Frauen und Männer im Kino 2014

Graublau verlinkt in einem Kommentar zu meinem “Warum Spiele-Helden männlich sind” Post auf diesen Artikel einer feministischen Filmkritik von Sophia McDougal.

Die Autorin klagt u.a.

It’s rare enough for a female character to get the first, and even rarer for her to get the second. Just look at the cast list of 2010’s Salt, say. Angelina Jolie plus dudes.

Nowadays the princesses all know kung fu, and yet they’re still the same princesses. They’re still love interests, still the one girl in a team of five boys, and they’re all kind of the same. They march on screen, punch someone to show how they don’t take no shit, throw around a couple of one-liners or forcibly kiss someone because getting consent is for wimps, and then with ladylike discretion they back out of the narrative’s way.

On the posters they’re posed way in the back of the shot behind the men, in the trailers they may pout or smile or kick things, but they remain silent. Their strength lets them, briefly, dominate bystanders but never dominate the plot. It’s an anodyne, a sop, a Trojan Horse – it’s there to distract and confuse you, so you forget to ask for more.

Die “Beweisbilder”:

Das letzte Bild löst in mir den selben Unwillen aus, wie die Starken Frauen™ bei der Autorin. Meines Wissens taucht Schlumpfine bei Peyo auf exakt einer Seite auf, nachdem der Große Schlumpf ein missglücktes Experiment von Gargamel, eine künstliche, aber hässliche Schlumpffrau am Ende der Geschichte hübsch gemacht hat. Danach verschwindet sie gleich wieder in der Versenkung, da Peyo feststellen musste, dass die Schlümpfe am besten funktionieren, wenn Geschlecht in der Geschichte keine Rolle spielt.
Dass sie hier noch irgendwie reingewürgt werden muss, nervt ziemlich und ist alleine Grund genug für mich, den Film nicht zu sehen.

Der Vorwurf hat mich aber auch neugierig gemacht. Wie sind denn die Frauen (und Männer) im Kino heutzutage aufgestellt, wenn man die Welt nicht durch die feministisch verzerrende Brille sieht?

Um das rauszufinden, habe ich nach “top filme 2014” geguhgelt und u.a. diese Liste gefunden. Die Top 25 sind diese:

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Wie interessant…
Ich zähle 24 Frauen (in erkennbarer Größe) und etwa 33 Männer (hier ist vage, was “erkennbare Größe” bedeutet. Zählt z.B. ein Lego-Batman?)

Ins Lächerliche gezogene, Witzfiguren oder in erster Linie inkompetente Charaktere unter den Frauen: 0
Unter den Männern: 11

Böse oder unsympatisch angelegt, Frauen: 0, Männer: 2

Frauen, die wesentlich mit Beziehung beschäftigt sind (“kommen sie zusammen oder nicht?”: 3, Männer: 2

Frauen in der Hauptrolle (also wichtiger als alle Männer): 9
Männer in der Hauptrolle (also wichtiger als alle Frauen): 15

Frauen in positiv gewichteten Identifikationsrollen (Heldin, ggf. mit dunkler Seite): 12
Männer in positiv gewichteten Identifikationsrollen (Held, ggf. mit dunkler Seite): 6

Roboter: 1
Legosteine: 1
Affen: 1
Papageien: 2 (Rio war eigentlich auch noch in der Liste, hatte ich vergessen, aufzunehmen)


Bei diesen Zählungen ist ein gehöriges Maß Willkür enthalten. Zum Beispiel, Monsieur Claude auf Platz 1: Der Film hat exakt gleich viele Männer wie Frauen in letztlich jeweils gleich wichtigen Rollen. Die Männer (vor allem die Schwiegersöhne) bekommen mehr Screentime, werden aber auch wesentlich heftiger durch den Kakao gezogen, allerdings auf eine relativ liebevolle Art. Deswegen habe ich den in allen Zählungen außer der ersten außer Acht gelassen.
Andere werden auch unterschiedlicher Meinung sein, ob die Kerle in Jump Street positive Identifikationsfiguren sind oder Witzfiguren. Nehmen wir das unter Messungenauigkeit.


Was ist mein Resümee?

Zoe Saldana hat schon wieder einen Film, in dem sie komplett ohne Charme auskommen muss. Es stellt sich die Frage, ob das Casting an ihr liegt, oder ob Starke Frauen™ wirklich nicht charmant sein dürfen.

Starke Frauen™ Filme (Hunger Games, Lucy, Maleficent?) sind anscheinend in der “Stirb Langsam” Phase. Heldinnen, die auch mal was durchmachen, sich durchboxen, als Person eher langweilig sind (Disclaimer: ich hab keinen von den dreien gesehen, nur drüber gelesen).

Die Gattung “Frauen bekommen einen Vorwand, eine Schwesterschaft zu gründen, um ein männliches Arschloch (natürlich weiß und hetero) fertig zu machen. Rache, Rache über alles.” (The Other Woman) ist auch 34 Jahre nach “Nine to Five” immer noch gern gesehen.
Gibt es in der Filmgeschichte irgendwo einen Film, der als einziges Funktionsprinzip hat, dass Zuschauer sich daran ergötzen, wie Männer Rache an einer Frau nehmen für ein relativ normales weibliches Verhalten?

Mein eigentlicher Auslöser für die Recherche war aber eigentlich, dass mir in den Beispielen des Artikels oben X-Men fehlte.
Und der bleibt die Ausnahme. Alle X-Men Filme bieten ein Ensemble von Männern und Frauen, in denen beide ziemlich gleichberechtigte und gleich wichtige Rollen haben, ohne dass die Frauen dabei unplausibel (d.h: unplausibler als die Mänenr) werden, also nur “Männer mit Titten” sind.
Dieser letzte hat noch die interessante Wendung, dass das Ende (also wie immer: Das Schicksal der Menschheit) an der moralischen Größe einer Frau hängt und der Film sehr gut klar macht, dass es absolut nicht sicher ist, wie sie sich entscheidet. Außer natürlich aufgrund der Hollywood-Happy-End-Regeln. Aber die Figur ist so angelegt, dass sie die Menschheit genausogut hätte in die Scheiße reiten können, und nur ziemliches Glück rettet die Lage.

Es ist irgendwie typisch, dass die Feministin McDougal nicht ein einziges positives Beispiel finden kann. Unterm Strich muss die Gesellschaft ja doch irgendwie gegen die Frau sein…

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