Abschnitt des selben Artikels beantworten:
Da heißt es nämlich voller Bewunderung: “Sie hat die Einladung in die entscheidenden Talkshows während der Sexismusdebatte angenommen, ohne sich zu fragen, ob sie sich zur Sprecherin der Frauen erheben darf. Dazu braucht man Mut (…)
Das klingt, als würde sie eigentlich erwarten, dass eine Frau den Mut normalerweise nicht aufbringen würde.
Ist Tina Groll aktiver Teil des Patriarchats? Oder sind hier Kräfte am Werk, die nichts mit einem Patriarchat zu tun haben? Wer weiß das schon?
Als Beleg taugt dieser erste Grund aber leider nichts, ein Fundament aus Pappmaché.

Zweiter Grund:
Da wäre die Werbung, die häufig nackte oder halbnackte Frauen zeigt. Ob Auto, Waschmaschine, Körperlotion – der schlanke Körper einer jungen Frau geht immer dazu.”

Körperlotion… Ein Produkt, welches (in erster Linie) Frauen kaufen, damit ihre Haut jung aussieht, wird mit jungen Frauen beworben!?!
Ich spüre förmlich die Unterdrückung.
Wer wird wohl dadurch unterdrückt, dass auf einem Plakat, mit dem ein Möbelhaus den Verkauf von Schränken ankurbeln will, ein tadellos zusammengebauter Schrank zu sehen ist?
Und wieso stehen die Waschmaschinen grundsätzlich in lichten, geräumigen, blitz-sauberen Küchen?
Das Patriarchat unterdrückt Küchen mit angestoßenen Kacheln sowie wackelige Möbel mit Flecken drauf. Oder so.

Dritter Grund:
Da wären die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und die Tatsache, dass Frauen selbst bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation weniger bekommen als ihre männlichen Kollegen.

‘Tatsache’…
‘Tatsache’ wie in ‘Jene Aussage, die sich empirisch nicht nachweisen lässt. Aber widerlegen.’

Vierter Grund:
Da wäre das Fehlen von Frauen in Führungspositionen.
Man kann übrigens mit dem selben Syllogismus ganz leicht belegen, dass es die weißen Männer sind, die im Leistungssport diskriminiert werden:

0 (Null!) Prozent Weiße im Finale.
Wer hätte das gedacht.

Fünfter Grund:
Und da wäre die Tatsache, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor ein Problem für Frauen ist.
Ich verstehe nicht, inwiefern Frauen nicht genauso vorgehen können wie Männer: Sie können sich einen Partner suchen, der weniger verdient als sie selbst und bereit ist, die Kinder versorgend zu Hause zu bleiben, während die Frau bis zum Rentenalter ohne Plan B im Job ranrauscht, um die ganze Familie zu ernähren. Es gibt Männer, die bereit sind, sich durchfüttern zu lassen, es liegt also nicht daran, dass diese Option “technisch” nicht möglich wäre.

Warum also machen sie es dann nicht – genau wie die Männer, die ihre Kinder nur abends für 10 Minuten sehen?
Wer weiß?

Aber ich sollte nicht so schnippisch sein: “Denn Erziehung ist immer noch vielfach Sache der Frauen.
Das Leben im Patriarchat ist echt hart; es zwingt Frauen dazu, etwas freiwillig zu wollen, wozu sie eigentlich gar keine Lust haben. Äh…

Sechster Grund:
Und dann der Umstand, dass sexuelle Selbstbestimmung für Frauen immer noch bei der Pille aufhört und Verhütung weiterhin Frauensache ist
Ich bin mir nicht sicher. Ich vermute, das Patriarchat lässt hier seine gnadenlose Faust spüren, indem es eine der 15 Verhütungsmethoden für Frauen nicht rezeptfrei sein lässt; die Finanzierung für die meisten aber bei jungen Frauen aber übernimmt.

Wie viel leichter haben es da die Männer: Für sie gibt es nur eine einzige – nicht allzu sichere – Verhütungsmethode, die dürfen sie selbst bezahlen und falls es schief geht, brauchen sie sich auch keinen Kopf zu machen, ob sie das Kind haben wollen oder nicht. Da haben sie zum Glück kein Mitspracherecht.


Männer haben es einfach leichter als Frauen. Das ist jetzt – irgendwie – belegt.


Es gibt noch einige verwirrende Zitate.

Die Frauenquote etwa bezeichnet sie als “Hack im System”. Das Bild ist überraschend und witzig – veranschaulicht es doch sehr gut, welches Problem die Quotengegner mit dem Instrument haben, das das System umprogrammieren soll.
Ein “Hack” in Computerparlance ist ein Eingriff in ein System, der lokal etwas ändert, ohne die Folgen auf das Gesamtsystem zu beachten. Quick und dirty doktert man an einem Symptom rum und nimmt dabei in Kauf, dass die Zuverlässigkeit oder gar generelle Funktionsfähigkeit des Systems nicht mehr gewährleistet werden kann.
Es veranschaulicht wirklich sehr gut, was eine Quote ist. 🙂


…dass es eben nicht den einen Feminismus gibt und dass Feminismus nicht zwingend heißt, einfach biologische Unterschiede zu negieren.

“Nicht zwingend”. Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass es durchaus eine ganze Menge Feministinnen gibt (oder geben könnte), die tatsächlich biologische Unterschiede negieren? Welche sind denn das? Sollten wir uns Sorgen um die machen? Sitzen die in Machtpositionen, wo sie Unheil anrichten können?

Und wenn es Den Feminismus nicht gibt, sondern nur Strömungen, gibt es dann auch gute und schlechte Strömungen? Welche sind denn gut und welche schlecht? Wieder: Sitzen Feministinnen der schlechten Strömungen auf Posten, auf denen sie Unheil anrichten können?
Vermutlich muss ich das Buch selbst lesen, um das rauszufinden. Nach dem Bisherigen verlässt mich leider langsam die Zuversicht 😦


Kommentare wie etwa “Wirklich dufte Einstellung, meine Herren!” sollen vermutlich frech wirken, sie muten teils aber unseriös an und mindern damit die Wirkung, die Wizoreks nüchterne Faktenrecherche ansonsten hätte entfalten können.

Keine Sorge. Ich glaube, ich kann versprechen, dass es nicht der Tonfall ist, mit dem Kritiker ein Problem haben werden. Es wird eher die “Fakten”recherche sein.


Das F in Feminismus steht für Freiheit

Freiheit für wen?


Ich bin leider nicht schlauer als vorher. Es scheint immer noch, dass Feminismus dafür sorgen will, dass Frauen sowohl die Pinguine als auch die Löwen oder nur eins von beiden oder ganz was anderes sehen dürfen.
Was das für Männer bedeutet, wird nicht recht gesagt. Aber es wird versprochen, dass das auch für Männer ganz toll sein wird.
Irgendwie.


Edit (oder Added?):
Von Steve Sailer erscheint parallel ein Artikel, in dem er mein Bemühen um das Verstehen des Tickens von Feministinnen so abbügelt:

I can recall distant eras when certain feminists tried to be logical, but those attempts alienated other feminists. So, today, feminism is whatever any woman is upset about. It doesn’t have to be consistent with what other feminists are upset about. It doesn’t even have to be consistent with whatever other things that particular feminist is upset about. All that matters is that whoever is bitching about whatever claims the mantle of Team Women.

… Occam’s Razor, ick hör dir trappsen …

… full of sound and fury, Signifying nothing …

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3 thoughts on “Feministinnen verstehen; geht das? Heute Tina Groll

  1. Vielen Dank, für diese beißende Textanalyse! Auch die Lösungsvorschläge von dir sind nicht zu verachten: Hat eine Frau keine Lust auf Hausarbeit? Kein Problem: soll sie sich doch einen Partner suchen, den sie durchfüttert und der die Hausarbeit macht. Wahrscheinlich ist die effektivste Strategie, den Feminismus sich selbst um Kopf und Kragen reden zu lassen. Man muss nur deren Texte aufgreifen und fachgerecht zerlegen.

  2. ““Es sind Bilder, wonach wir glauben, dass Männer von Natur aus durchsetzungsstark und aggressiv sind, während Frauen emotional und kommunikativ sind.“

    Warum gibt es denn soviel “Empowerment” für Frauen und Mädchen, so als ob sie ohne das nichts auf die Kette kriegen würden? Warum werden Männer als gefährlich und böse dargestellt, so als ob sie tickende Zeitbomben wären?

    “Da wäre die Werbung, die häufig nackte oder halbnackte Frauen zeigt. Ob Auto, Waschmaschine, Körperlotion – der schlanke Körper einer jungen Frau geht immer dazu.”</em<

    Gutaussehende Frauen können ihren Körper einsetzen, um Kohle zu machen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei Männern geht das deutlich seltener – da müssen sie schon sehr gutaussehend und durchtrainiert sein. Eine eindeutige Benachteiligung von Frauen, die das Patriarchat ersonnen hat!

    “Da wäre das Fehlen von Frauen in Führungspositionen.“

    Sexuelle Diskriminierung bedeutet, dass es einen Unterschied macht, welches Geschlecht jemand hat. Um dagegen zu kämpfen, gucken wir genau, welches Geschlecht jemand hat. Klingt logisch!

    “Und da wäre die Tatsache, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor ein Problem für Frauen ist.“

    Das ist eher ein Hinweis auf vollendete Gleichberechtigung. Den Männern geht’s nicht anders!

    “Denn Erziehung ist immer noch vielfach Sache der Frauen.“

    Das Patriarchat hat ein ganz gemeines Werkzeug geschaffen: Eine Gesetzeslage, bei dem die Frau den Mann von der Kindererziehung ausschließen kann (die Bezahlung läuft weiter), jedoch nicht umgekehrt. Komisch, dass das mit dazu führt, dass mehr Frauen die Kinder erziehen.

    “…dass es eben nicht den einen Feminismus gibt und dass Feminismus nicht zwingend heißt, einfach biologische Unterschiede zu negieren.“

    Heißt das, verschiedene Strömungen können verschiedene, sich ausschließende oder widersprechende Forderungen haben? Heißt das, man könnte aus der Menge der Feminismen irgendwelche finden, die man auch als Mann kritisieren kann, oder rechtsradikal, ein Verlierer oder ein Jammerlappen zu sein? Ein spannender Punkt, der viel häufiger diskutiert werden sollte!

    • @Graublau:

      > Heißt das, verschiedene Strömungen können verschiedene, sich ausschließende oder widersprechende Forderungen haben?

      Natürlich. Es geht ja nicht darum, “Sinn” zu machen. Sinn und Logik sind frauenfeindlich und müssen dekonstruiert werden.

      > Heißt das, man könnte aus der Menge der Feminismen irgendwelche finden, die man auch als Mann kritisieren kann,

      soweit sehe ich da kein Problem 😉

      > [ohne] rechtsradikal, ein Verlierer oder ein Jammerlappen zu sein?

      Nein. Willkommen im Verein der jammernden rechtsradikalen Loser. (Eigentlich: Die Frage nach dem “sein” ist falsch. Nur weil man etwas zugeschrieben bekommt, ist man es noch nicht. Vor allem nicht, wenn es einem von geistig verwirrten zugeschrieben wird. Zugeschrieben wird es einem aber sicher; so mangels Argumenten, die der verwirrten Gruppe aufgrund ihrer Ablehnung von Sinn und Logik fehlen).

      > Ein spannender Punkt, der viel häufiger diskutiert werden sollte!

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