Unmenschlichkeiten im Feminismus

Ich fühle mich wie ein unverständiger Unmensch, da ich einen Bericht, bei dem sich alle anscheinend einig sind, schlichtweg nicht verstehe.

Es geht um die letzte Entgleisung der Emma.

Die schreibt nämlich:

Denn es gibt etwas, das fürchtet manch werdende Mutter wie eine Behinderung des Kindes: in der Schwangerschaft fett zu werden. Und schlimmer noch: nach der Geburt fett zu bleiben.

Die Autorin stellt also fest, dass es verschiedenes gibt, wovor eine Frau in oder aufgrund der Schwangerschaft Angst hat. Sie nennt zwei Beispiele: Zunehmen und ein behindertes Kind zur Welt bringen.
Vermutlich gibt es noch weitere: Dass man eine Fehlgeburt erleidet, dass der Mann einen verlässt, dass die Karriere aufgrund des Ausfallens und der folgenden Teilzeit leidet, dass das Geld nicht reicht.

Alle diese Ängste kann ich nachvollziehen. Im Sinne von: Wenn mir eine Schwangere erzählt, dass sie vor einem dieser Punkte Angst hat, ist meine Reaktion nicht “Waaaas?!? Wieso das denn?”, sondern “Das kann ich verstehen. Wird schon gut gehen. Lass mal schauen, was wir tun können.”

In den Social Media gibt es aber eine heftige Reaktion, ausgelöst von einer Frau Kaiser:

„Ich vermute, ihr wolltet damit polarisieren. Dagegen habe ich eigentlich nichts. Aber hier geht Ihr eindeutig einen Schritt zu weit. Euer Vergleich ist mehr als hinkend, er ist gestolpert und hingefallen. Der Vergleich ist geschmacklos. (…) Ihr bedient Euch eines Klischees, das von Themenfremdheit, mangelnder Empathie und Arroganz zeugt.“
Der Satz zeuge weder von einer feministischen, noch von einer sozialen oder humanistischen Haltung.

Und hier bin ich abgehängt.

Was genau ist das Problem?

Ist es ein quantitatives Problem?
Also, dass die Angst vor einem behinderten Kind tausend Mal größer sein sollte? So wie wenn einem nach dem Tod des Vaters der unglaubliche Trost gegeben wird: “Ich weiß wie du dich fühlst, mir ist auch grad mein Wellensittich gestorben.”

Widerspricht das nicht genau dem, was Behindertenförderer nicht müde werden zu verlautbaren, dass Behinderte ganz normale Menschen sind und ganz prima im Umgang und überhaupt kein Grund zur Sorge oder Sonderbehandlung, Integration für alle etc.pp.?

Ist es daher im Gegenteil so, dass es als inhuman gilt, vor einem behinderten Kind Angst zu haben? Das Problem der Emma wäre dann nicht, dass “behindertes Kind” in einem Atemzug mit “Fett werden” genannt wird, sondern in einem Atemzug mit “Angst haben”.
Das kann insofern nicht sein, als in der Reaktion ja nicht von einem „unsinnigen“ Vergleich, sondern von einem „geschmacklosen“ Vergleich geredet wird. Das heißt: Was da verglichen wird, ist durchaus vergleichbar, aber es “gehört sich nicht”.

Die Empörung scheint mir nur erklärlich, wenn man voraussetzt, dass ein behindertes Kind zu bekommen, auf sehr persönlicher Ebene so ziemlich die größte Katastrophe ist, die einer werdenden Mutter passieren kann.

Ich frage mich, ob das wirklich das ist, was Frau Kaiser sagen will.

Wie sie das wohl ihrer eigenen, behinderten Tochter vermittelt? „Ich hab dich zwar lieb, aber gleichzeitig bist du eine Katastrophe.”

Unterm Strich bleibt für mich der übliche Eindruck, dass die Empörung nicht mehr ist als das so zeitgeistige: “Ich bin etwas ganz ganz Besonderes. Wie kannst du es wagen, mich als etwas nicht ganz ganz ganz Besonderes zu betrachten?Mir gebührt ganz viel Aufmerksamkeit”. Dazu passt, dass Frau Kaiser der Emma eine lange Liste geschickt hat, mit Vorschlägen, über welche Behinderungsthemen mal geschrieben werden könnte.


Es bleibt noch etwas.

Ein Blatt, das seit vielen, vielen Jahren Artikel mit der Grundeinstellung “Was ist ein Mann in Salzsäure? Ein gelöstes Problem” veröffentlicht, wird in dem Moment als inhuman wahrgenommen, wo sie den Sachverhalt der Behinderung mit “Shit happens” behandeln.

Was sagt das über Frau Kaiser?


Falls die Seite im Original je verschwindet, hier ein Screenshot.
emma

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4 thoughts on “Unmenschlichkeiten im Feminismus

  1. Es ist so, wenn ich eine Aussage treffe wie: “Es gibt mehrere Verbrechen, wenn ein Mann fremd geht oder ein Mord begangen wird.” bekommt das eine ein stärkere Gewichtung als nötig durch das andere. Es bekommt eine andere Wertung. Das ist hier bei der EMMA passiert.

    Ich hätte es aber glatt überlesen und einfach als etwas Ungeschicktes gewertet. Selbst bei der EMMA wäre ich da jetzt nicht so derartig auf der Suche gewesen. Der Feminismus hat aber das “hyänenartige” in den Frauen geweckt. Sie sind unnötig bissig geworden. Die Empathie ging völlig über Bord…

    Falls ich den Hyänen Unrecht getan habe: Es war sinnbildlich gemeint. Ich finde Hyänen sind schöne Tiere. 😉

  2. Ach so: Die männerfeindlichen Witze habe ich vor einiger Zeit noch online bei der EMMA gesehen. Ich habe mir aber zur Vorsicht ein PDF daraus gemacht.

  3. >Es ist so, wenn ich eine Aussage treffe wie: “Es gibt mehrere Verbrechen, wenn ein Mann fremd geht oder ein Mord begangen wird.” bekommt das eine ein stärkere Gewichtung als nötig durch das andere. Es bekommt eine andere Wertung. Das ist hier bei der EMMA passiert.

    Da ist was dran. Den Krokodilstränen von Frau Kaiser zum Trotz, gibt es hier eine differenzierte Wertung. Ein behindertes Kind ist relativ leicht und schnell in eine Pflegeeinrichtung entsorgt, aber das Fett………….

  4. Ich finde, daß only_me den Kritikpunkt von Frau Kaiser gut verstanden hat – ich verstehe nur nicht, warum er im Anschluß daran seine Spitzfindigkeiten rausläßt. Insbesondere ist es verfehlt, Frau Kaiser auf die Position der sogen. Behindertenförderer festzulegen, gemäß der Behinderte vollwertige Menschen sind, die sich von gesunden Menschen zwar unterscheiden, aber diesen in keiner Hinsicht nachstehen.
    Ich würde erst mal davon ausgehen, daß Frau Kaiser soviel Realismus besitzt, daß sie weiß, daß ein behinderter Mensch mit vielen Nachteilen sein Leben bewältigen muß und daß diese Nachteile auch für seine Eltern Nachteile mit sich bringen. Und das Ausmaß dieser Nachteile macht den Vergleich zwischen der Angst vor der Geburt eines behinderten Kindes mit der Angst, während der Schwangerschaft fett zu werden und nach der Geburt fest zu bleiben, sehr unangemessen. Ich denke, Frau Kaiser hat einfach Recht.
    Man kann sich darüber streiten, ob es angemessen ist, wegen diesem Punkt ein großes Faß aufzumachen – vielleicht sollte man besser den Ball flach halten. Aber wenn sich die EMMA nicht scheut, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ein Riesen-Faß aufzumachen, dann kann Frau Kaiser das ja auch mal probieren.
    Bemerkenswert an dem Beitrag von Frau Kaiser finde ich weniger den genauen Inhalt, als daß hier wieder einmal deutlich wird, wie wenig das Engagement der EMMA mit den Denken und Fühlen der normalen Frauen zu tun hat, obwohl die EMMA doch für sich in Anspruch nimmt, genau diese Frauen zu repräsentieren und sich für sie einzusetzen.

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