Ist “neckisch” eine Wertung?

Eine Terres des Femmes Aktion macht die Runde durch begeisterte Tumblr und Ufunk Seiten.

Es ist die alte Leier: Auch wenn ein Mädchen sich wie eine Schlampe benimmt und kleidet, ist es nicht erlaubt, in ihr etwas anderes als einen wunderbaren, wertvollen Menschen zu sehen.

So unsinnig wie alt.

Nur der Slogan macht mich diesmal extra ratlos.

prüde
altmodisch
langweilig
neckisch
frech
herausfordernd
Schlampe
Hure

Messe den Wert einer Frau nicht an ihrer Kleidung

Bei „Schlampe“ und „Hure“ würde ich zustimmen, dass eine wertfreie Verwendung der Begriffe selten ist.

Obwohl sich auch hier Gegenbeispiele finden. Tucker Max schreibt z.B. in “I hope they serve beer in Hell”:

4:00 Mir reicht küssen nicht, fange an mit der Hand zu forschen. Sie trägt keinen Schlüpfer. Golddigger-Schlampen sind großartig.

Ein Lob, das angesichts des Rests des Buches vollkommen ernst gemeint ist. Tucker liebt Schlampen.

Wo also findet die Wertung wirklich statt?

Wo bloß?

Vielleicht in Köpfen wie diesem?
Screen Shot 2013-08-19 at 7.50.16 PM

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8 thoughts on “Ist “neckisch” eine Wertung?

  1. Pingback: Kleider machen gar keine Leute | Meinungen und Deinungen

  2. Das Problem ist mehr, dass damit Männern unterstellt wird, sie würden den “Wert” einer Frau an ihrer Kleidung festmachen. Ich bezweifle, dass das ein einziger Mann tut (wobei ich das nicht für Homosexuelle und/oder Modedesigner beantworten kann).

    Aber ich komme der Aufforderung gerne nach und beurteile Frauen nach meiner Lust, mit ihnen, kombiniert mit ihrer Bereitschaft, mit mir Sex zu haben. Ich bezweifle zwar, dass das das Ziel der Kampagne erreicht, aber wenn Terre des Femmes unbedingt wollen, dass ich 95% aller Frauen für wertlos halte…

    • Darauf wollte ich ursprünglich hinaus.
      Natürlich trägt Kleidung zu einer Einschätzung der Person – auch durch Männer – bei.
      Aber dass der WERT dabei gesetzt wird… das scheint mir eher weibliche Gewohnheit zu sein.
      Es ist zum Beispiel ein riesiger Unterschied, wie Frauen mich behandeln an einem der seltenen Tage, da ich mal im Anzug unterwegs bin. Deutlich wertschätzender.

      • Ich musste eine Weile nachdenken, ob das, was Du sagst, der Kampagne eine gewisse Berechtigung verleiht oder sie zur völligen Idiotie macht. Denn: Deine Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich trage im Winter Cordhosen und Baumwollhemden und im Sommer Leinenhosen und Twillhemden und könnte der Damenwelt kaum egaler sein. Ziehe ich dann einen Anzug an, ändert sich das mehr als durch alles andere, und ich besitze nichtmal mehr einen Anzug, der mir wirklich passt, da ich zehn Kilo abgenommen habe, seit ich mir die habe schneidern lassen. Und der Punkt ist interessant: So ein Anzug scheint sich als “Statussymbol” für Männer enorm etabliert zu haben und signalisiert offenbar nicht nur Attraktivität, sondern auch Kompetenz. Übrigens auch gegenüber Männern; schau Dir mal den typischen Versicherungsvertreter an: Modischer, passender Anzug, auch um 18 Uhr frisch rasiert und irgendeine übergroße Markenuhr. Davon sind das natürlich immer noch Versicherungsvertreter, aber die würden sich nicht so herrichten, wenn es nichts bringen würde. Und eine solche Möglichkeit haben Frauen nicht. Die Frau, die ihr Businesskostümchen mit Bleistiftrock trägt, wird halt eher mit “sexy Sekretärin” assoziiert als mit “kompetent”. Insofern hätte die Kampagne theoretisch ihre Berechtigung, wenn sie darauf abzielen würde, dass man Leute sowohl bzgl. Attraktivität als auch Kompetenz nicht aufgrund ihres Kleidungsstils beurteilen sollte.

        Wenn man das aber trennt, ist es völlige Idiotie: Im Geschäftsleben gibt es Regeln, an die man sich zu halten hat, und eine Frau, die mir ihre Titten zeigt, ist schlicht genauso unseriös wie ein Mann mit Leinenhose und Twillhemd – denk Dir “in einer Bank”.

        Das liegt aber nicht nur daran, dass es etablierte “Kleidungsstandards” für Männer gibt, das liegt daran, dass sich Männer an Kleidungsstandards halten – und halten müssen. Wenn man einem Bauern einen Armani-Anzug anzieht, sieht der aus wie ein Bauer, dem man einen Armani-Anzug angezogen hat. Wenn man der Bäuerin ein Gucci-Kleid anzieht, sieht sie aus wie die Yahoo-Chefin in ihrem Gucci-Kleid.

        Das Problem ist also vielmehr, dass Frauen Sachen anziehen, die für ihren eigentlichen Stand/Status unpassend sind, wohl auch weil sowas in der Cosmopolitan steht. Oder besser: es gibt Kleidungsstandards für Berufe. Männer machen das nicht nur nicht (würdest Du einen Maler im Anzug beschäftigen?), sondern es fällt schlicht auch mehr auf. Das ist ein Frauenproblem, was von Frauen für Frauen verursacht wird.

        Und wenn die “Business”-Frauen so angezogen sind, wie es die aktuelle Ausgabe der Cosmopolitan es empfiehlt, gehe ich halt davon aus, dass sie in ihrer Freizeit die Cosmopolitan liest und nicht das Manager-Magazin, was sie halt schlicht inkompetenter macht.

        Man muss sich halt mit der Welt abfinden, wie sie ist, und kann nicht erwarten, dass sich die Welt für einen selbst ändert. Wenn ich zur Bank gehe, um mal Geld abzuholen, finde ich es ganz in Ordnung, dass die Dame nicht nur nach meiner EC-Karte, sondern auch nach meinem Ausweis fragt und nicht einfach irgendeinem dahergelaufenen, unrasierten Typen mit Leinenhose und Twillhemd 25K Euro gibt, nur weil der am Vortag angerufen und irgendwas von einem Auto erzählt hat. Das ist dann der Übergang von dem skeptischen “Hätten Sienen Ausweis bei?” auf “Vielen Dank, Herr Dr. Z., das dauert jetzt leider einen kleinen Moment”. Kann ich mit leben. Wie mit Leinenhose und Twillhemd. Meine Frau (Dr.) hat übrigens auch wenig Probleme mit Ausschnittstiefe “whore”. Ich habe ihr das gerade vorgelesen, und sie ergänzt: “Das hilft alles nichts, ich habe zu große Brüste, als das sich irgendwer für etwas anderes interessieren würde. Frauen hassen mich, und Männer glotzen halt auf die Brüste”.

        Btw. sind das doch eher jüngere Frauen, die sich über sowas beschweren, oder? Ich weiß nun nicht, wie alt Du bist, aber ganz ehrlich – seit ich auf die Mitte 30 zuging, hielten mich urplötzlich alle für viel kompetenter als vorher. Natürlich _war_ ich da auch kompetenter als mit 25; man braucht sieben Jahre, um irgendwas wirklich zu können (hab ich wo gelesen).

        Nachdem ich eh so viel geschrieben habe: Ich hatte zwei Frauen als “Kolleginnen”. Nachdem mein einziger angestellter Job “Doktorand” war, ist das nun sehr selektiv, aber trotzdem. Die erste war W. W wurde nur wegen ihres Aussehens eingestellt, weil der Herr Professor (a) eine Frau einstellen musste, um nicht wie ein altmodischer Sexist zu wirken und (b) ein altmodischer Sexist war. W hatte vorher bei [Großkonzern] gelernt, dass “Kompetenz vortäuschen” und “gut aussehen” reicht – bis sie freiwillig gegangen wurde. W verließ uns nach einer Weile. Dann kam M. M war ein ganz niedliches Mädchen, was was lernen wollte. Und M hat viel gelernt. M kam auch damit klar, dass sie mit _der_ Brille aussieht, wie eine Lehrerin aus einem Klischeeporno. M hat auch gelernt, dass das nicht an _der_ Brille lag (sie sieht sie immer noch aus wie eine Lehrerin aus einem Klischeeporno). Aber immerhin wurde gerade ihr Chef bei [anderer Großkonzern] freiwillig gegangen, und den Posten hat sie auch verdient. Finden zumindest ich und der Rest des Dutzend männlicher Dres.

  3. Messe den Wert einer Frau nicht an ihrer Kleidung

    Als oberster Rechtschreib-Taliban möchte ich noch anfügen, daß hier eigentlich “Miss” oder “Miß” (nach alter, nicht verhunzter Rechtschreibung) stehen müßte.

    Du sagst doch auch nicht:”Werfe mal den Ball rüber.” 🙂

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