Geschlechtergerechtigkeit ist, wenn der Mann nicht gefragt wird; Beispiel #423: Die taz

Ein Artikel über arme, alleinerziehende Mütter.

Albrecht und ihr Mann haben die Trennung besprochen. Richtig glatt allerdings läuft es mit dem gemeinsamen Sorgerecht und der Kinderaufteilung nicht.

Wieso nicht? Was ist das Problem? Wird nicht recht erklärt.

Als die Hamburgerin mit Mitte zwanzig feststellte, dass sie schwanger war, studierte sie gerade in Berlin Germanistik und Soziologie.

Verhütung? Was ist das denn? Karriereplanung? Wieso? Was soll das heißen, es gibt bereits viel mehr Soziologen als sinnvoll? Und Germanismus hat doch bestimmt ganz tolle Berufsaussichten, oder?

Albrecht muss immer noch lachen, wenn sie daran denkt, wie naiv sie war. Wie naiv sie geglaubt hat, dass ein Kind einfach ins Leben und in die Karriereplanung eingefügt werden kann.

Feminism hurts women, too.

Nach dem Studium will Albrecht endlich Vollzeit arbeiten. Sie will eine größere Wohnung und ein zweites Kind. Zielbewusst setzt sie die Pläne in die Tat um.

Ich frage mich, was der Mann wollte. Er wurde im Leben vermutlich genauso viel gefragt wie in diesem Artikel.

“Plötzlich waren wir in dem ganz gewöhnlichen Albtraum aus Lügen, Verrat, Wut und Streit verstrickt, und es gab kein Zurück.” Mehr möchte Jana Albrecht nicht sagen.

Was auch immer das heißt.

Bis vor kurzem habe sie sich um Geld keine Sorgen gemacht. Sie hat sich darauf verlassen, dass die eheliche Absprachen, die sie mit dem Vater ihrer Kinder hatte, auch langfristig etwas wert ist (sic).

Welche Absprachen? Welche Ehe? Egal. Väter sind irgendwie Schweine.

Albrecht und ihren Freundinnen jedoch wurde die eigene Fallhöhe durch die Trennung erst bewusst.

Merke: Frauen ist es grundsätzlich nicht gegeben, Konsequenzen ihres Tuns abzuschätzen und zu berücksichtigen.

Was man nicht sieht: “Dass es den Vätern schnell zu viel ist, wenn die Kinder kompliziert werden.”

Wie sicher kann ich mir sein, dass es nicht die Mutter ist, die hier zu kompliziert wurde? Da die Männer sicherheitshalber nicht gefragt werden, kann ich mir nicht sicher sein.

“Wie konnten wir uns nur selbst so täuschen”, sagt sie und reicht Winterfeld auch das Feuerzeug. Diese findet noch stärkere Worte fürs persönliche Dilemma: “In Watte gebettete Weicheier sind wir, dass wir das nicht bedacht haben.”

Das klingt nach Selbsterkenntnis. Wird aber, wenn man den Rest des Artikels sieht, nicht weit tragen. Die “erkannte” Selbsttäuschung beschränkt sich sicherlich auf den empörenden Umstand, dass ein Mann nicht eine Familie versorgen mag, an der er keinen Teil mehr hat. Das hätte man in der Tat vorher wissen können. Und noch ganz viel mehr auch. Wenn man nicht nur Emma und Cosmo gelesen hätte.

So bleibt es aber dabei: Die Schuld trägt ausschließlich der Mann: “Wenn der Mann, mit dem ich drei Kinder habe, es nicht für nötig hält, eine Ehe und somit eine Familie aufrechtzuerhalten, wieso sollte ich das von einem anderen Mann erwarten können?”

Und das ist der Grund, warum ich so wenig Mitleid bei diesen Jammer-Artikeln entwickle.

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7 thoughts on “Geschlechtergerechtigkeit ist, wenn der Mann nicht gefragt wird; Beispiel #423: Die taz

  1. Ich hab den Artikel eben gelesen und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
    “Seit ihrer Trennung hat sie weder die Zeit, noch das Geld, entspannt in einem der vielen Cafés zu sitzen.”
    Hm. Ich muss was falsch machen, denn ich habe weder Zeit, noch Geld um entspannt in einem der vielen Cafés zu sitzen, dabei bin ich in einer Beziehung und wir sind sogar beide berufstätig. Oh, Fehler gefunden, ich wohne ja nicht in Prenzlauer Berg…
    “Die aber, die in die frei werdenden 100 bis 200 Quadratmeter großen Wohnungen einziehen, so beobachtet es das Jugendamt, sind eben jene, die man schon immer im Prenzlauer Berg gesehen hat: […]”
    Hier fällt mir gerade überhaupt nichts mehr dazu ein. Sozialer Abstieg ist bitter, aber aus einer 100 bis 200 qm-Wohnung ausziehen zu müssen, bei aller Liebe, DAS ist wirklich Jammern auf hohem Niveau.

  2. Au weia, ich habe mir da mal ~15 Kommentare durchgelesen… Mitleid hat da niemand mehr. Hat sich bestimmte wieder eine dieser wütenden, bösen, alten, weißen, heterosexuellen Männerhorden zusammengerauft um das Meinungsbild zu manipulieren. XD

  3. Der Artikel ist aus dem Jahr 2010. Seitdem ist bestimmt für Frauen alles noch viel grausamer geworden… Die Mieten sind noch mehr gestiegen, die Männer noch unverantwortlicher geworden… Alles wird immer gemeiner für die arme Frau…

    Als alleinerziehender Vater denke ich gerade über eine Geschlechtsumwandlung nach, damit ich auch in die Opferkultur falle und endlich mal Mitleid durch die taz bekomme. 😀

  4. Aus dem Artikel: “Funktioniert es nicht so, wie die Gerichte sich das vorstellen, ist die Finanzierung der alleinerziehenden Mütter unklar. Es sei denn, es gibt einen Ehevertrag. Jana Albrecht und Simone Winterfeld schütteln dazu nur bedauernd den Kopf.”

    Das darf man nicht falsch verstehen: Die meinen damit einen Ehevertrag, der der Frau im Falle einer Trennung nie endenden Geldsegen verspricht, weil das aktuelle Unterhaltsrecht nicht eh schon exzessiv genug ist. Na, Männer, die sowas supergerne unterschreiben würden, wo seid ihr?

    Ich denke, dass der Satz “Frauen ist es grundsätzlich nicht gegeben, Konsequenzen ihres Tuns abzuschätzen und zu berücksichtigen” recht gut auf den Punkt bringt, worüber die Autorin auch nicht nachgedacht hat.

    Fällt übrigens noch jemandem auf, dass “starke” Frauen, wenn sie literarisch beschrieben werden, nur zwei Emotionen kennen: Trauer und Wut? Ich habe ja – genau wie der böse Mann in dem Artikel, der “Rockstar werden will”, einen “geradezu zwanghaften Drang nach Selbstverwirklichung” und habe beschlossen, Schriftsteller zu werden. Nun sind (leider) alle aktuellen Bestseller Teenager-ChickLit, was schwer zu lesen ist, aber wenn ihr mal Zeit habt und mir nicht glaubt: Katniss Everdeen läuft durch drei ganze Bücher, ohne einmal nachzudenken und ist ständig traurig oder wütend (was sich natürlich vermeiden ließe, wenn sie mal nachdächte). Tris Prior macht drei andere Bücher lang genau das Gleiche. Das erinnert unweigerlich an Jack Nicholson in “As good as it gets”:

    (Fan): How do you write women so well?
    (Er): I think of a man. And I take away reason and accountability.

    Ich dachte früher, das wäre lustig. Aber es funktioniert in der Praxis. Und das kann ich nicht – also, ein Buch mit einem unzurechnungsfähigen Volldeppen als Hauptcharakter schreiben. Aber es hat zu einer Kurzgeschichte gereicht, die ich Euch jetzt auch nicht vorenthalten will:

    Tara war traurig. Oder wütend. Vielleicht war sie auch traurig und wütend, da war sie sich nicht sicher. Sie wusste aber ganz genau, dass sie eine Emotion hatte; sie konnte nur nicht einordnen, ob sie traurig oder wütend war. Das machte sie noch wütender. Oder trauriger. Oder beides.
    Peter sah Tara mit großen Augen an, sagte aber nichts. Er verstand nicht, warum sie so reagierte. Er ging vorsichtig einen Schritt auf sie zu, aber sie fuhr ihn harsch an: „Mörder“. Irritiert blieb Peter auf der Stelle stehen. „Mörder“, wiederholte Tara.
    Peter sah sie vorsichtig aus seinen tiefen, braunen Augen an, ohne zu blinzeln.
    Tara fühlte sich plötzlich schlecht, weil sie so wütend war, und versuchte, die Wut abzustellen. Abwechselnd sah sie Peter und die Leiche neben ihm an. Die Leiche machte sie traurig. Sie atmete einmal tief durch, versuchte, sich zusammenzureißen. „Mörder“, wiederholte sie, aber das Wort blieb ihr im Hals stecken. Verdammt, dachte sie, wieso konnte er damit nicht aufhören? Sie sah Peter in die Augen, und tief in ihrem Inneren spürte sie die Wärme, die ihre Liebe und Zuneigung für Peter ausstrahlte. Warum musste er nur immer… Die Trauer gewann Überhand gegen die Wut. Eine Träne kam aus ihrem Auge.
    Peter merkte, dass etwas mit Tara nicht stimmte.
    Vorsichtig fragte er: „Miau?“

    Wenn man die Geschichte einer Frau vorliest, wird sie davon übrigens traurig. Oder wütend.

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