Journalismus und Fakten

Andrew Hammel schreibt über ein Interview mit Tuvia Tenenbom, das der Spiegel geführt hat.

Spiegel: Mr. Tenenbom, what is your opinion on the media landscape and freedom of opinion here in Germany?

Tenenbom: There’s no more journalism, especially in Germany. Instead there’s activism. Journalism no longer just report what happens, but what we’re supposed to think….

Spiegel: So to you, the best journalists are those who…

Tenenbom: … report facts. And don’t tell us what’s right and wrong.

Das ist zwar richtig, aber zu kurz gedacht. Es reicht nicht “Fakten zu berichten”. Welche Fakten? Es ist unmöglich, alle Fakten zu berichten. Also muss, aus rein technisch-logischen Gründen, ausgewählt werden.

Welche Fakten sollen ausgewählt werden?

Mein Vorschlag: Jene, welche der Leser benötigt, alle Seiten der Debatte zu verstehen, ohne zu der Annahme zu greifen, dass die eine Partei halt schlichtweg bescheuert sei.

Das ist sauschwer, wäre aber Journalismus, der seinen Namen verdient. Nur, wenn der Leser alle Seiten aufrichtig versteht, kann er sich selbst eine Meinung bilden, welche Punkte er aus seiner Perspektive wie gewichten will.

Damit sind wir wieder beim Haidt-Zitat:

Wenn du die Wahrheit sehen willst, sei nie für oder gegen. Der Kampf zwischen Für und Wider ist die schlimmste Krankheit des Geistes.

Wer als Journalist für eine politische Richtung ist, ist so gut wie gescheitert an seiner eigentlichen Aufgabe: Faire Darstellung der Probleme und Diskussionen.

Man sollte aber auch mit dem Journalistenbashing kurz innehalten. Der Journalismus heute ist nicht hinterrücks von fiesen Einseitern gekapert worden, denen die Leser jetzt hilflos ausgeliefert sind. Es muss da auch einen Feedbackloop gegeben haben. Es muss auch genug Leser gegeben haben, die auf Meinungen (statt Reportagen) positiv reagiert haben, oder zumindest letzteres nicht eindeutig ersterem vorgezogen haben.

Ohne zustimmendes Publikum könnte sich meinungsmachendes “Wir sind schlau, die sind doof” Schreiben m.E. nicht durchsetzen.

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