Männer sind wie iPads…

…und Frauen sind wie Unix-Rechner.

Es gibt so Bemerkungen von Freunden, die einen noch Monate später beschäftigen. Wie zum Beispiel, als eine eigentlich freundliche, intelligente, empathische Freundin vor vielen Wochen sagte: “Ich glaub schon, dass Männer leichter zu verstehen sind als Frauen”, und ich nur in schallendes Gelächter ausbrechen konnte.

Meine tägliche Erfahrung ist, dass keine Frau in meiner Umgebung auch nur im Ansatz eine Vorstellung davon hat, was mich als Mann umtreibt. Die Verpflichtung zu funktionieren, die Probleme, die daraus erwachsen, als Verfügungsmasse (expendable) zu gelten. Keine Frau musste sich z.B. je damit auseinandersetzen, ob sie in der Armee dienen will und wenn nicht, warum nicht. Mich hat das zweieinhalb Jahre meines Lebens gekostet.

Für eine Frau ist physische Gewalt etwas, was sie einfach ablehnen kann. Das kommt in ihrem Leben voraussichtlich nicht vor, sie wird aller Wahrscheinlichkeit nie in eine Situation kommen, in der sie entscheiden muss, ob sie selbst gewalttätig wird oder nicht.
Ein Mann muss eine bewusste Einstellung zum Thema Gewalt entwickeln, weil er sich wahrscheinlich nicht aussuchen kann, ob er in seinem Leben in gewalttätige Situationen gerät oder nicht. Spätestens die Einberufung macht das unübersehbar.
Wenn Tucholsky sagt, alle Soldaten seien Mörder, kann man darüber diskutieren. Wenn eine Frau das sagt, ist das blanker Hohn.


Eine Metapher für das Verhältnis der Geschlechter, die mir heute in den Sinn kam, ist der Vergleich von Männern mit iPads. Diese sind in meinen Augen die benutzerfreundlichsten Computer, die es je gab. Man (vor allem: Frau) macht sie an und sie funktionieren einfach.

Aber eigentlich weiß keiner so ganz genau, was da unter der Mattscheibe passiert. Ich selbst bin Informatiker und habe auch schon selbst Apps geschrieben und trotzdem ist das “Räderwerk” eines iPads so verborgen, dass ich nicht so ganz genau weiß, was da unter der Oberfläche rumort. Ich hab keine Ahnung, wie genau z.B. das Dateisystem aussieht. Muss ich aber auch nicht, denn in der Regel funktioniert das Ding ja.

So mögen Frauen ihre Funktionseinheiten.

In Douglas Adams “Dirk Gently’s Holistic Detective Agency” spielt eine Zeitmaschine eine Rolle, die (wenn ich das richtig erinnere) Alien Technology ist und etwa 97% ihrer Rechenleistung dafür verwendet, herauszufinden, was der User will. Die restlichen 3% reichen für das eigentliche Geschäft mit den Zeitreisen.
Das fand ich immer eine gelungene Metapher fürs UI Design.

Und es ist eine feine Metapher für den Umgang von Männern mit dem anderen Geschlecht: Die Maßgabe ist, “leicht benutzbar” zu sein. Konsistentes Verhalten. Kapselung komplexer interner Vorgände. Hohe Selbstregulierung. Umfassende Fehlerfreundlichkeit gegenüber weiblichem Input.

Kein Wunder, dass Frauen glauben, dass Männer leicht zu verstehen sind. Die funktionieren im Regelfall halt einfach. Da gibt es nicht viel zu verstehen.

Frauen hingegen können sich ein Userinterface wie ein Unix- oder gar ein Windows-Rechner erlauben. Wenn du da nicht weißt, wie man die Registry analysiert oder die Platte defragmentiert, hört das Ding irgendwann auf mitzuspielen und verweigert die Kooperation.

Der Vergleich wird keiner Frau gefallen, denn schließlich sind alle ja individuelle Schneeflocken, eine ganz anders als die andere (obwohl alle Schneeflocken aus einem Meter Entfernung exakt gleich aussehen; deswegen mag ich diese Metapher so) und überhaupt nicht berechenbar und so.

Wenn man sich die Stereotype anschaut, wie Frauen Männer und im Gegenzug Männer Frauen beschreiben, wird sehr deutlich: Frauen beschweren sich über die Bugs im Betriebssystem der Männer. Männer klagen, dass das System “Frau” für sie zu komplex ist.

Da steckt System hinter.

Wer ist privilegierter? Der, der klagt, dass das Tool nicht benutzerfreundlicher (vulgo: intelligenter) ist als der User? Oder der, der klagt, dass das System wohl schon OK wäre, aber er selbst es halt nicht recht versteht?

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5 thoughts on “Männer sind wie iPads…

  1. Pingback: JAWOs Links am Mittwoch – KW 01/02 in 2016 - Silvesternachbeben - NICHT-Feminist

  2. Danke für diesen Beitrag!

    Ich würde den Vergleich mit UI Design, Betriebssystem und Bugs nicht überstrapazieren. Wichtig scheint mir der Hinweis: Wie kompliziert oder eben einfach jemand ist (sich verhält), hängt vielleicht nicht so sehr von seiner Psyche, Mentalität usw. ab, sondern hauptsächlich von seiner sozialen Rolle und den damit verbunden Rollen-Erwartungen und -Zwängen.

    Männer in ihrer typischen Rolle können es sich einfach nicht leisten, kompliziert und capriziös zu sein: Sie müssen funktionieren, müssen etwas leisten, etwas erreichen oder aufbauen, müssen siegen. Mit Kapriolen, sprich: Komplexität und Unberechenbarkeit, geht sowas nicht.

    Ich würde annehmen, daß das bei Frauen im Prinzip ähnlich ist: Eine Frau im Gulag oder in irgendeinem chinesischen Arbeitslager ist vermutlich auch “einfach” zu verstehen.

  3. ” Die Maßgabe ist, “leicht benutzbar” zu sein. Konsistentes Verhalten. Kapselung komplexer interner Vorgände. Hohe Selbstregulierung. Umfassende Fehlerfreundlichkeit gegenüber weiblichem Input.”

    Aber WER bitte zwingt Dich dazu? “Kapselung komplexer interner Vorgänge” – warum denn bitte? Frauen tauschen sich doch gerne über “komplexe psychische Vorgänge” aus, jedenfalls lieber als über Details von Autos oder den letzten grandiosen Durchbruch in der Materialforschung.
    Wie kann man nur über einen Status klagen, den mann selbst herbei führte? Wer so tut, als sei er “einfach”, muss sich nicht wundern, dann auch so verstanden/behandelt zu werden.

    • “Aber WER bitte zwingt Dich dazu?”

      Du bist bestimmt eine von denen, die zu einem Mann sagen: “Du musst einfach nur du selbst sein, dann klappt das schon mit der Liebe.”
      Und wirklich davon überzeugt sind, damit die Wahrheit zu sagen.

  4. Etwas verallgemeinernd lässt sich aus meiner Erfahrung sagen: Frauen wollen sich durchaus über die “komplexen psychichen Vorgänge” von Männern austauschen – aber eben nur zu ihren Bedingungen. Ort, Zeitpunkt und Art der Vorgänge müssen schon genehm sein und alles muss leicht verständlich und “verdaubar”, sonst wird auf ein anderes Modell umgeschwenkt. Wirkliches Interesse und echte Akzeptanz sind nur selten vorhanden. – Ausnahmen gibt es selbstverständlich.

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