„Ist Genie männlich?”

„Natürlich nicht.“

Die Zeit-Titelseite vom 19.3.

Der Anreißer auf Seite 71 präzisiert die Antwort:

Oder haben Frauen einfach keine Lust auf die einsame Arbeit am wissenschaftlichen Werk?

Was man m.E. verlustfrei umformulieren kann in „Fehlen Frauen wesentliche Voraussetzungen fürs geniale Schaffen?“

Der Artikel ist nicht so schlecht, wie die Einleitung vermuten ließe.
Er beklagt den goldenen Käfig, in den das Bürgertum die Frau gesteckt hat und stößt damit letztlich in das gleiche Horn wie Kucklick, nur von der anderen Seite.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in der Darstellung bei man-tau der Preis diskutiert wurde, den Frauen für ihre Verkörperung des Guten zahlen.

Ebenso fehlt im Zeit-Artikel die Kehrseite der Medaillie: Dass es gute Gründe für die neue Rolle der Frau gab, die sich nicht im männlichen „Wir gönnen es denen nicht“ erstreckten.
Der Autor sagt stattdessen, dass es heute ja keine Gründe für das Rollenbild mehr gibt (die Bösewichter sind besiegt?), aber irgendwie hallt das Rollenbild immer noch nach – scheinbar unverständlich.

Am Anfang und am Ende des Artikels steht ein Jelinek-Zitat: “Es wird der Frau kein Werk zugetraut.”
Am Ende scheitert der Autor an der selbstgestellten Frage: “Von wem eigentlich?”
Etwas mutlos wirft er Fernsehen, Internet, Ratgeberbücher und die Ratskeller der CSU als patriarchalische Unterdrückungschimären ins Rennen, kann aber anscheinend selbst nicht recht dran glauben, dass eine geniale junge Frau nun grad von diesen ausgebremst werden sollte.

Ich könnte mir die Zurückhaltung der Frauen erklären, wenn es eine mächtige Stimme in der Gesellschaft gäbe, die von früh bis spät auf junge Frauen einteufelt, dass Frauen unterdrückt werden, dass Frauen von großen Teilen der Gesellschaft gehasst werden, dass das Verlassen vertrauter Bereiche geradezu Todesmut braucht, dass allgegenwärtige misogyne Kräfte auch vor tätlichen Übergriffen nicht zurückschrecken, um eine Frau am Vorwärtskommen zu hindern.
Wenn es so eine Stimme gäbe, fände ich es sehr verständlich, dass viele junge Frauen zu dem Schluss kommen, dass es den Einsatz vielleicht nicht wert sei.

In Ermangelung dieser Stimme bleibt wirklich nur Ratlosigkeit.

Und das Schlusswort des Autors, der (sinngemäß) den Studentinnen zuruft: „Mädels, nu macht doch! Wir haben euch doch jetzt befreit; nu handelt auch endlich entsprechend.“


Aus dem Gedächtnis berichtet: Bill Bryson erzählt in seiner kurzen Geschichte von fast Allem, dass die Geologie vor der Entdeckung der tektonischen Bewegungen ein echtes Erklärungsproblem hatte, wie die verschiedenen Tierarten von einem Kontinent auf den anderen gekommen sein sollten. In der Erklärungsnot wurden Landbrücken postuliert, über die Vorfahren der heutigen Tierarten von Afrika nach Südamerika marschiert sein sollen.
Irgendwann waren so viele Verwandschaftsverhältnisse zwischen Tieren verschiedener Kontinente festgestellt worden, dass vor lauter Landbrücken kaum noch Platz für Wasser geblieben wäre.

So ähnlich kommt mir das Erklärungsmodell des Feminismus vor: Rape Culture, Mikroagressionen, patriarchale Dividende und was noch für unsinnige Konstrukte, nur um bloß nicht der revolutionären Idee ins Auge schauen zu müssen, dass Männer und Frauen vielleicht doch statistisch gesehen deutlich verschieden sind.

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8 thoughts on “„Ist Genie männlich?”

  1. Ich könnte mir die Zurückhaltung der Frauen erklären, wenn es eine mächtige Stimme in der Gesellschaft gäbe, die von früh bis spät auf junge Frauen einteufelt, dass Frauen unterdrückt werden(Feminismus), dass Frauen von großen Teilen der Gesellschaft gehasst werden(Patriarchat), dass das Verlassen vertrauter Bereiche geradezu Todesmut braucht(Frauenquote/-förderung), dass allgegenwärtige misogyne Kräfte auch vor tätlichen Übergriffen nicht zurückschrecken(rape culture), um eine Frau am Vorwärtskommen zu hindern.
    Wenn es so eine Stimme gäbe, fände ich es sehr verständlich, dass viele junge Frauen zu dem Schluss kommen, dass es den Einsatz vielleicht nicht wert sei.

    In Ermangelung dieser Stimme bleibt wirklich nur Ratlosigkeit.

    Es scheint so, als gäbe es diese Stimme…

  2. “Ich könnte mir die Zurückhaltung der Frauen erklären, wenn es eine mächtige Stimme in der Gesellschaft gäbe, die von früh bis spät auf junge Frauen einteufelt, dass Frauen unterdrückt werden, […]”

    Ist schön formuliert und klingt auch ein bisschen plausibel.
    Trifft aber meiner Meinung nach den Kern genauso wenig wie der Artikel in der Zeit.
    Der streift den wesentlichen Gedanken nur mal kurz, um ihn dann gleich wieder fallen zu lassen und nicht weiter zu verfolgen:
    “… haben Frauen einfach keine Lust […] ?”

    Wenn ich reale Frauen aus dem realen Leben frage, warum sie nicht z.B. eine Naturwissenschaft oder etwas aus dem technischen Bereich studieren/studiert haben, dann fällt den allermeisten die Unlust daran geradezu aus dem Gesicht raus.
    Nö. keine Lust. Nö, das passt nu so überhaupt nicht zu dem, was ich mir für mich vorstelle. Das passt überhaupt nicht zu mir. Das ist so weit weg von jeder Vorstellbarkeit wie es überhaupt nur geht.
    Die wenigen, die es dennoch tun, scheinen mit Akzeptanz als Frau in ihrem Bereich eher wenig Schwierigkeiten zu haben (siehe auch Anne Nühm).

    Der Zeit-Artikel erwähnt die Frauen aus der Zeit des Bürgertums, die sich gegen den Frauenausschluss aus dem akademischen und künstlerischen Sektor durchsetzen mussten, und die das auch gemacht haben, weil es ihr Bedürfnis war. Wenn dieses Bedürfnis da ist, bricht es sich auch seine Bahn, bei Frauen ebenso wie bei Männern.

    Mir fehlen die Geschichten von Frauen, die sagen, dass sie im Grunde gerne “was technisches” oder “was Naurwissenschaftliches” studiert hätten, sich aber nicht getraut haben, weil man ihnen signalisiert hätte, sie würden das nicht schaffen.
    Also die Geschichten heutiger Frauen, nicht von vor über 40 Jahren.
    Nicht mal in den gesammelten Werken des Feminismus finden sich diese Frauen. An der Stelle argumentiert der Feminismus nie individualistisch (wie er es bei anderen Leiderfahrungen durchaus gerne und lang und breit tut, wenn sich die Gelegenheit bietet), sondern ausschließlich kollektivistisch: Es sei eben “die Gesellschaft” bzw. das Patriarchat (TM), das Frauen mit unsichtbarer Hand davon abhalte.

    Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass es einfach weniger Frauen interessiert?

    Die ganzen Frauen in den Gender-Studies:
    Warum studieren sie nicht MINT-Fächer?
    “keine Lust”.

    Andere Frauen sollen das bitteschön für sie machen.
    Sie selbst haben natürlich eine “selbstbewusste und emanzipierte Entscheidung” getroffen. Andere Frauen, die kein MINT studieren, sollen aber von einer unsichtbaren “gläsernen Decke” und dem “Patriarchat” (TM) daran gehindert worden sein, etwas anderes entschieden zu haben als sie selbst, nämlich die Entscheidung, keine MINT-Fächer zu studieren.

    Sie selbst haben einfach “keine Lust” und “kein Interesse” daran, aber andere Frauen sollen dieses geheime Interesse wohl haben und daran gehindert werden, ihnen nachzugehen.

    Wo sind diese Frauen, die das insgeheim gerne möchten?
    Ich höre ihre Stimme nicht. Nirgends.
    Es gibt immer nur Stellvertreter, die behaupten, dass es sie geben müsse.
    Weil nicht sein kann was nicht sein darf:
    Dass sich Männer und Frauen an dieser Interessenlage unterscheiden, und sich dies auch Zahlenmäßig in der Berufswahl widerspiegelt.

    Auch der Zeit Artikel sitzt der Illusion auf, dass eine Zahlenmäßige “Gleichstellung” ein per se erstrebenswertes Ziel sein muss.
    Er erkennt nicht, dass man dazu Frauen gegen ihren Willen dazu zwingen müsste, Lebensentscheidungen zu treffen, die sie nicht wollen.
    Die vorhandenen Zahlenverhältnisse in den Naturwissenschaften sind Ausdruck dessen, dass wir in einem (noch) feien Land leben, in dem Individuen ihre Lebensentscheidungen selbst treffen können.
    Es ist entlarvend, dass uns hier immer wieder gerade sozialistische Länder als Vorbilder genannt werden, bei denen die entsprechenden Frauenquoten höher waren.

    (hm – ich behalte mir mal vor, auf Grundlage dieses Kommentars irgendwann einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben …)

  3. “Ich könnte mir die Zurückhaltung der Frauen erklären, wenn es eine mächtige Stimme in der Gesellschaft gäbe, die von früh bis spät auf junge Frauen einteufelt, dass Frauen unterdrückt werden, dass Frauen von großen Teilen der Gesellschaft gehasst werden, dass das Verlassen vertrauter Bereiche geradezu Todesmut braucht, dass allgegenwärtige misogyne Kräfte auch vor tätlichen Übergriffen nicht zurückschrecken, um eine Frau am Vorwärtskommen zu hindern.
    Wenn es so eine Stimme gäbe, fände ich es sehr verständlich, dass viele junge Frauen zu dem Schluss kommen, dass es den Einsatz vielleicht nicht wert sei.”

    Doch, doch! Diese Stimme gibt es, es ist der Feminismus selbst, der den jungen Frauen vorgaukelt, dass sie unterdrückt und diskriminiert werden. Eine Zeit, die schon lange vorbei ist, die schon in meiner Jugend (80er Jahre) überwunden war.
    Doch immer noch schreit der Feminismus – und in letzter Zeit immer lauter und schriller – “Ihr werdet diskriminiert! Ihr werdet diskriminiert!”.
    Der Feminismus schreit so laut und falsch, dass sein eigenes Klientel, also die Personen, denen er eigentlich Mut machen sollte, durch dieses Gebrüll entmutigt werden.

    • Öhm – bevor jetzt noch ein paar Leute auf die Idee kommen, den Autor darüber “belehren” zu können, dass es diese Stimme “tatsächlich gibt”, möchte ich einwerfen, dass der besagte Absatz vor Ironie dermaßen strotzt, dass es selbst feministinnen beim Lesen klar sein wird, dass mit dieser hypothetischen Stimme ganz konkret sie gemeint sind.
      Just my 2 cent

      • 🙂

        Eine meiner Basisthesen: Feminism hurts women, too.
        Frauen werden nachweislich immer unglücklicher.
        Dies ist ein weiteres Indiz, warum.

  4. Hallo,

    Frauen haben keine Lust? Frauen mögen die Fächer nicht? Frauen sind nicht so fokussiert? Frauen streben nicht nach oben?

    Männer haben Lust. Männer lieben ?zufällig? die Genie-fächer. Männer sind fokussiert, geradezu besessen. Männer streben immer nach oben.

    + Savants sind fast ausschliesslich Männer. Männer geben alles auf um sich ihrer “Wahn”idee zu widmen. Männer wollen etwas besonderes leisten. Genies sind fast aussschliesslich Männer.

    Und jetzt?

    MfG
    Yeph

  5. “Der Artikel ist nicht so schlecht, wie die Einleitung vermuten ließe.”

    Für die Zeit, die bei diesem Thema ja geistig oft in den 1970 stehengeblieben ist, ist der Artikel in der Tat **relativ gut**. Lustig fand ich: “Das Patriarchat ist unbekannt verzogen.” Richtig ist auch “die Frage nach dem Milieu”.

    Komplette Denkstarre hingegen bei “Die krudesten [Theorien vom Wesen des Genies] argumentierten biologisch”.
    Weitgehend daneben die Annahme, daß Frauenquoten in der Professorenschaft etwas mit Emanzipation zu tun haben und die Unterschätzung des Risikos akademischer Laufbahnen. Da wird zwar noch “Die Langsamkeit akademischer Karrieren” erwähnt, aber übersehen, daß die meisten Anläufe auch bei Männern erfolglos bleiben. D.h. die Entscheidung fast aller Frauen, keine akademische Karriere anzustreben, ist unter Abwägung von Chancen und Risiken qualifiziert und sinnvoll.

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