Das Problem mit dem Feminismus aus Sicht der Zeit

Genderama verlinkt auf einen Artikel in der Zeit, der schon im zweiten Absatz so viel Pulver verschießt, dass ich noch gar nicht weitergelesen habe. Kann eigentlich nichts mehr kommen.

Der Absatz:

Heute tobt die Schlussstrichdebatte Feminismus. […] Die Argumentation wieder faszinierend: Feminismus gibt es inzwischen doch schon so lange, das nervt, Frauen nerven ja immer, und die Frauen wollen offenbar tatsächlich, dass wir Männer unser Verhalten ändern, weshalb jetzt wir die eigentlichen Opfer sind.

Da hat der Autor aber was falsch verstanden.
Die Kritik im Feminismus ist immer noch, dass Feministinnen das Verstümmeln kleiner Kinder als Initiationsritus haben, dass Feministen Rufmord straffrei haben wollen, wenn eine Frau das Opfer (also diejenige, die ihn begeht) ist, und dass sämtliche Banküberfälle in Deutschland zwischen 1968 und 2014 nachweislich von Feministinnen begangen wurden, um Begegnungsstätten zu finanzieren, in denen Frauen mit Keulen mit rostigen Nägeln auf Männerpuppen einschlagen.

[Denkt: hmmm, einfach so Sachen drauflos zu behaupten, ohne sich darum zu scheren, was andere Leute wirklich sagen oder tun, macht Spaß. Ich sollte über eine Karriere als Feminist nachdenken.]

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10 thoughts on “Das Problem mit dem Feminismus aus Sicht der Zeit

  1. “Rabäääh”

    – Zitat das Zeit-Autors

    Es geht ums lächerlich machen. Christians Artikel passt heute wirklich wunderbar. ^^

    Btw.: Gibt es eigentlich irgendwelche journalistischen Regeln oder irgendetwas mit dem man journalistische Texte von einer Aneinanderreihung von emotionalen Meinungsäußerungen unterscheiden kann?

    • Grundsätzlich ja.

      Die erste und häufigste Textsorte ist die Nachricht und wird heutzutage häufig im Wortlauf von der dpa oder Reuthers übernommen und erfordert eigentlich eine streng neutrale Berichterstattung.

      Die zweite »neutrale« Form ist die Reportage/Feature. Dabei geht es um recherchierte Sachverhalte im Zusammenhang eines Ereignisses .Dem Leser soll dabei zusätzlich zu Fakten ein Bild über Eindrücke vermittelt werden. Bei der Reportage ist es deutlich schwieriger, aber nicht unmöglich, neutral zu bleiben. Bei dieser Textsorte ist es deutlich einfacher suggestiv die Meinung des Lesers zu beeinflussen.

      Die dritte häufige Textsorte ist der Kommentar bei dem der Autor normalerweise mit Bild und Name genannt wird. Unter den Kommentaren gibt es verschiedene Stile. Auch kann der Autor streng für seine eigene Meinung argumentieren ohne zwingend Gegenargumente bringen zu müssen. Emotionale Irrläufer wie der Verlinkte erzeugen zwar hohe Zugriffszahlen, sind aber nur von minderer Qualität.

      Daneben gibt es normalerweise noch Rezensionen/Kritik und Leserbriefe. Wobei Leserbriefe online heute üblicherweise als Leser-Kommentar veröffentlicht werden.

      Alles in allem kann man allerdings feststellen, dass weder Nachrichten noch Reportagen in der Regel neutral gestaltet werden. Was meiner Ansicht nach mit einer der Hauptgründe für das Sterben im Blätterwald ist.

      • Man könnte argumentieren, dass das ein korrekter abduktiver Schluss ist.

        „Die überraschende Tatsache C wird beobachtet; aber wenn A wahr wäre, würde C eine Selbstverständlichkeit sein; folglich besteht Grund zu vermuten, daß A wahr ist.“
        – Peirce: Collected Papers (CP 5.189) (http://de.wikipedia.org/wiki/Abduktion)

        Also z.B. “B1: Die Zeit ist eine anspruchsvolle Zeitung, B2: Die Redakteure achten auf sauber recherchierte und argumentierte Artikel, C: Dieser Artikel ist komplett Argument-frei. A: Es gibt keine Argumente für die Aussage, die die Zeitung treffen will, aber die Aussage ist wichtiger als die Prinzipien (B)”

        A könnte natürlich auch einfach sein.. A1: Robin Wieauchimmer ist ziemlich ignorant und ideologisch verblendet und A2: Die Chefredaktion der Zeit hat nicht mehr den Anspruch einer Qualitätskontrolle der erscheinden Artikel.

        Das Problem des abduktiven Schließens 😉

      • Der abduktive Schluss ist ja auch kein harter Schluss, der zu irgendwelchen Wahrheiten führt. Er ist ein Instrument der Entwicklung von Hypothesen, die erst getestet werden müssen.

        ” Robin Wieauchimmer ist ziemlich ignorant und ideologisch verblendet ”

        Immer diese Namensgleichheiten, meine erste Assoziation ging nicht in Richtung “Zeit” ^^

    • Überzeugt mich.

      Du Ulf Martenhauer.

      Alternder Mann.

      Lies lieber Sybille Berg.

      Und denk endlich, was die “Zeit” Dir aufgetragen hat. Oder besser: Lass die “Zeit” für Dich denken. Wir sagen Dir dann schon, was Du tun sollst.

      ^^

  2. Also wenn Du schon nach dem zweiten Absatz aufgegeben hast, hast Du auf der zweiten Seite das beste verpasst, den inzwischen schon fast üblichen Aufruf zur Stärkung der Meinungsfreiheit:

    “(…)Denn ja, wenn man so schreibt, dann hat das auch Wirkung. Wenn man öffentlich zündelt, legt auch irgendwann jemand Feuer. Und ja, man hat sehr wohl eine Vorbildrolle in hohen journalistischen Positionen. Man hat eine Verantwortung, der man gerecht werden kann oder nicht. Man hat die Wahl, Ressentiments zu bedienen oder nicht. Ja, es gibt eine Beißhemmung, die unsere Gesellschaft zusammenhält, eine sinnvolle Selbstzensur.(…)”

    • Danke für den Hinweis. Ich werde nach dem Abendessen ein wenig meditieren, um ins geistige Lot zu kommen und dann schaffe ich vielleicht auch den Rest des Artikels.
      🙂

  3. Ach so, ein Gedanke noch zu den Kommentaren:
    Die ersten Kommentare kurz nach Erscheinen äußern sich auffallend positiv zum Artikel und das gibt dann auch ganz schnell einen Haufen Leserempfehlungen, die inzwischen aber nicht mehr werden. Sieht komisch aus, wo haben die so fix die ganzen Jubelperser rangekarrt und wo sind die alle auf einmal wieder hin?
    Feierabend?
    Manipuliert ZON schon das eigene Forum?

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