Objektifizierung – wie immer nicht so schwarz-weiß wie von Feministen gemalt

In diesem Vortrag

erwähnt Karen Straughan eine Studie, die das feministische Objektifizierungskonzept angeblich ziemlich alt aussehen lässt.

Ich habe keine Zeit, sie gründlich zu studieren, aber einige erste Eindrücke.

Zur Erinnerung: Der Gedanke der Objektifizierung ist, dass ein Mensch auf eine Funktion reduziert wird und gedanklich entsorgt werden kann, sobald die Funktion erfüllt ist.
Im sexuellen Kontext also, dass die Frau nur dazu dient, den Mann aufzugeilen. Um sie geht es nicht.

Tatsächlich lässt sich empirisch ein Zusammenhang nachweisen: Je körperlicher eine Person wahrgenommen wird, desto weniger Kompetenz wird ihr zugetraut. Auch im Selbstbild: Wer sich auf seinen Körper reduziert sieht, leistet weniger.

Es hat einen guten Grund, weshalb Businesskostüme i.d.R nicht auf Sexiness aus sind, sondern auf Sachlichkeit.

Wie so häufig gibt es also eine solide empirische Grundlage, die in der feministischen Interpretation verkorkst wird. Als wenn nur Frauen nur in sexueller Hinsicht auf eine Funktion reduziert würden.

Die Studie zeigt eine neue Perspektive, aus der das feministische Konzept der Objektifizierung nicht sinnvoll (vulgo: Quatsch) ist. Denn das feministische Konzept geht davon aus, dass “Objekt <-> (beseeltes) Subjekt” eine eindimensionale Achse habe. “Stein” am einen Ende, “Mensch” am anderen.

Das ist allerdings wohl nicht der Fall. Jüngere Forschung zeigt, dass eine Achse zur Beschreibung von Geist (“mind”) nicht reicht, dass es mindestens zwei braucht: Handlungsfähigkeit und Empfindungsfähigkeit (“agency and experience”).

Agency is the capacity to act, plan and exert self-control, whereas Experience is the capacity to feel pain, pleasure and emotions

Experimente zeigen, dass der Fokus auf den Körper zwar die (Wahrnehmung von) Agency senkt, aber die (Wahrnehmung von) Experience steigert. Empfindsamkeit ist anscheinend fundamental an einen Körper gebunden, und im Umkehrschluss: Fokus auf den Körper stärkt den Fokus auf Empfindsamkeit. Kurioserweise umso mehr, je mehr Haut involviert ist. Ein nackter Mensch wirkt empfindsamer als ein nackter Roboter aus Metall.

Objektifizierung passiert demnach nicht entlang dieser Achse:
achse1

…sondern entlang dieser:

achse2

Ich verweise auf die verlinkte Studie für die Details in der Argumentation.

Sehr spannend ist folgender Aspekt: Moralische Verantwortung hat jemand in der unteren rechten Ecke. Moralische Rechte jemand links oben.
Jemand, der handelt, agiert, den kann man vollauf zur Rechenschaft ziehen für das, was er tut.
Jemand, der nicht agiert, aber empfindet, der muss beschützt werden.

Das gibt dem Umstand, dass immer mehr Frauen immer mehr Haut zeigen, eine völlig neue Note. Es geht nicht nur darum, den bestmöglichen Sexpartner anzulocken. Es geht auch um Unterstreichung sowieso schon zugestandener Hypoagency.

Der Effekt des “männlichen Blickes” ist dann aber auch nicht “Das ist ein Ding, das ich benutzen kann”, sondern “Das ist ein Wesen, für das ich verantwortlich bin”.


Beim Feminismus muss ich oft an den Faust denken: “Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.”

Das Ritual:
a) Feministin zieht aus einer korrekten Beobachtung eine offensichtlich falsche Schlussfolgerung,
b) Rationaler Mensch fragt sich und forscht, welcher Teil eigentlich stimmt und wie die Zusammenhänge wirklich sind,
c) Alle außer der Feministin sind ein wenig klüger

… funktioniert regelmäßig dann ja doch ganz gut.

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6 thoughts on “Objektifizierung – wie immer nicht so schwarz-weiß wie von Feministen gemalt

  1. Alle außer der Feministin sind ein wenig klüger

    LOL

    Business-Kostüme können durchaus sexy sein, wenn sie passend und figurbetonend geschnitten sind (und die Trägerin die entsprechende Figur hat), und erschweren es dann, die Trägerin nur auf ihren Verstand zu reduzieren.

    • “erschweren es dann, die Trägerin nur auf ihren Verstand zu reduzieren”

      Das ist genau der Punkt. Eine Frau kann über die Wahl ihres Kostüms steuern, in welchem Maße sie als Funktion oder als Mensch gesehen wird.

      • Wenn ich die Studie richtig verstanden habe (wofür ich nicht die Hand ins Feuer lege), ist das nicht geschlechtsgebunden, dass “Mehr Haut” zwar “Mehr Mensch” aber eben auch “Weniger Kompetent” bedeutet.

        In meinen Augen ist die feministische Vorstellung also der Wunsch, den Kuchen gleichzeitig zu haben und ihn zu essen: Die richtigen Männer sollen auf die Reize reagieren, die anderen sollen sie aber trotzdem voll empowered und kompetent etc finden.

  2. Das oben beschriebene Ritual (a) bis (c) paßt nur schlecht zum Faust-Diktum “Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will …” Denn nicht die Feministen “schaffen” das Gute, sondern einige wenige hermeneutisch bemühte Gutmenschen.

    Vor allem sollte man nicht vergessen, daß dieses “Ritual” eben nicht die Regel beschreibt, sondern die Ausnahme: Feministischer Schwachsinn wird von der UNO übernommen, von der WHO, von der Tagespolitik, sogar von einzelnen Firmen (man denke hier an die sogen. “gender goals”, die in vielen Firmen ihr Unwesen treiben). “Übernommen” heißt hier: in weitere Diskriminierung umgesetzt.

    Und da kommen dann einige Männerrechtler und lassen sich von diesem feministischen Schwachsinn zu einigen Einsichten inspirieren, die dann von Feministen prompt bestritten und mit weiteren Vorwürfen bedacht werden. “Stets das Gute schaffen” sieht anders aus. “… funktioniert regelmäßig dann ja doch ganz gut” ist hier wohl nicht mehr maskuline Schönrednerei.

    • Ich hatte mich beim Schreiben schon gefragt, ob das jemandem aufstößt…

      Denn kurzfristig wird durch Feminismus alles schlechter. Langfristig hofft mein nicht zu unterdrückender Optimismus, dass diese Abwärtsbewegung tatsächlich dafür sorgen kann, dass das Geschlechterverhältnis neu verhandelt werden kann.

      Aber – hier spricht der Pessimismus – wahrscheinlich endet alles wieder nur in einem Krieg, alle Erkenntnisse von vorher sind vergessen und die Menschheit fängt von vorne an: Frauen werden geschützt, Männer getötet, aber hin und wieder kommt ein Kind dabei raus.

      Biology is a bitch.

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