Schade, Boris Johnson misses the point

Dr Matt Taylor’s shirt made me cry, too – with rage at his abusers – Telegraph.

Auch wenn er ja im Kern Recht hat – es geht um eine Mischung aus Heuchelei, Hass aufs Männliche und Prüderie – ist das offizielle Argument der Social Hate Brigade gegen Taylors Hemd, dass es Ausdruck für die Geisteshaltung in STEM ist, welche Frauen von den Fächern fernhält.

Das ist natürlich Unsinn. Männer meiden ja auch keine Arbeitsbereiche, in deren Büros Twilight Poster hängen.

Aber da Johnson das Argument nicht mal der Form halber aufgreift, können die feministischen Furzfontänen einfach, und zu recht, die Klappe zu machen.

Johnson redet also nur zu den anderen, die auch die Schnauze voll haben. Und das ist doch auch schon mal was.
Schade, dass er in seinem Land sozusagen eine inverse Claudia Roth ist, eine Bunte Kuh, die auch kaum ein intelligenter Mensch so recht ernst nimmt.

via Schade, Boris Johnson misses the point.

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12 thoughts on “Schade, Boris Johnson misses the point

  1. Naja, von gestandenen Konservativen zu erwarten, dass sie den Punkt wirklich treffen, wäre auch zuviel verlangt. Dessen Äußerung ist letztlich auch nur die Nutzung einer willkommenen Gelegenheit zur Abrechnung mit 68 und dem, was damit assoziiert wird. Das hilft nicht wirklich weiter.

    Ich finde dagegen diejenigen Äußerungen von Leuten gut, die hinterfragen, ob Frauen sich wirklich für Naturwissenschaften interessieren würden, wenn sie sich von Äußerlichkeiten abhalten lassen.

    Zunächst einmal finde ich, dass die Meute hier den Bogen komplett überspannt hat. Der Schuss dürfte insgesamt nach hinten losgehen, da die Leistung von Taylor und Co. einfach zu epochal ist.

    Allerdings stelle ich mir die Frage, wie es angehen kann, dass der arme Kerl sich unter Tränen entschuldigen muss. Wer hat da Druck ausgeübt? Der Mob im Internet ist das Eine, aber das Andere sind diejenigen, die in der ESA etwa Verantwortung tragen und hier vermutlich auf eine Entschuldigung bestanden haben. Zumindest ist das denkbar. Ich meine, die ESA hätte hier eher mal ihrem Mitarbeiter zur Seite springen müssen.

    Fraglich ist also weniger der Mob, sondern die Bedingungen seines Erfolges.

    • “Allerdings stelle ich mir die Frage, wie es angehen kann, dass der arme Kerl sich unter Tränen entschuldigen muss. ”

      Der gleiche Grund, weshalb die NYT sich dafür entschuldigt, “feminism” gegen “bossy” antreten zu lassen, welches Wort verbannt werden soll. Weicheierige PR-Bedenkenträger ohne eigene Meinung.

      “Ich meine, die ESA hätte hier eher mal ihrem Mitarbeiter zur Seite springen müssen.”
      Das war auch eine meiner “Ach, wär das schön gewesen…”: Dass ein Sprecher der ESA vor die Kamera tritt und die Leistungen von Matt Taylor denen von Chris Plante und Arielle Duhaime-Ross (The Verge) gegenüber stellt. Nicht allgemein “Twitter” anklagen, sondern konkret die beiden. Accountability…

      • Was heißt “Accountability”? Rein informativ, denn ich kenne nur das Wort, nicht seine Bedeutung.

        Doch zurück zum Thema: Ja, das wäre schön gewesen. Es ist ein Problem, dass dies nur ein Wunschtraum ist. Da stimmt was nicht.

        Es ist doch sonderbar, dass man die dahinterliegenden Vorstellungen nicht zurückweisen kann. Die Feministinnen können ihren shirtstorm ja nur deshalb plausibel finden, weil sie vom umfassenden Patriarchat ausgehen, dass an jedem Ort der Gesellschaft Frauen dominiert und ausgrenzt. Vor diesem Hintergrund kann man erst verstehen, warum sie das Shirt als Skandal beschreiben oder warum ein Blick schon sexualisierte Gewalt sein soll. Der “Shirtstorm” ist somit nur ein Symptom. Aus feministischer Sicht wirkt es nämlich vollkommen schlüssig, in dem Shirt den Ausdruck patriarchaler Herrschaft zu sehen.

        Wir sehen nur ein Hemd. Deshalb erscheint uns die Aufregung unsinnig. Und deshalb glauben wir, dass wir klar machen müssen, dass das Hemd weniger wichtig ist als die Leistung.

        Aber das ist nicht der Punkt. Argumentieren muss man gegen das Konstrukt eines allumfassenden Patriarchats. Durch diesen Glauben entsteht all der Blödsinn.

      • “accountability” wird von LEO so übersetzt:
        Substantive
        accountability die Haftung Pl.: die Haftungen
        accountability die Verantwortung – für getroffene Maßnahmen
        accountability der Haftungsumfang Pl.: die Haftungsumfänge
        accountability die Rechenschaft kein Pl.
        accountability die Rechenschaftspflicht
        accountability Übernahme von Verantwortung
        accountability die Verantwortlichkeit kein Pl.
        accountability die Zurechnungsfähigkeit
        accountability [law] die Strafmündigkeit kein Pl.
        accountability [law] die Zurechenbarkeit kein Pl.
        accountability at law gesetzliche Haftpflicht
        ECB accountability [finan.] die EZB-Rechenschaftspflicht
        accountability for actions die Verantwortlichkeit kein Pl.
        accountability in management die Leitungsverantwortung Pl.: die Leitungsverantwortungen
        accountability in management Rechenschaftspflicht der Leitung
        area of accountability der Geschäftsbereich
        area of accountability der Verantwortungsbereich

        Also grob gesagt: “Das Konzept, dass jemand gerade steht für den Scheiß, den er verzapft.”

        Bei Wörtern aus fremden Sprachen kann man besser glauben, dass sie genau das auszusagen, was man gerade sagen will, wenn man merkt, dass alle deutschen Wörter irgendwie nicht genau richtig sind.

        Das ist derzeit Modewort, weil der Feminismus ja strikt dagegen ist, dass eine Frau für irgendwas zur Rechenschaft gezogen wird.

        Über den Zusammenhang von Patriarchat und dem hier stattfindenden Einspringen der SJWs für anonyme Damsels in Distress (die durch das Phänomen, dass Männer hübsche Frauen sehen mögen komplett verunsichert werden) mus sich noch mal in Ruhe nachdenken.

    • “ob Frauen sich wirklich für Naturwissenschaften interessieren würden, wenn sie sich von Äußerlichkeiten abhalten lassen.”

      #shirtgate hat doch leidlich das Vorurteil bestätigt, dass Frauen sich mehr für Mode als für Wissenschaft interessieren 😀

      • Genau. Das ist ja einer der aktuellen Anti-Spins gegen shirtgate.
        Aber das ist letztlich nur ein spin, muss man auch sagen.

        Ich würde viel lieber fragen: Was zum Geier hält eine Frau an so einem T-Shirt nicht aus? Und was macht die Arme eigentlich in einer Stadt wie Berlin, wo man in Bus und Bahn tausendfach Angriffe auf den guten Geschmack erleiden muss?

        Zweitens und das mal ein bisschen ernster: Können mir diese Feministinnen mal zeigen, wo in unseren Unis Dozenten mit solchen Hemden herumlaufen? Hängen in den Seminarräumen lauter Pin-ups? Erzählen die Profs alle Altherrenwitze? Und was macht der Gleichstellungsapparat derweil?

      • “Keine Ahnung. Prüde und untervögelt?”

        Denkbar.
        Nun ja: Sie halten eine Geburt aus unter heftigsten Schmerzen, aber an einem Hemd gehen sie kaputt? Wo ist da die Sollbruchstelle? Sind solche empfindlichen Wesen dann wirklich die besseren Manager? Wenn ein pin-up sie schon traumatisiert und ebenso ein “hallo” auf der Straße, wie gehen sie dann mit einem Shitstorm auf der Aktionärsversammlung um?

      • Solche Frauen taugen zu überhaupt gar nichts. Es sind Zimtzicken, Brotziegen, dumme Gänse. Und das Problem ist: Niemand sagt ihnen mehr, dass sie genau das sind.

      • “Solche Frauen taugen zu überhaupt gar nichts. Es sind Zimtzicken, Brotziegen, dumme Gänse. Und das Problem ist: Niemand sagt ihnen mehr, dass sie genau das sind.”

        Ja, dummerweise. In unserem gloriosen Patriarchat hätte es doch möglich sein sollen, solche Tanten einfach zu unterdrücken. Aber nix da. Das Patriarchat muss mal debugged werden. ^^

        Aber wie gesagt, das Problem ist eben die Annahme, männliche Herrschaft sei universell und durchdringe jede kleinste Alltagshandlung. Und zweitens, dass diejenigen, die daran nicht glauben, diesen Käse nicht einfach mal zurückweisen.

  2. Danke für die Erklärung.

    “Das ist derzeit Modewort, weil der Feminismus ja strikt dagegen ist, dass eine Frau für irgendwas zur Rechenschaft gezogen wird.”

    Verantwortung von Frauen ist offenbar in feministischer Lesart eine Kontradiktion. ^^

    Der Zusammenhang von Patriarchat und der ganzen Netztrollerei ist hier gut nachvollziehbar, auch wenn der Zusammenhang hier eigentlich “Definitionsmacht” war. Aber diese Seite zur DefMa bringt im Grunde eine Kurzzusammenfassung des feministischen Weltbildes, laut dem alle Frauen heftigst von allen Männern unterdrückt werden, siehe hier:

    “In der gegenwärtigen Gesellschaft kommt der Kategorie Geschlecht eine zentrale Funktion als Ordnungskriterium und Orientierungsmuster in Vergesellschaftungsprozessen zu. Die patriarchale Geschlechterordnung ist dabei fundamental von Machtstrukturen durchdrungen, in der das Männliche die dominante Position einnimmt. Mit der Naturalisierung und Normalisierung dieser Hierarchisierung der Differenz wird die Ungleichheit in die Körper eingeschrieben. Die dichotome Unterschiedlichkeit der Geschlechter mit der damit einher gehenden Zwangsheterosexualität erscheint damit als natürliche, unveränderliche Tatsache, die kaum mehr hinterfragt werden kann.

    Hegemoniale Männlichkeit ist eng mit Vorstellungen von Stärke, Macht und Aggressionen verknüpft und die Demonstration von Gewaltbereitschaft gehört zum herrschenden Selbstverständnis. Männlichkeit wird über die Abwertung des Weiblichen konstituiert und wird in alltäglichen Praxen der Unterwerfung reproduziert. Die Dominanz wird dabei vor allem über sexuelle Potenz vermittelt, es kommt so zu einer Koppelung von Sexualität und Gewalt. In patriarchalen Gesellschaften ist Sexualität mit der Macht von Männern verbunden, ein Recht auf deren Ausübung zu postulieren. In sexistischen Vorstellungen werden Frauen zu Objekten gemacht, in denen sich Minderwertigkeit mit Passivität und sexuelle Verfügbarkeit vermeintlich vereinen. Mit der Sexualisierung von Gewalt werden dabei erst die Voraussetzungen produziert, um einen Penis als Waffe benutzen.
    Sexuelle Gewalt ist konstitutiver Kern und strukturelles Merkmal der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, über die Menschen erst zu Männern und Frauen gemacht werden. Sexuelle Gewalt findet alltäglich und in den verschiedensten Formen statt. Es ist eine gesellschaftlich verankerte Praxis, in der männliche Macht immer wieder erzeugt wird und Frauen in einem Zustand der Angst und Minderwertigkeit gehalten werden sollen.”

    http://asbb.blogsport.de/2008/03/23/when-my-anger-starts-to-cry

    Daraus lässt sich alles ableiten: Ein Hemd mit halbnackten Frauen macht Frauen zu Objekten. Und das wiederum ist eine Strategie, um Frauen niederzuhalten. usw.

    Was man wirklich angreifen muss, ist also die Idee der männlichen Herrschaft. Man solle mir bitte nachweisen, dass so ein Hemd Frauen davon abhält, sich für Physik zu interessieren. Man solle mir überdies nachweisen, dass es dieses umfassende Unterdrückungssystem gibt.

  3. Pingback: Warum ich diese drei Skandale bemerkenswert finde, Teil 3 | Geschlechterallerlei

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