Bilderinterpretation: Lieblose Frauen

Kürzlich in Heidelberg hing ein Plakat an vielen Ecken, dessen Interpretation mich ein wenig ratlos macht:

lustig

Was ist die intendierte Aussage des Bildes?

Eine Frau an sich ist leer; sie ist höchstens liebevoll durch die Liebe, die ein Mann in sie hineinpumpt. Der alte Mann funktioniert hier nicht mehr.


Liebliche Frauen gibt es nicht, nur geliebte Frauen. Ohne Mann ist Frau krank.


Frauen sehen Männer wie Ersatzteillager: Ist einer kaputt, wird er ausgetauscht.


Oder dann doch nur: Wenn es einer Frau schlecht geht, ist sicherlich ein Mann schuld.

Was meint der geneigte Leser?

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3 thoughts on “Bilderinterpretation: Lieblose Frauen

  1. Meine Vermutung ist: Lieblosigkeit ist nicht die Diagnose, sondern die Ursache des Leidens, das Leid der Frau und ihr irrtumsfreies Wissen davon ist selbstverständlicher Teil der Welt, ist gewissermaßen unhintergehbar und wird nicht bezweifelt – eine Frau braucht keine Diagnose, sie weiß, wie es um sie bestellt ist, sie braucht Hilfe. Daher bietet ihr der Arzt die Ursache, nicht die Diagnose an. Andersfalls wäre die implizite Aussage, daß die Frau an ihrer eigenen Lieblosigeit leidet und das klingt schon ein wenig sophisticated. Die Frau leidet daher an der Lieblosigkeit des Mannes, eben weil es ein Heilmittel ist, daß er ausgetauscht wird. Somit erscheint die männliche Lieblosigkeit als Teil seiner mit der Umwelt weitgehend wechselwirkungsfreien Natur: Seine Lieblosigkeit ist seine Schuld. Die Frau ist daher keinesfalls leer, sondern übervoll, findet aber im in sich selbst lieblosen Mann keinen adäquaten Partner in Sachen Liebe, den sie aber so sehr begehrt – in einem abstrakten, nicht-sexuellen, heiligen Sinne, denn es wird ja keine Sexparty als Hilfmittel verordnet. Daher ist es nur konsequent, daß der versagende Mann als Ersatzteil behandelt und ausgewechselt wird – was kann schon eine Frau dafür, wenn der Mann lieblos ist, denn immerhin ist ja die Menschlichkeit (und dafür ist Lieblosigkeit DAS zentrale Indiz) ja die Aufgabe des Mannes. Folglich wird hier ebenfalls die tradierte Vorstellung – die man in jedem Western aus den 50igern miterleben kann – verabschiedet, daß es die Aufgabe der Frau als Geschlechtswesen wäre, den Mann als Geschlechtswesen zu retten. Im Gegenteil, Frau kann etwas verlangen und wenn der Mann selbst daran schuld ist, daß er ES nicht bringt, dann ist ihm auch nicht mehr zu helfen und er kann abzittern.

    Kontrollüberlegung: Was würde passieren, wenn man hier die Geschlechter austauschen würde? Kann man die invertierte Geschichte genauso erzählen? Nein, denn das Leid des Mannes ist nicht seine Sache, seine Sache ist es, sich über sein Leid zu erheben – nach der mainstreammäßig praktizierten und auch vom Feminismus (Stichwort: MIMIMIMIHH) wiederholten Normalität für Männlichkeit. Wenn ein Mann beim Arzt ist, dann wurde er geschickt – von Leuten, die es besser wissen als er, da er als Preis für seine Erhebung über sein Leid den Kontakt zu sich selbst, seinem Körper, ja der gesammten, in einem verborgenen Sinne beseelten Natur verloren hat. Und da es hier um Geschlechter geht, hat ihn eine Frau zum Arzt geschickt, was bedeutet, daß der Arztbesuch selbst nicht nur ein Zeichen von Gebrechlichkeit, von Unmännlichkeit, sondern auch von Unmündigkeit ist. Somit sitzt der Mann nun beim Arzt, hat keine Ahnung von sich selbst und benötigt eine Diagnose, nicht aber das Wissen von Ursache – die ihm gegeben wird, er wird als lieblos charakterisiert. In dem invertierten Szenario würde nun dem Mann vom Arzt eine neue Frau verschrieben werden, was bedeuten würde, daß er die erste verbraucht, aufgezehrt, ausgelutscht hat – es aber gar nichts gebracht hat, denn er ist ja immer noch lieblos. Die Frau würde daher nicht ausgewechselt, weil sie im übertragenen Sinne kaputt ist, sondern sie würde wie eine zweite Injektion Liebe angesehen werden – die der Mann gar nicht verdient hat, denn er ist ja erwiesenermaßen eigentlich kein richtiger Mensch.

    Was ist mit dem Witz? Der Witz stellt sich im nicht-invertierten Szenario imho hier ein, weil verkürzt wird, sie Frau lacht aus selbstironischer Bitterkeit als Reaktion über das aufblitzende Begreifen der harten Realität für die Frau, die sie im Grunde täglich erlebt, der Mann lacht, weil er sich schämt. Im invertierten Szenario ist das nicht so, weder schämt sich die Frau, im Gegenteil, sie ist empört darüber, daß sie an einen Mann verschleudert wird und über eine Lusche von Mann, der nicht mal durch eine Frau zum Menschen wird, sondern anstelle dessen zum Arzt geschickt werden muß, kann man nicht lachen – sowas ist einfach nur ekelerregend.

    Und darum stimmt meine Interpretation: Weil nur im ersten Fall ein Witz dabei herauskommt.

  2. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, Nanananananaaaaa Schallala und Rumtata. Oder wie heißt es so schön in dem von einem CIS Mann geschriebenen Schlager? Man muss nicht in alles etwas interpretieren…

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