Bin ich jetzt Nazi, weil…?

Bei EMN herrscht in den Kommentaren heut ein wenig Unklarheit darüber, ob sie mit ihrem aktuellen Comic ausdrücken will, dass nach den einleitenden Wörtern “Ich bin ja kein Nazi, aber…” oder “Ich bin ja kein Rassist, aber…” grundsätzlich ein Rassisten- oder Nazi-Gedankengut folgt. (Ohne diese Annahme ergibt der Strip in meinen Augen keinerlei Sinn, emannzer ist etwas wohlwollender dabei.)

Nach dieser Vorgeschichte fühle ich mich ob meiner Reaktion auf diesen Artikel ziemlich doll als Nazi. Die da beschriebene Situation finde ich nämlich ganz schön problematisch.

Swedish police have ceded control over 55 “no-go zones” to predominately Muslim criminal gangs.

Ich schau mich besser schon mal um, wo es Springerstiefel zu kaufen gibt. Finde ich zwar eigentlich doof, aber wenn das nun mal die mir zugewiesene Rolle ist… 😦

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9 thoughts on “Bin ich jetzt Nazi, weil…?

  1. Manchmal ist dieses “Ich bin ja kein Nazi, aber…” auch einfach nur der “politischen Korrektheit” geschuldet, dass man viele Dinge einfach nicht kritisieren darf und direkt als Nazi beschimpft wird.

    Ich kann mich z. B. noch daran erinnern, wie ich vor Monaten als ich als einer der ersten die Bildungspläne kritisiert habe, als homophob beschimpft worden bin. Da kommt man dann irgendwann auf die Idee zu sagen: “Ich habe ja nichts gegen Homosexuelle, aber die Bildungspläne gehen zu weit…”
    Ich kann mir vorstellen, dass auch viele Leute ihre Aussagen so einleiten, weil sie schon vorab einen Shitstorm befürchten.

    Aber klar:
    Manche sind einfach nur Nazis und hauen mit dem Einstiegssatz ihre Parolen heraus und wissen, dass ihre Meinung eindeutig rechts ist. Bei Facebook habe ich die letzten Tage festgestellt, dass es viele Menschen mit Meinungen gibt, bei denen der Sprung über die letzte Hürde zum eindeutig Rechten nicht mehr sehr weit und hoch ist. Das ändert allerdings nichts daran, dass mit Nazi- und Homophobie-Vorwürfen auch völlig übertrieben wird.

    Gerade Feministen arbeiten damit. So werden gesunde Diskussionen von Anfang an verhindert.

    • “Das ändert allerdings nichts daran, dass mit Nazi- und Homophobie-Vorwürfen auch völlig übertrieben wird.”

      Absolut. Ich halte von solchen Keulen auch nicht viel.

  2. Ich weiß nicht, diese Reaktion ist irgendwie hilflos.

    Man wird der Sache nicht Herr, wenn man sich da von den Emotionen leiten lässt. Hier hilft nur Information. Es gibt nun einmal Grautöne. Zu denen gehört es, Probleme zu erkennen, ohne sie dann wie Sarrazin zu verkürzen und zu pauschalisieren. Das geht durchaus, nur in Medien und Politik klappt das nicht, weil es dort auf knallige O-Töne ankommt. Im Internet ist das auch schwierig, weil eine große Zahl an Kommentaren letztlich auch nur emotional agiert. Nicht wenige sind da letztlich auch Propagandisten einer bestimmten Politik. Genau das muss man eben auseinanderhalten. Nicht wenige instrumentalisieren jedes Problem, dass mit Migranten, insbesondere Muslimen zu tun hat. Dann wird skandalisiert auf Teufel komm raus. Genau davor muss man sich hüten, diesen Leuten auf den Leim zu gehen. Und das ist gerne mal die Fraktion des “Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen…”. Wie gesagt, diese Distanzierung hindert einen nicht daran, Probleme anzusprechen. Aber wenn man zu diesem Thema etwas sagt, muss man eben auch damit rechnen, dass es hochgradig politisiert ist und dass es ein Kampffeld von Interessengruppen ist.

    Hier würde es nur helfen, sich zu vergegenwärtigen, wer von den Beteiligten welche Interessen verfolgt. Zweitens hilft es, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen. Drittens sollte man nie vergessen, dass das Problem nicht ist, dass es muslimische Jugendgangs gibt, sondern der pauschale Schluss auf die gesamte Gruppe der Muslime. DORT beginnt der große Unsinn. Man ist kein Nazi, wenn man feststellt, dass es gewisse Probleme gibt. Man ist aber schon – sagen wir mal- ein Propagandist, wenn man diese Probleme so sehr verallgemeinert, dass man einer ganzen Bevölkerungsgruppe eine Kollektivschuld zuschreibt. Solche Leute gibt es leider, die das tun.

    • “Drittens sollte man nie vergessen, dass das Problem nicht ist, dass es muslimische Jugendgangs gibt, ”

      Ich vermute, für die Schweden, die in einer der No-Go Zonen leben, ist es doch das größte Problem, dass es diese Gangs gibt. Das zweitgrößte Problem für diese Menschen ist dann wohl, dass das Problem nicht thematisiert werden darf, weil man sonst ja schnell auf alle Muslime verallgemeinert oder so.

      Es ist mir klar, dass nicht Du dieses Thematisierungsverbot befürwortest. Aber die Rot-Grünen von Kreuzberg, die gerade ihren Bezirk in die Scheiße geritten haben, sind von der Sorte.

      • Du hast mich missverstanden. Muslimische Jugendgangs sind natürlich ein Problem.

        Ich meinte das “Nazi”-Problem. Man hat noch kein Nazi-Problem, wenn man auf Jugendgangs hinweist. Man hat erst ein “Nazi”-Problem, wenn man pauschalisiert. Das ist alles andere als ein Thematisierungsverbot. Du bist also kein “Nazi”, wenn Du über diese Gangs redest.

      • “Es ist natürlich oft so, dass nach solchen Einleitungen dann doch genau der Mist kommt, der erst abgestritten wird. Ich denke es ist da ein Versuch der “Tarnung”. ”

        Das kommt in der Tat oft vor.
        Genauso oft will da einer aber bloß einen falschen Verdacht vermeiden. Man muss halt bei jedem einzelnen Gesprächspartner genau hinschauen. Nicht kritisch, als Kontrolleur, sondern als Gegenüber, der sich der Individualität seiner Mitmenschen bewusst ist.

  3. Es ist natürlich oft so, dass nach solchen Einleitungen dann doch genau der Mist kommt, der erst abgestritten wird. Ich denke es ist da ein Versuch der “Tarnung”.

    Dass aber so viele Andere, ich möchte fast sagen, fast Alle, die irgend etwas kritisches äußern, diesen Disclaimer voranstellen, finde ich sehr schade. Ich weiß auch nicht, was das soll. Vielleicht ein schlechtes Gewissen, weil etwas politisch inkorrektes oder grenzwertiges folgt. Oder eventuell das nicht-wissen darüber, ob man das so überhaupt sagen darf oder die Allgemeinheit solch eine Phrase längst als Nazijargon abgestempelt hat.

    Ich persönlich nutze sowas eigentlich nie, alleine schon, weil der/die Zuhörer dann umso genauer drauf achten, ob da nicht verächtliches Gedankengut in der Aussage steckt, als über das eigentliche Thema inhaltlich zu diskutieren. Wenn es grenzwertig wird, spreche ich gerne über “Meine Meinung zum Thema XY”, was zwar auch ein leichtes rumgeeiere ist, aber immerhin der Tatsache entspricht und nicht so doof klingt. Zudem schützt es vor der ein oder anderen Anzeige wegen Beleidigung 🙂

  4. Pingback: Gibt es ein Recht auf „Nicht Wissen Wollen“? | Meinungen und Deinungen

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