Warum manche Männer feministischen Unsinn mitmachen, eine Vermutung

Prolog:
Der nachdenkliche Mann denkt über Sprache nach und dadurch fiel mir ein, dass Danisch neulich auf einen Artikel von belleslettres verlinkt hat (von denen ich schon den Beleg habe, dass Eskimos doch viele Wörter für Schnee haben, was in letzter Zeit ja oft als urban myth diskreditiert wurde), der sich mit den sprachlichen Grundlagen der Genera im Deutschen auseinandersetzt.


Exkurs oder tl;dr:
Im Indogermanischen gab es ursprünglich einen Genus für das Subjekt, den Handelnden, die s-Form, die es im Lateinischen und Griechischen auch noch genau so gab: “amicu·s”, “philo·s”. Die s-Form entwickelt sich so, dass letztlich alles, was nicht ausdrücklich Neutrum ist, diese Form bekommt.

Neben der s-Form gab es die m-Form für Dinge, die nicht als Subjekt auf ein Objekt einwirken sowie die Dinge oder Abstrakta, die sich aus einem Verb ergeben: das Leid, das Rad (aus ‘ret’, ~ ‘sich drehen’).

Der Artikel bei bellesletres führt auch für Laien recht gut nachvollziehbar aus, wie die s-Form und die m-Form die ursprünglichen Genera sind.

Wie man sieht, hat das überhaupt nichts mit Geschlecht zu tun. Das Weibliche taucht hier noch überhaupt nicht auf.

Die Plausibilität von s und m sieht man daran, wie wir englische Wörter im Deutschen verwenden. Wörter, die aus Handlungen herkommen, werden neutrum: das Tuning, das Must-Have, das Jogging. Andere werden ‘maskulinum’: der Code, der Thread.

Die a-Form, die heute der ‘weibliche’ Genus ist, entwickelt sich (wenn ich das richtig verstanden habe) aus dem Plural. Die Zusammenfassung einzelner Dinge führt zur Bildung komplexer Abstraktionen, die in der a-Form bleiben.
Daher sind viele komplexe Abstrakta – die Liebe, die Demokratie, die Abstraktion – auch nach wie vor in dieser Form zu finden.

Für eine genauere Darstellung verweise ich auf den Artikel dort.

Es folgen noch sehr interessante Betrachtungen. Zum Beispiel, dass in Island – welches in der Geschlechterverteilung in öffentlichen Ämtern wesentlich ‘gleicher’ ist als Deutschland – überhaupt kein Gendersprech vorhanden ist.
Ein Zitat, wörtlich übersetzt:

Der Präsident des Allthings leitet die Ver­samm­lung des All­things der Isländer. Ásta Ragn­hei­ður Jóhannes­dóttir [eine Frau] ist der der­zei­tige Vor­sit­zende des All­things. Sie ist Thing­mann [Ab­geordne­ter] der Könföderierten.

Es ist – nicht empirisch nachweisbarer – Unsinn, dass es Gendersprech brauchte, um Gleichstellung herzustellen.

Der unwissenschaftliche Quatsch von Gendersprech wird u.a. an der StVO auseinandergenommen, indem beispielsweise der grundlegende (also nicht wegzumachende) Unterschied zwischen “zu Fuß Gehender” und “Fußgänger” demonstriert wird, oder indem klar wird, dass Gender alles andere als konsequent ist, spätestens, wenn’s in den Plural geht, wo von “Polizeibeamten” die Rede ist, eine grammatische Form, in der die “Polizeibeamtin” nicht vorkommt.

Wie auch immer: Ein halbes Stündchen informative Lektüre, die ich jedem Neugierigen empfehle.


Am Ende: der Klopfer
Nachdem nun mit sechseinhalbtausend Wörtern ausführlich die Scharlatanerie von Genderei dargestellt wurde, endet der Artikel mit diesem Absatz:

Die Frauenquote ist das einzige Mittel, das Warten abzukürzen. Es ist poli­tisch und für ein Ge­sell­schafts­ziel legitim. Es kann nicht von Minister­männ­chen miss­braucht wer­den. Es raubt der Spra­che ihre An­pas­sungs­fähig­keit nicht, son­dern passt unserer Groß­gesell­schaft an die Lebens­bedin­gun­gen an. Es ver­fälscht nicht, son­dern rückt gerade. Es ist nicht ungerecht, sondern nur vor­über­gehend un­günstig für den Mann.


Daraus: Die Vermutung
Männer sind Fachidioten. Ihr eigenes Fach verteidigen sie mit Klauen und Zähnen und – dem akademischen Pendant – wortreichen Artikeln.
Wer sich aber auf Sprache konzentriert hat, der hat kein Problem mit Aktionen, die biologisch, politisch und psychologisch unter aller Sau sind.

Und so findet jeder Scheiß, der biologische Grundmuster anzapft (“Frauen helfen!!”), bei irgendjemandem Unterstützung, so dass schnell eine Mehrheit zusammen kommt.

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7 thoughts on “Warum manche Männer feministischen Unsinn mitmachen, eine Vermutung

  1. Es ist verblüffend. Ich habe die letzte Zeit einige “Maskus” darauf aufmerksam gemacht, dass sie ebenfalls schon gendern. (Es ist mir an mir selbst auch aufgefallen!) Die Reaktionen gingen tlw. ins Aggressive und es wurde feministisch argumentiert.

    “Wenn ich von weiblichen Feministinnen spreche, das tue ich das halt als Feministin!”

  2. Ja, das war mir bei dem Artikel auch aufgefallen. Sehr schönes Auseinandernehmen der sprachlichen Genderei, aber alle ähnlich dämlichen Argumente der Gleichstellungsmafia unkritisch einfach übernommen.

  3. 99.9 % stringente Argumentation können durch 0.1 % geistige Bankrotterklärung zunichtegemacht werden. Ein weiterer Beweis dafür, dass Intelligenz nicht vor Dummheit schützt.

  4. Der Plural von Genus lautet nicht Geni sondern Genera, das Wort folgt im lateinischen und der eingedeutschten Wortbeugung nicht dem bekannten -us -i Schema.

    Was Scholtens Meinung zur Frauenquote angeht muss man ihm das denke ich nachsehen. Als Wissenschaftler beschäftigt er sich maßgeblich mit Völkern und Gesellschaften, die ja tatsächlich über hohe Frauenanteile im öffentlichen Leben verfügen. Ich finde das durchaus bemerkenswert: ein größeres gesellschaftliches Rumoren deswegen ist mir aus Island z.b. nicht bekannt. Kein Wunder dass er da noch falschen Prämissen darüber anhängt, was “gut” für die Gesellschaft ist.

    • “Der Plural von Genus lautet nicht Geni sondern Genera,”

      Ich dachte beim Schreiben die ganze Zeit: “Das hört sich falsch an”, hatte aber nicht die geringste Lust, das so spät am Tag noch nachzuschlagen 😉
      Danke also für die Korrektur.

      “Was Scholtens Meinung zur Frauenquote angeht muss man ihm das denke ich nachsehen. ”
      Im Sinne von “…kann man da Verständnis für haben.” … Ja, kein Problem. Im Sinne von “…kann man das gut heißen.” … Nein, auf keinen Fall. Frauenquote in Deutschland ist falsch aus jeder Perspektive, die ich vernünftig finden kann.

      Der Hintergrund ist wohl, dass seine Sekretärin anscheinend isländisch ist (http://www.belleslettres.eu/blog/stefanowitsch-schnee-eskimo.php) und das seine Perspektive auf eine Gesellschaft mit gleichmäßiger Ämterverteilung prägt.

      Dass Island quasi unerschöpfliche Energie-Ressourcen hat und damit für diese Gesellschaft ganz andere Spielregeln gelten als für eine Gesellschaft, deren Haupt-Ressource Ehrgeiz und Knowhow ist, gehört zu dem, was ich oben damit meinte, dass Fachidioten halt nur schwer über ihren Tellerrand kucken können.

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